Essay · Austrian School · 1969

Der historische Hintergrund der Wiener Schule der Nationalökonomie

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1969
Summary

Ludwig von Mises zeichnet die Ursprünge und das geistige Umfeld der Wiener Schule der Nationalökonomie nach, beginnend mit Carl Mengers »Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre« (1871) und seinen frühen Weggefährten Böhm-Bawerk und Wieser. Der Aufsatz schildert die akademischen Verhältnisse an den österreichischen Universitäten, das liberale Klima der habsburgischen Verfassung von 1867 und die besondere institutionelle Rolle der Privatdozenten. Im Zentrum steht der Methodenstreit: der Konflikt zwischen den österreichischen Nationalökonomen und der deutschen Historischen Schule um Gustav von Schmoller, die die Möglichkeit allgemeingültiger ökonomischer Lehrsätze bestritt. Mises verknüpft diesen methodologischen Streit mit der politischen Entwicklung Deutschlands, die er von Schmollers Sozialpolitik über Werner Sombart bis zum Nationalsozialismus verfolgt. Schließlich ordnet er die »Österreichische Schule« als ein national fehlbenanntes Kapitel der Geschichte der ökonomischen Theorie ein, das längst in die allgemeine Volkswirtschaftslehre eingegangen ist.

Der historische Hintergrund der Wiener Schule der Nationalökonomie

Ludwig von Mises

I. Carl Menger und die Wiener Schule der Nationalökonomie

  1. Die Anfänge

Was als Wiener Schule der Nationalökonomie bekannt ist, nahm im Jahr 1871 seinen Anfang, als Carl Menger einen schmalen Band unter dem Titel Grundsätze der Volkswirtschaftslehre veröffentlichte.

Es ist üblich, dem Einfluss nachzuspüren, den das Umfeld auf die Leistungen eines Genies ausübte. Man neigt dazu, die Großtaten eines genialen Menschen zumindest teilweise dem Wirken seiner Umgebung sowie dem geistigen Klima seiner Zeit und seines Landes zuzuschreiben. Was auch immer diese Methode in manchen Fällen leisten mag, es besteht kein Zweifel, dass sie auf jene Österreicher unanwendbar ist, deren Gedanken, Ideen und Lehren für die Menschheit von Bedeutung sind. Bernard Bolzano, Gregor Mendel und Sigmund Freud wurden nicht durch ihre Verwandten, Lehrer, Kollegen oder Freunde angeregt. Ihre Bemühungen fanden weder bei ihren zeitgenössischen Landsleuten noch bei der Regierung ihres Landes Anklang. Bolzano und Mendel verrichteten ihr Hauptwerk in einer Umgebung, die man, soweit es ihre besonderen Fachgebiete betrifft, eine geistige Wüste nennen könnte, und sie starben lange, bevor man begann, den Wert ihrer Beiträge zu erahnen. Freud wurde verlacht, als er seine Lehren erstmals vor der Wiener Gesellschaft der Ärzte öffentlich vortrug.

Man mag sagen, dass die Theorie des Subjektivismus und Marginalismus, die Carl Menger entwickelte, gleichsam in der Luft lag. Sie war von mehreren Vorläufern vorausgeahnt worden. Überdies schrieben und veröffentlichten etwa zur selben Zeit, als Menger sein Buch verfasste und herausbrachte, auch William Stanley Jevons und Léon Walras Bücher, die das Konzept des Grenznutzens darlegten. Wie dem auch sei, es ist gewiss, dass keiner seiner Lehrer, Freunde oder Kollegen irgendein Interesse an den Problemen nahm, die Menger umtrieben. Als ich ihm einige Zeit vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs von den zwanglosen, aber regelmäßigen Zusammenkünften erzählte, in denen wir jüngeren Wiener Nationalökonomen Probleme der ökonomischen Theorie zu erörtern pflegten, bemerkte er nachdenklich: „Als ich in Ihrem Alter war, kümmerte sich in Wien niemand um diese Dinge." Bis zum Ende der siebziger Jahre gab es keine „Wiener Schule". Es gab nur Carl Menger.

Eugen von Böhm-Bawerk und Friedrich von Wieser studierten nie bei Menger. Sie hatten ihr Studium an der Universität Wien abgeschlossen, bevor Menger als Privat-Dozent zu lesen begann. Was sie von Menger lernten, gewannen sie aus dem Studium der Grundsätze. Als sie nach einiger an deutschen Universitäten verbrachter Zeit, insbesondere im Seminar von Karl Knies in Heidelberg, nach Österreich zurückkehrten und ihre ersten Bücher veröffentlichten, wurden sie zu Professoren der Nationalökonomie an den Universitäten Innsbruck beziehungsweise Prag berufen. Sehr bald vergrößerten einige jüngere Männer, die Mengers Seminar durchlaufen und seinem persönlichen Einfluss ausgesetzt gewesen waren, die Zahl der Autoren, die zur ökonomischen Forschung beitrugen. Im Ausland begann man, diese Autoren als „die Österreicher" zu bezeichnen. Die Bezeichnung „Wiener Schule der Nationalökonomie" kam jedoch erst später in Gebrauch, als ihr Gegensatz zur Deutschen Historischen Schule nach der Veröffentlichung von Mengers zweitem Buch, Untersuchungen über die Methode der Sozialwissenschaften und der Politischen Oekonomie insbesondere, im Jahr 1883 offen zutage trat.

Chapter 2.

Die Wiener Schule der Nationalökonomie und die österreichischen Universitäten

Das österreichische Kabinett, in dessen journalistischer Abteilung Menger in den frühen siebziger Jahren diente — vor seiner Ernennung zum außerordentlichen Professor an der Universität Wien im Jahr 1873 —, setzte sich aus Mitgliedern der Liberalen Partei zusammen, die für bürgerliche Freiheiten, repräsentative Regierung, Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, gesundes Geld und Freihandel eintrat. Am Ende der siebziger Jahre wurde die Liberale Partei durch ein Bündnis aus der Kirche, den Fürsten und Grafen des tschechischen und polnischen Adels sowie den nationalistischen Parteien der verschiedenen slawischen Nationalitäten verdrängt. Diese Koalition stand allen Idealen entgegen, die die Liberalen vertreten hatten. Gleichwohl blieben bis zum Zerfall des Habsburgerreiches im Jahr 1918 die Verfassung, zu deren Annahme die Liberalen den Kaiser 1867 bewogen hatten, und die ergänzenden Grundgesetze im Großen und Ganzen in Kraft.

Im Klima der Freiheit, das diese Gesetze verbürgten, wurde Wien zu einem Zentrum der Vorboten neuer Denkweisen. Von der Mitte des sechzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts war Österreich dem geistigen Streben Europas fremd. Niemand in Wien — und noch weniger in anderen Teilen der österreichischen Länder — kümmerte sich um die Philosophie, die Literatur und die Wissenschaft Westeuropas. Als Leibniz und später David Hume Wien besuchten, fanden sich dort keine Einheimischen, die sich für ihr Werk interessiert hätten. Mit Ausnahme Bolzanos trug vor der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts kein Österreicher etwas von Bedeutung zu den philosophischen oder den historischen Wissenschaften bei.

Doch als die Liberalen die Fesseln gelöst hatten, die jedes geistige Streben gehemmt hatten, als sie die Zensur abgeschafft und das Konkordat aufgekündigt hatten, begannen hervorragende Geister nach Wien zu strömen. Einige kamen aus Deutschland — wie der Philosoph Franz Brentano sowie die Juristen und Philosophen Lorenz von Stein und Rudolf von Jhering —, die meisten von ihnen aber kamen aus den österreichischen Provinzen; einige wenige waren gebürtige Wiener. Es herrschte weder unter diesen führenden Köpfen noch unter ihren Anhängern Gleichförmigkeit. Brentano, der ehemalige Dominikaner, begründete eine Denkrichtung, die schließlich zu Husserls Phänomenologie führte. Mach war der Vertreter einer Philosophie, die in den logischen Positivismus von Schlick, Carnap und ihrem „Wiener Kreis" mündete. Breuer, Freud und Adler deuteten neurotische Erscheinungen auf eine Weise, die sich von den Methoden Krafft-Ebings und Wagner-Jaureggs grundlegend unterschied.

Das österreichische „Ministerium für Cultus und Unterricht" beäugte all diese Bestrebungen mit Argwohn. Seit den frühen achtziger Jahren waren der Ressortminister und das Personal dieser Abteilung aus den verlässlichsten Konservativen und Feinden aller modernen Ideen und politischen Einrichtungen ausgewählt worden. Sie hatten nichts als Verachtung für das übrig, was in ihren Augen befremdliche Modetorheiten waren. Am liebsten hätten sie den Universitäten den Zugang zu all dieser Neuerung versperrt.

Doch die Macht der Verwaltung war durch drei „Privilegien", welche die Universitäten unter dem Einfluss der liberalen Ideen erworben hatten, ernstlich beschränkt. Die Professoren waren Staatsbeamte und, wie alle anderen Staatsbeamten, verpflichtet, den Anordnungen ihrer Vorgesetzten Folge zu leisten, das heißt des Ressortministers und seiner Gehilfen. Diese Vorgesetzten hatten jedoch nicht das Recht, sich in den Inhalt der in den Vorlesungen und Seminaren gelehrten Lehren einzumischen; in dieser Hinsicht genossen die Professoren die vielbesprochene „akademische Freiheit". Ferner war der Minister verpflichtet — obgleich diese Verpflichtung nie eindeutig festgeschrieben worden war —, bei der Ernennung von Professoren (oder, um es genauer zu sagen, beim Vorschlag der Ernennung eines Professors an den Kaiser) den Vorschlägen der betreffenden Fakultät zu entsprechen. Schließlich gab es die Einrichtung des Privat-Dozenten. Ein Doktor, der ein gelehrtes Buch veröffentlicht hatte, konnte die Fakultät ersuchen, ihn als freien und privaten Lehrer seines Fachgebiets zuzulassen; entschied die Fakultät zugunsten des Bittstellers, so war noch die Zustimmung des Ministers erforderlich; in der Praxis wurde diese Zustimmung vor den Tagen des Schuschnigg-Regimes stets erteilt. Der ordnungsgemäß zugelassene Privat-Dozent war in dieser Eigenschaft kein Staatsbeamter. Selbst wenn ihm der Professorentitel verliehen wurde, erhielt er keinerlei Vergütung vom Staat. Einige wenige Privat-Dozenten konnten von ihren eigenen Mitteln leben. Die meisten von ihnen arbeiteten für ihren Lebensunterhalt. Ihr Recht, die von den Studenten, die ihre Kurse besuchten, entrichteten Gebühren einzuziehen, war in den meisten Fällen praktisch wertlos.

Die Wirkung dieser Ordnung der akademischen Angelegenheiten war, dass die Kollegien der Professoren in der Leitung ihrer Schulen eine nahezu unbeschränkte Autonomie genossen. Nationalökonomie wurde an den Rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultäten der Universitäten gelehrt. An den meisten dieser Universitäten gab es zwei Lehrstühle für Nationalökonomie. Wurde einer dieser Lehrstühle frei, so hatte ein Gremium von Juristen — unter Mitwirkung von höchstens einem Nationalökonomen — den künftigen Inhaber zu wählen. Somit lag die Entscheidung bei Nicht-Nationalökonomen. Es darf billigerweise angenommen werden, dass sich diese Professoren der Rechte von den besten Absichten leiten ließen. Doch sie waren keine Nationalökonomen. Sie hatten zwischen zwei einander entgegengesetzten Denkschulen zu wählen, der „Wiener Schule" auf der einen Seite und der angeblich „modernen" historischen Schule, wie sie an den Universitäten des Deutschen Reiches gelehrt wurde, auf der anderen Seite. Selbst wenn keine politischen und nationalistischen Voreingenommenheiten ihr Urteil getrübt hätten, hätten sie nicht umhingekonnt, einer Denkrichtung gegenüber einigermaßen misstrauisch zu werden, welche die Professoren der Universitäten des Deutschen Reiches eigens als österreichisch abstempelten. Niemals zuvor war in Österreich eine neue Denkweise entstanden. Die österreichischen Universitäten waren steril gewesen, bis sie — nach der Revolution von 1848 — nach dem Vorbild der deutschen Universitäten umgestaltet worden waren. Für Menschen, die mit der Nationalökonomie nicht vertraut waren, trug das Beiwort „österreichisch", auf eine Lehre angewandt, starke Beiklänge der dunklen Tage der Gegenreformation und Metternichs. Einem österreichischen Intellektuellen konnte nichts verhängnisvoller erscheinen als ein Rückfall seines Landes in die geistige Leere der guten alten Zeit.

Carl Menger, Wieser und Böhm-Bawerk hatten ihre Lehrstühle in Wien, Prag und Innsbruck erlangt, bevor der Methodenstreit in der Auffassung der österreichischen Laien als ein Widerstreit zwischen „moderner" Wissenschaft und österreichischer „Rückständigkeit" zu erscheinen begonnen hatte. Ihre Kollegen hegten keinen persönlichen Groll gegen sie. Doch wann immer es möglich war, versuchten sie, Anhänger der historischen Schule aus Deutschland an die österreichischen Universitäten zu holen. Jene, welche die Welt die „österreichischen Nationalökonomen" nannte, waren an den österreichischen Universitäten etwas widerwillig geduldete Außenseiter.

3. Die Wiener Schule im geistigen Leben Österreichs

Die angeseheneren unter den französischen und deutschen Universitäten waren im großen Zeitalter des Liberalismus nicht bloß Bildungsanstalten, die den heranwachsenden Generationen der Berufsstände die für die zufriedenstellende Ausübung ihres Berufs erforderliche Unterweisung boten. Sie waren Zentren der Kultur. Einige ihrer Lehrer waren in aller Welt bekannt und bewundert. Ihre Vorlesungen wurden nicht nur von den ordentlichen Studenten besucht, die einen akademischen Grad zu erwerben gedachten, sondern von vielen reifen Männern und Frauen, die in den freien Berufen, in der Wirtschaft oder in der Politik tätig waren und sich von den Vorträgen nichts als geistigen Genuss erwarteten. Solche Außenstehenden, die in einem fachlichen Sinne keine Studenten waren, drängten sich etwa in Paris in den Vorlesungen Renans, Fustel de Coulanges' und Bergsons und in Berlin in denen Hegels, Helmholtz', Mommsens und Treitschkes. Das gebildete Publikum nahm ernsthaften Anteil an der Arbeit der akademischen Kreise. Die Elite las die von den Professoren herausgegebenen Bücher und Zeitschriften, trat ihren gelehrten Gesellschaften bei und verfolgte die Erörterungen der Zusammenkünfte mit Eifer.

Einige dieser Liebhaber, die nur ihre Mußestunden ihren Studien widmeten, erhoben sich hoch über das Niveau des Dilettantismus. Die Geschichte der modernen Wissenschaft verzeichnet die Namen vieler solcher ruhmreicher „Außenseiter". So ist es etwa eine bezeichnende Tatsache, dass der einzige bemerkenswerte, wenn auch nicht epochemachende Beitrag zur Nationalökonomie, der im Deutschland des zweiten Reiches entstand, von einem vielbeschäftigten Justitiar einer Aktiengesellschaft stammte, Heinrich Oswalt aus Frankfurt, einer Stadt, die zu der Zeit, als sein Buch geschrieben wurde, keine Universität besaß.1

Auch in Wien herrschte in den letzten Jahrzehnten des neunzehnten und zu Beginn unseres Jahrhunderts eine enge Verbindung der Universitätslehrer mit dem gebildeten Publikum der Stadt. Sie begann zu schwinden, als die alten Meister starben oder sich zurückzogen und Männer von geringerem Format ihre Lehrstühle erhielten. Dies war die Zeit, in der der Rang der Wiener Universität ebenso wie die kulturelle Bedeutung der Stadt von einigen wenigen Privatdozenten aufrechterhalten und gemehrt wurde. Der herausragende Fall ist der der Psychoanalyse. Sie erhielt von keiner offiziellen Institution jemals irgendeine Förderung; sie wuchs und gedieh außerhalb der Universität, und ihre einzige Verbindung zur bürokratischen Hierarchie der Gelehrsamkeit bestand darin, dass Freud Privatdozent mit dem bedeutungslosen Titel eines Professors war.

In Wien bestand, als Erbe der Jahre, in denen die Begründer der Wiener Schule endlich Anerkennung errungen hatten, ein lebhaftes Interesse an Problemen der Nationalökonomie. Dieses Interesse ermöglichte es dem Verfasser, in den zwanziger Jahren ein Privatseminar zu veranstalten, die Nationalökonomische Gesellschaft zu gründen und das Österreichische Institut für Konjunkturforschung einzurichten, das später seinen Namen in Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung änderte.

Das Privatseminar hatte keinerlei Verbindung zur Universität oder zu irgendeiner anderen Institution. Zweimal im Monat traf sich eine Gruppe von Gelehrten, unter ihnen mehrere Privatdozenten, im Büro des Verfassers in der österreichischen Handelskammer. Die meisten Teilnehmer gehörten der Altersgruppe an, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ihr Studium begonnen hatte. Einige waren älter. Sie verband ein brennendes Interesse am gesamten Feld der Wissenschaften vom menschlichen Handeln. In den Debatten wurden Probleme der Philosophie, der Erkenntnistheorie, der ökonomischen Theorie und der verschiedenen Zweige der historischen Forschung behandelt. Das Privatseminar wurde eingestellt, als der Verfasser 1934 auf den Lehrstuhl für internationale Wirtschaftsbeziehungen am Graduate Institute of International Studies in Genf, Schweiz, berufen wurde.

Mit Ausnahme von Richard von Strigl, dessen früher Tod einer glänzenden wissenschaftlichen Laufbahn ein vorzeitiges Ende setzte, und Ludwig Bettelheim-Gabillon, von dem noch mehr zu sagen sein wird, fanden alle Mitglieder des Privatseminars außerhalb Österreichs ein angemessenes Feld für die Fortsetzung ihrer Arbeit als Gelehrte, Autoren und Lehrer.

Im Reich des Geistes spielte Wien in den Jahren zwischen der Einrichtung des Parlaments in den frühen sechziger Jahren und dem Einmarsch der Nazis 1938 eine herausragende Rolle. Die Blüte kam plötzlich nach Jahrhunderten der Sterilität und Teilnahmslosigkeit. Der Verfall hatte bereits viele Jahre vor dem Eindringen der Nazis begonnen.

In allen Nationen und in allen Epochen der Geschichte waren geistige Leistungen das Werk weniger Männer und wurden nur von einer kleinen Elite gewürdigt. Die Vielen blickten auf diese Taten mit Hass und Verachtung; bestenfalls mit Gleichgültigkeit. In Österreich und in Wien war die Elite besonders klein; und der Hass der Massen und ihrer Anführer besonders giftig.

Chapter 4.

Böhm-Bawerk und Wieser als Mitglieder des österreichischen Kabinetts

Die Unbeliebtheit der Nationalökonomie ist das Ergebnis ihrer Analyse der Wirkungen von Privilegien. Es ist unmöglich, die Beweisführung der Ökonomen zu widerlegen, dass alle Privilegien den Interessen des übrigen Volkes oder zumindest eines großen Teils davon schaden, dass die so Geschädigten das Bestehen solcher Privilegien nur dann dulden werden, wenn auch ihnen Privilegien gewährt werden, und dass dann, wenn jeder privilegiert ist, niemand gewinnt, sondern jeder verliert, und zwar wegen des daraus folgenden allgemeinen Rückgangs der Arbeitsproduktivität.2 Doch die Warnungen der Ökonomen werden von der Habgier jener Menschen missachtet, die sich ihrer Unfähigkeit, auf einem Wettbewerbsmarkt ohne die Hilfe besonderer Privilegien zu bestehen, voll bewusst sind. Sie vertrauen darauf, dass sie wertvollere Privilegien erlangen werden als andere Gruppen oder dass sie in der Lage sein werden, zumindest für einige Zeit jede Gewährung ausgleichender Privilegien an andere Gruppen zu verhindern. In ihren Augen ist der Ökonom einfach ein Unruhestifter, der ihre Pläne durchkreuzen will.

Als Menger, Böhm-Bawerk und Wieser ihre wissenschaftliche Laufbahn begannen, beschäftigten sie sich nicht mit den Problemen der Wirtschaftspolitik und mit der Ablehnung des Interventionismus durch die klassische Nationalökonomie. Sie betrachteten es als ihre Berufung, die ökonomische Theorie auf eine solide Grundlage zu stellen, und sie waren bereit, sich dieser Sache ganz zu widmen. Menger missbilligte von Herzen die interventionistische Politik, die die österreichische Regierung — wie fast alle Regierungen jener Epoche — eingeschlagen hatte. Doch er glaubte nicht, dass er zu einer Rückkehr zu einer guten Politik auf andere Weise beitragen könne als dadurch, dass er in seinen Büchern und Aufsätzen sowie in seiner universitären Lehre gute Nationalökonomie darlegte.

Böhm-Bawerk trat 1890 in den Dienst des österreichischen Finanzministeriums. Zweimal amtierte er für kurze Zeit als Finanzminister in einem geschäftsführenden Kabinett. Von 1900 bis 1904 war er Finanzminister in dem von Ernest von Körber geführten Kabinett. Böhms Grundsätze in der Führung dieses Amtes waren: strikte Aufrechterhaltung der gesetzlich festgelegten Goldparität der Währung und ein ohne jede Hilfe der Zentralbank ausgeglichener Haushalt. Ein bedeutender Gelehrter, Ludwig Bettelheim-Gabillon, plante, ein umfassendes Werk zu veröffentlichen, das Böhm-Bawerks Wirken im Finanzministerium analysierte. Leider töteten die Nazis den Autor und vernichteten sein Manuskript.3

Wieser war während des Ersten Weltkriegs einige Zeit Handelsminister im österreichischen Kabinett. Seine Tätigkeit wurde jedoch durch die weitreichenden Vollmachten erheblich behindert, die — bereits bevor Wieser sein Amt antrat — einem Funktionär des Ministeriums, Richard Riedl, übertragen worden waren. Praktisch nur Angelegenheiten von zweitrangiger Bedeutung blieben der Zuständigkeit Wiesers selbst überlassen.

Chapter II.

Der Konflikt mit der deutschen Historischen Schule

1. Die deutsche Ablehnung der klassischen Nationalökonomie

Die Feindseligkeit, auf die die Lehren der klassischen ökonomischen Theorie auf dem europäischen Kontinent stießen, wurde in erster Linie durch politische Voreingenommenheiten verursacht. Die politische Ökonomie, wie sie von mehreren Generationen englischer Denker entwickelt, von Hume und Adam Smith glänzend dargelegt und von Ricardo vervollkommnet wurde, war das erlesenste Ergebnis der Philosophie der Aufklärung. Sie war der Kern der liberalen Lehre, die auf die Errichtung einer repräsentativen Regierung und die Gleichheit aller Einzelnen vor dem Gesetz abzielte. Es war nicht überraschend, dass sie von all jenen abgelehnt wurde, deren Privilegien sie angriff. Diese Neigung, die Nationalökonomie zu verschmähen, wurde in Deutschland durch den aufkommenden Geist des Nationalismus erheblich verstärkt. Die engstirnige Verwerfung der westlichen Zivilisation — Philosophie, Wissenschaft, politische Lehre und Institutionen, Kunst und Literatur —, die schließlich in den Nationalsozialismus mündete, entsprang einer leidenschaftlichen Herabsetzung der britischen politischen Ökonomie.

Man darf jedoch nicht vergessen, dass es auch andere Gründe für diese Auflehnung gegen die politische Ökonomie gab. Dieser neue Zweig des Wissens warf erkenntnistheoretische und philosophische Probleme auf, für die die Gelehrten keine befriedigende Lösung fanden. Er ließ sich nicht in das überlieferte System der Erkenntnistheorie und Methodenlehre einfügen. Die empiristische Tendenz, die die westliche Philosophie beherrscht, legte nahe, die Nationalökonomie als eine experimentelle Wissenschaft wie die Physik und die Biologie zu betrachten. Schon der Gedanke, dass eine Disziplin, die sich mit „praktischen" Problemen wie Preisen und Löhnen befasst, einen erkenntnistheoretischen Charakter haben könnte, der sich von dem anderer Disziplinen unterscheidet, die sich mit praktischen Dingen befassen, ging über das Fassungsvermögen des Zeitalters hinaus. Doch andererseits versäumten es nur die verbohrtesten Positivisten zu erkennen, dass sich auf dem Feld, über das die Nationalökonomie Wissen zu liefern versucht, keine Experimente durchführen ließen.

Wir haben uns hier nicht mit dem Stand der Dinge zu befassen, wie er sich im Zeitalter des Neopositivismus oder Hyperpositivismus des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelte. Heute sind überall auf der Welt, vor allem aber in den Vereinigten Staaten, Scharen von Statistikern in Instituten beschäftigt, die dem gewidmet sind, was man für „Wirtschaftsforschung" hält. Sie sammeln Zahlen, die von Regierungen und verschiedenen Wirtschaftseinheiten geliefert werden, ordnen sie um, passen sie an und drucken sie neu, berechnen Durchschnitte und zeichnen Diagramme. Sie vermuten, dass sie damit das „Verhalten" der Menschheit „messen" und dass es keinen nennenswerten Unterschied zwischen ihren Untersuchungsmethoden und denen gibt, die in den Laboratorien der physikalischen, chemischen und biologischen Forschung angewandt werden. Sie blicken mit Mitleid und Verachtung auf jene Ökonomen, die sich, wie sie sagen, gleich den Botanikern der „Antike" auf „viel spekulatives Denken" anstatt auf „Experimente" stützen. Und sie sind völlig überzeugt, dass aus ihrer rastlosen Anstrengung eines Tages ein endgültiges und vollständiges Wissen hervorgehen wird, das es der Planungsbehörde der Zukunft ermöglichen wird, alle Menschen vollkommen glücklich zu machen.

Doch bei den Ökonomen des ersten Teils des neunzehnten Jahrhunderts ging die Verkennung der Grundlagen der Wissenschaften vom menschlichen Handeln noch nicht so weit. Ihre Versuche, sich mit den erkenntnistheoretischen Problemen der Nationalökonomie auseinanderzusetzen, endeten freilich in einem vollständigen Misserfolg. Doch im Rückblick dürfen wir sagen, dass dieses Scheitern ein notwendiger Schritt auf dem Weg war, der zu einer befriedigenderen Lösung des Problems führte. Es war John Stuart Mills verfehlte Behandlung der Methoden der Geisteswissenschaften, die unwissentlich die Vergeblichkeit aller Argumente offenlegte, die zugunsten der empiristischen Deutung des Wesens der Nationalökonomie vorgebracht wurden.

Als die Deutschen begannen, die Werke der britischen klassischen Nationalökonomie zu studieren, nahmen sie ohne jedes Bedenken die Annahme hin, dass die ökonomische Theorie aus der Erfahrung abgeleitet sei. Doch diese einfache Erklärung konnte jene nicht zufriedenstellen, die mit den Schlussfolgerungen nicht einverstanden waren, die aus der klassischen Lehre für das politische Handeln zu ziehen waren. Sehr bald warfen sie Fragen auf: Ist nicht die Erfahrung, aus der die britischen Autoren ihre Lehrsätze ableiteten, eine andere als die Erfahrung, die einem deutschen Autor begegnet wäre? Ist nicht die britische Nationalökonomie mangelhaft aufgrund der Tatsache, dass das Erfahrungsmaterial, aus dem sie destilliert ist, nur Großbritannien war und nur das Großbritannien der hannoverschen Georges? Gibt es überhaupt so etwas wie eine ökonomische Wissenschaft, die für alle Länder, Nationen und Zeitalter gültig ist?

Es liegt auf der Hand, wie diese drei Fragen von jenen beantwortet wurden, die die Nationalökonomie als experimentelle Disziplin betrachteten. Doch eine solche Antwort kam der apodiktischen Verneinung der Nationalökonomie als solcher gleich. Die Historische Schule wäre folgerichtig gewesen, wenn sie schon den Gedanken verworfen hätte, dass so etwas wie eine Wissenschaft der Nationalökonomie möglich sei, und wenn sie sich peinlich genau jeder Aussagen enthalten hätte außer Berichten darüber, was sich in einem bestimmten Augenblick der Vergangenheit in einem bestimmten Teil der Erde zugetragen hatte. Eine Vorwegnahme der Wirkungen, die von einem bestimmten Ereignis zu erwarten sind, lässt sich nur auf der Grundlage einer Theorie treffen, die allgemeine Gültigkeit beansprucht und nicht bloß Gültigkeit für das, was in der Vergangenheit in einem bestimmten Land geschah. Die Historische Schule bestritt mit Nachdruck, dass es ökonomische Lehrsätze von solcher universellen Gültigkeit gebe. Doch das hinderte sie nicht daran, im Namen der Wissenschaft verschiedene Auffassungen oder Maßnahmen zu empfehlen oder abzulehnen, die notwendigerweise darauf angelegt waren, künftige Verhältnisse zu beeinflussen.

Da war zum Beispiel die klassische Lehre über die Wirkungen von Freihandel und Schutzzoll. Die Kritiker machten sich nicht an die (aussichtslose) Aufgabe, in der Beweiskette von Ricardos Gedankengang irgendwelche falschen Syllogismen aufzudecken. Sie behaupteten lediglich, in solchen Dingen seien „absolute" Lösungen nicht denkbar. Es gebe geschichtliche Lagen, sagten sie, in denen die durch Freihandel oder Schutzzoll hervorgerufenen Wirkungen von denen abwichen, die die „abstrakte" Theorie der „Lehnstuhl"-Autoren beschreibe. Zur Stützung ihrer Ansicht beriefen sie sich auf verschiedene geschichtliche Präzedenzfälle. Dabei übersahen sie unbekümmert, dass geschichtliche Tatsachen, die stets das gemeinsame Ergebnis des Wirkens einer Vielzahl von Faktoren sind, keinen Lehrsatz beweisen oder widerlegen können.

So entartete die Nationalökonomie im zweiten Deutschen Reich, wie sie von den staatlich ernannten Universitätsprofessoren vertreten wurde, zu einer unsystematischen, schlecht sortierten Sammlung verschiedener Wissensbruchstücke, entliehen aus Geschichte, Geographie, Technik, Rechtswissenschaft und Parteipolitik, gespickt mit abschätzigen Bemerkungen über die Irrtümer in den „Abstraktionen" der klassischen Schule. Die meisten Professoren machten in ihren Schriften und in ihren Vorlesungen mehr oder weniger eifrig Propaganda für die Politik der kaiserlichen Regierung: autoritärer Konservatismus, Sozialpolitik, Protektionismus, gewaltige Rüstung und aggressiver Nationalismus. Es wäre ungerecht, dieses Eindringen der Politik in die Behandlung der Nationalökonomie als ein spezifisch deutsches Phänomen zu betrachten. Es war letztlich verursacht durch die Verderbtheit der erkenntnistheoretischen Deutung der ökonomischen Theorie, ein Versagen, das nicht auf Deutschland beschränkt war.

Ein zweiter Faktor, der das Deutschland des neunzehnten Jahrhunderts im Allgemeinen und besonders die deutschen Universitäten die britische politische Ökonomie scheel ansehen liess, war ihre Beschäftigung mit dem Reichtum und ihr Verhältnis zur utilitaristischen Philosophie.

Die damals herrschenden Definitionen der politischen Ökonomie beschrieben sie als die Wissenschaft, die sich mit der Erzeugung und Verteilung des Reichtums befasse. Eine solche Disziplin konnte in den Augen der deutschen Professoren nur verächtlich sein. Die Professoren hielten sich für Menschen, die sich selbstverleugnend dem Streben nach reiner Erkenntnis hingaben und sich nicht, wie die Scharen der banausischen Geldverdiener, um irdischen Besitz kümmerten. Schon die blosse Erwähnung so niedriger Dinge wie Reichtum und Geld war unter Menschen, die sich ihrer hohen Kultur (Bildung) rühmten, tabu. Die Professoren der Nationalökonomie konnten ihr Ansehen in den Kreisen ihrer Kollegen nur wahren, indem sie darauf hinwiesen, dass der Gegenstand ihrer Studien nicht die gemeinen Sorgen des gewinnsüchtigen Geschäfts sei, sondern geschichtliche Forschung, etwa über die erhabenen Taten der Kurfürsten von Brandenburg und Könige von Preussen.

Nicht minder ernst war die Sache mit dem Utilitarismus. Die utilitaristische Philosophie wurde an den deutschen Universitäten nicht geduldet. Von den beiden hervorragenden deutschen Utilitaristen erhielt Ludwig Feuerbach niemals eine Lehrstelle, während Rudolf von Jhering ein Lehrer des römischen Rechts war. Alle Missverständnisse, die seit mehr als zweitausend Jahren gegen Hedonismus und Eudämonismus vorgebracht worden sind, wurden von den Professoren der Staatswissenschaften in ihrer Kritik an den britischen Ökonomen aufgewärmt.4 Wenn nichts anderes den Argwohn der deutschen Gelehrten erregt hätte, so hätten sie die Nationalökonomie schon allein aus dem Grunde verurteilt, dass Bentham und die Mills zu ihr beigetragen hatten.

Chapter 2.

Die Unfruchtbarkeit Deutschlands auf dem Gebiet der Nationalökonomie

Die deutschen Universitäten gehörten den verschiedenen Königreichen und Grossherzogtümern, die das Reich bildeten, und wurden von ihnen betrieben.5 Die Professoren waren Beamte und mussten als solche die Anordnungen und Vorschriften, die von ihren Vorgesetzten, den Bürokraten der Ministerien für öffentlichen Unterricht, ergingen, strikt befolgen. Diese vollständige und bedingungslose Unterordnung der Universitäten und ihrer Lehren unter die Oberhoheit der Regierungen wurde — vergeblich — von der deutschen liberalen öffentlichen Meinung in Frage gestellt, als 1837 der König von Hannover sieben Professoren der Universität Göttingen entliess, die gegen den Verfassungsbruch des Königs protestiert hatten. Die Regierungen kümmerten sich nicht um die Reaktion der Öffentlichkeit. Sie fuhren fort, Professoren zu entlassen, mit deren politischen oder religiösen Lehren sie nicht einverstanden waren. Doch nach einiger Zeit griffen sie zu feineren und wirksameren Methoden, um die Professoren zu treuen Stützen der amtlichen Politik zu machen. Sie sichteten die Kandidaten sorgfältig, bevor sie sie ernannten. Nur verlässliche Männer erhielten die Lehrstühle. So trat die Frage der akademischen Freiheit in den Hintergrund. Die Professoren lehrten aus eigenem Antrieb nur das, was die Regierung ihnen zu lehren erlaubte.

Der Krieg von 1866 hatte den preussischen Verfassungskonflikt beendet. Die Partei des Königs — die konservative Partei der Junker, geführt von Bismarck — triumphierte über die preussische Fortschrittspartei, die für die parlamentarische Regierung eintrat, und ebenso über die demokratischen Gruppen Süddeutschlands. In der neuen politischen Lage, zunächst des Norddeutschen Bundes und, nach 1871, des Deutschen Reiches, blieb kein Raum mehr für die „fremden" Lehren des Manchestertums und des laissez faire. Die Sieger von Königgrätz und Sedan glaubten, sie hätten nichts zu lernen von der „Nation der Krämer" — den Briten — oder von den besiegten Franzosen.

Beim Ausbruch des Krieges von 1870 rühmte sich einer der angesehensten deutschen Wissenschaftler, Emil du Bois-Reymond, die Universität Berlin sei „die geistige Leibwache des Hauses Hohenzollern". Für die Naturwissenschaften bedeutete dies nicht viel. Aber für die Wissenschaften vom menschlichen Handeln hatte es eine sehr klare und genaue Bedeutung. Die Inhaber der Lehrstühle für Geschichte und für Staatswissenschaften (das heisst Politikwissenschaft, einschliesslich aller Dinge, die sich auf Nationalökonomie und Finanzen beziehen) wussten, was ihr Souverän von ihnen erwartete. Und sie lieferten die Ware.

Von 1882 bis 1907 war Friedrich Althoff im preussischen Unterrichtsministerium für die Universitätsangelegenheiten zuständig. Er regierte die preussischen Universitäten wie ein Diktator. Da Preussen die grösste Zahl einträglicher Professuren hatte und daher das günstigste Feld für ehrgeizige Gelehrte bot, strebten die Professoren in den anderen deutschen Staaten, ja sogar die Österreichs und der Schweiz, danach, sich Stellen in Preussen zu sichern. So konnte Althoff in der Regel auch sie dazu bringen, seine Grundsätze und Ansichten praktisch zu übernehmen. In allen Dingen, die die Sozialwissenschaften und die geschichtlichen Disziplinen betrafen, verliess sich Althoff ganz auf den Rat seines Freundes Gustav von Schmoller. Schmoller hatte einen untrüglichen Spürsinn dafür, die Schafe von den Böcken zu scheiden.

Im zweiten und dritten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts verfassten einige deutsche Professoren wertvolle Beiträge zur ökonomischen Theorie. Es ist wahr, dass die bemerkenswertesten Beiträge dieser Zeit, die von Thünen und von Gossen, nicht das Werk von Professoren waren, sondern von Männern, die keine Lehrstellen innehatten. Gleichwohl werden die Bücher der Professoren Hermann, Mangoldt und Knies in der Geschichte des ökonomischen Denkens in Erinnerung bleiben. Doch nach 1866 hatten die Männer, die in die akademische Laufbahn eintraten, nur Verachtung für „blutleere Abstraktionen". Sie veröffentlichten geschichtliche Studien, vorzugsweise solche, die sich mit den Arbeitsverhältnissen der jüngsten Vergangenheit befassten. Viele von ihnen waren fest davon überzeugt, dass die vornehmste Aufgabe der Ökonomen darin bestehe, dem „Volk" in dem Befreiungskrieg beizustehen, den es gegen die „Ausbeuter" führte, und dass die von Gott gegebenen Führer des Volkes die Dynastien seien, besonders die Hohenzollern.

3. Der Methodenstreit

In den Untersuchungen verwarf Menger die erkenntnistheoretischen Vorstellungen, die den Schriften der Historischen Schule zugrunde lagen. Schmoller veröffentlichte eine ziemlich verächtliche Besprechung dieses Buches. Menger reagierte 1884 mit einer Streitschrift, Die Irrtümer des Historismus in der Deutschen Nationalökonomie. Die verschiedenen Veröffentlichungen, die diese Auseinandersetzung hervorbrachte, sind unter dem Namen Methodenstreit, dem Streit über die Methoden, bekannt.

Der Methodenstreit trug nur wenig zur Klärung der damit verbundenen Probleme bei. Menger stand zu sehr unter dem Einfluss des Empirismus von John Stuart Mill, um seinen eigenen Standpunkt zu seinen vollen logischen Folgerungen zu führen. Schmoller und seine Schüler, die darauf verpflichtet waren, eine unhaltbare Stellung zu verteidigen, begriffen nicht einmal, worum es in der Auseinandersetzung ging.

Der Ausdruck Methodenstreit ist natürlich irreführend. Denn die Streitfrage war nicht, das angemessenste Verfahren für die Behandlung der Probleme zu entdecken, die gemeinhin als ökonomische Probleme gelten. Der Gegenstand des Streits war im Wesentlichen, ob es so etwas wie eine Wissenschaft geben könne, ausser der Geschichte, die sich mit Aspekten des menschlichen Handelns befasst.

Da war zunächst der radikale materialistische Determinismus, eine Philosophie, die in Deutschland zu jener Zeit von Physikern, Chemikern und Biologen fast allgemein angenommen wurde, obwohl sie nie ausdrücklich und klar formuliert worden ist. Wie diese Leute es sahen, werden menschliche Ideen, Willensregungen und Handlungen durch physikalische und chemische Vorgänge hervorgebracht, die die Naturwissenschaften eines Tages auf dieselbe Weise beschreiben werden, in der sie heute das Entstehen einer chemischen Verbindung aus der Vereinigung mehrerer Bestandteile beschreiben. Als den einzigen Weg, der zu dieser endgültigen wissenschaftlichen Errungenschaft führen könne, befürworteten sie das Experimentieren in physiologischen und biologischen Laboratorien.

Schmoller und seine Schüler verwarfen diese Philosophie leidenschaftlich, nicht weil sie sich ihrer Mängel bewusst waren, sondern weil sie mit den religiösen Grundsätzen der preussischen Regierung unvereinbar war. Sie zogen ihr faktisch eine Lehre vor, die sich nur wenig von Comtes Positivismus unterschied (den sie natürlich öffentlich wegen seines Atheismus und seines französischen Ursprungs herabsetzten). Tatsächlich muss der Positivismus, vernünftig ausgelegt, im materialistischen Determinismus enden. Doch die meisten von Comtes Anhängern äusserten sich in dieser Hinsicht nicht offen. Ihre Erörterungen schlossen nicht immer die Folgerung aus, dass die Gesetze der sozialen Physik (Soziologie), deren Aufstellung ihrer Meinung nach das höchste Ziel der Wissenschaft sei, durch das, was sie eine „wissenschaftlichere" Methode der Behandlung des durch die überlieferten Verfahren der Historiker zusammengetragenen Materials nannten, entdeckt werden könnten. Dies war die Stellung, die Schmoller in Bezug auf die Nationalökonomie einnahm. Wieder und wieder warf er den Ökonomen vor, voreilig Schlüsse aus quantitativ unzureichendem Material gezogen zu haben. Was seiner Meinung nach nötig war, um eine realistische Wissenschaft der Nationalökonomie an die Stelle der übereilten Verallgemeinerungen der britischen „Lehnstuhl"-Ökonomen zu setzen, war mehr Statistik, mehr Geschichte und mehr Sammlung von „Material". Aus den Ergebnissen solcher Forschung, behauptete er, würden die Ökonomen der Zukunft eines Tages durch „Induktion" neue Einsichten entwickeln.

Schmoller war so verworren, dass er die Unvereinbarkeit seiner eigenen erkenntnistheoretischen Lehre mit der Ablehnung des positivistischen Angriffs auf die Geschichte nicht sah. Er erkannte nicht die Kluft, die seine Ansichten von denen der deutschen Philosophen trennte, welche die Vorstellungen des Positivismus über den Gebrauch und die Behandlung der Geschichte zertrümmerten — zuerst Dilthey, und später Windelband, Rickert und Max Weber. In demselben Aufsatz, in dem er Mengers Grundsätze tadelte, besprach er auch das erste bedeutende Buch Diltheys, seine Einleitung in die Geisteswissenschaften. Doch er erfasste nicht die Tatsache, dass der Grundgedanke von Diltheys Lehre die Vernichtung der grundlegenden These seiner eigenen Erkenntnistheorie war, nämlich dass sich gewisse Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung aus der geschichtlichen Erfahrung herausziehen liessen.

4. Die politischen Aspekte des Methodenstreits

Die britische Freihandelsphilosophie triumphierte im neunzehnten Jahrhundert in den Ländern West- und Mitteleuropas. Sie zertrümmerte die wackelige Ideologie des autoritären Wohlfahrtsstaates (landesfürstlicher Wohlfahrtsstaat), die die Politik der deutschen Fürstentümer im achtzehnten Jahrhundert geleitet hatte. Selbst Preussen wandte sich vorübergehend dem Liberalismus zu. Die Höhepunkte seiner Freihandelsperiode waren der Zolltarif des Zollvereins von 1865 und die Gewerbeordnung von 1869 für das Gebiet des Norddeutschen Bundes (später des Deutschen Reiches). Doch sehr bald begann die Regierung Bismarcks, ihre Sozialpolitik einzuleiten, das System interventionistischer Massnahmen wie Arbeitsgesetzgebung, Sozialversicherung, gewerkschaftsfreundliche Haltung, progressive Besteuerung, Schutzzölle, Kartelle und Dumping.3

Versucht man, die vernichtende Kritik zu widerlegen, die die Nationalökonomie an der Tauglichkeit all dieser interventionistischen Entwürfe geübt hat, so ist man gezwungen, die Existenz selbst — von den erkenntnistheoretischen Ansprüchen ganz zu schweigen — einer Wissenschaft der Nationalökonomie und ebenso der Praxeologie zu leugnen. Genau das haben alle Verfechter des Autoritarismus, der Allmacht des Staates und der „Wohlfahrts"-Politik stets getan. Sie werfen der Nationalökonomie vor, „abstrakt" zu sein, und treten für eine „anschauliche" Behandlung der einschlägigen Probleme ein. Sie betonen, die Dinge auf diesem Gebiet seien zu kompliziert, um in Formeln und Lehrsätzen beschrieben zu werden. Sie behaupten, die verschiedenen Nationen und Rassen unterschieden sich derart voneinander, dass ihr Handeln nicht von einer einheitlichen Theorie erfasst werden könne; es seien so viele ökonomische Theorien erforderlich, wie es Nationen und Rassen gebe. Andere fügen hinzu, dass selbst innerhalb derselben Nation oder Rasse das wirtschaftliche Handeln in verschiedenen Epochen der Geschichte verschieden sei. Diese und ähnliche Einwände, oft miteinander unvereinbar, werden vorgebracht, um die Nationalökonomie als solche zu diskreditieren.

Tatsächlich verschwand die Nationalökonomie völlig von den Universitäten des Deutschen Reiches. An der Universität Bonn blieb ein einsamer Epigone der klassischen Nationalökonomie zurück, Heinrich Dietzel, der allerdings nie verstand, was die Theorie des subjektiven Wertes bedeutet. An allen anderen Universitäten waren die Lehrer bemüht, die Nationalökonomie und die Nationalökonomen lächerlich zu machen. Es lohnt nicht, bei dem Zeug zu verweilen, das in Berlin, München und an anderen Universitäten des Reiches als Ersatz für Nationalökonomie weitergereicht wurde. Niemand kümmert sich heute um all das, was Gustav von Schmoller, Adolf Wagner, Lujo Brentano und ihre zahlreichen Anhänger in ihren umfangreichen Büchern und Zeitschriften schrieben.

Die politische Bedeutung des Werkes der Historischen Schule bestand darin, dass es Deutschland für jene Ideen empfänglich machte, deren Übernahme all jene verhängnisvollen Politiken beim deutschen Volk populär werden ließ, die in den großen Katastrophen mündeten. Der aggressive Imperialismus, der zweimal in Krieg und Niederlage endete, die schrankenlose Inflation der frühen Zwanziger Jahre, die Zwangswirtschaft und alle Schrecken des Nazi-Regimes waren die Errungenschaften von Politikern, die so handelten, wie es sie die Verfechter der Historischen Schule gelehrt hatten.

Schmoller und seine Freunde und Schüler traten für das ein, was man Staatssozialismus genannt hat; das heißt für ein System des Sozialismus — der Planung —, in dem die oberste Leitung in den Händen der Junker-Aristokratie läge. Auf diese Spielart des Sozialismus zielten Bismarck und seine Nachfolger ab. Der zaghafte Widerstand, auf den sie bei einer kleinen Gruppe von Geschäftsleuten stießen, war vernachlässigbar, nicht so sehr deswegen, weil diese Gegner nicht zahlreich waren, sondern weil ihren Bemühungen jeder ideologische Rückhalt fehlte. In Deutschland gab es keine liberalen Denker mehr. Der einzige Widerstand, der der Partei des Staatssozialismus entgegengesetzt wurde, kam von der marxistischen Partei der Sozialdemokraten. Wie die Schmoller-Sozialisten — die Kathedersozialisten — traten auch die Marxisten für den Sozialismus ein. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Gruppen lag in der Wahl der Leute, die das oberste Planungsamt betreiben sollten: die Junker, die Professoren und die Bürokratie des hohenzollernschen Preußen oder die Funktionäre der Sozialdemokratischen Partei und ihre angeschlossenen Gewerkschaften.

So waren die einzigen ernsthaften Gegner, die die Schmoller-Schule in Deutschland zu bekämpfen hatte, die Marxisten. In dieser Auseinandersetzung gewannen letztere sehr bald die Oberhand. Denn sie hatten zumindest ein Lehrgebäude, so fehlerhaft und widersprüchlich es auch war, während die Lehren der Historischen Schule eher die Verneinung jeder Theorie waren. Auf der Suche nach einem Mindestmaß an theoretischer Stütze begann die Schmoller-Schule Schritt für Schritt, aus dem geistigen Fundus der Marxisten zu entlehnen. Schließlich machte sich Schmoller selbst weitgehend die marxistische Lehre vom Klassenkampf und von der „ideologischen" Durchtränkung des Denkens durch die Klassenzugehörigkeit des Denkenden zu eigen. Einer seiner Freunde und Professorenkollegen, Wilhelm Lexis, entwickelte eine Zinstheorie, die Engels als eine Paraphrase der marxistischen Ausbeutungstheorie kennzeichnete.6 Es war eine Wirkung der Schriften der Verfechter der Sozialpolitik, dass das Beiwort „bürgerlich" in der deutschen Sprache einen abwertenden Beiklang erhielt.

Die vernichtende Niederlage im Ersten Weltkrieg zerschlug das Ansehen der deutschen Fürsten, Aristokraten und Bürokraten. Die Anhänger der Historischen Schule und der Sozialpolitik übertrugen ihre Loyalität auf verschiedene Splittergruppen, aus denen schließlich die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die Nazis, hervorging.

Die gerade Linie, die vom Werk der Historischen Schule zum Nationalsozialismus führt, lässt sich nicht aufzeigen, indem man den Werdegang eines der Begründer der Schule nachzeichnet. Denn die Protagonisten der Ära des Methodenstreits hatten ihren Lebenslauf vor der Niederlage von 1918 und dem Aufstieg Hitlers vollendet. Aber das Leben des herausragenden Mannes unter der zweiten Generation der Schule veranschaulicht alle Phasen der deutschen Universitätsökonomie in der Zeit von Bismarck bis Hitler.

Werner Sombart war bei weitem der begabteste von Schmollers Schülern. Er war erst fünfundzwanzig, als sein Meister ihm auf dem Höhepunkt des Methodenstreits die Aufgabe übertrug, Wiesers Buch Der natürliche Wert zu rezensieren und zu vernichten. Der treue Schüler verurteilte das Buch als „gänzlich unhaltbar".⁶ Zwanzig Jahre später rühmte sich Sombart, dass er einen guten Teil seines Lebens dem Kampf für Marx gewidmet habe.7 Als 1914 der Krieg ausbrach, veröffentlichte Sombart ein Buch, Händler und Helden.8 Darin verwarf er in ungehobelter und übler Sprache alles Britische oder Angelsächsische, vor allem aber die britische Philosophie und Nationalökonomie, als Ausdruck einer gemeinen Krämermentalität. Nach dem Krieg überarbeitete Sombart sein Buch über den Sozialismus. Vor dem Krieg war es in neun Auflagen erschienen.⁹ Während die Vorkriegsauflagen den Marxismus gepriesen hatten, griff ihn die zehnte Auflage fanatisch an, insbesondere wegen seines „proletarischen" Charakters und seines Mangels an Patriotismus und Nationalismus. Wenige Jahre später versuchte Sombart, den Methodenstreit durch einen Band voller Schmähungen gegen Nationalökonomen wiederzubeleben, deren Denken er nicht zu verstehen vermochte.9 Als dann die Nazis die Macht ergriffen, krönte er eine fünfundvierzigjährige literarische Laufbahn mit einem Buch über den Deutschen Sozialismus. Der Leitgedanke dieses Werkes war, dass der Führer seine Befehle von Gott erhalte, dem obersten Führer des Universums, und dass das Führertum eine fortwährende Offenbarung sei.10

So verlief der Fortgang der deutschen akademischen Nationalökonomie von Schmollers Verherrlichung der hohenzollernschen Kurfürsten und Könige zu Sombarts Heiligsprechung Adolf Hitlers.

5. Der Liberalismus der österreichischen Nationalökonomen

Platon träumte vom wohlwollenden Tyrannen, der dem weisen Philosophen die Macht anvertrauen würde, das vollkommene Gesellschaftssystem zu errichten. Die Aufklärung setzte ihre Hoffnungen nicht auf das mehr oder weniger zufällige Auftauchen gutgesinnter Herrscher und vorsorgender Weiser. Ihr Optimismus hinsichtlich der Zukunft der Menschheit gründete sich auf den doppelten Glauben an die Güte des Menschen und an seinen vernünftigen Verstand. In der Vergangenheit hatte eine Minderheit von Schurken — verschlagene Könige, frevelhafte Priester, korrupte Edelleute — Unheil anrichten können. Doch nun — so die Lehre der Aufklärung — ist, da der Mensch sich der Macht seiner Vernunft bewusst geworden ist, ein Rückfall in die Finsternis und die Verfehlungen vergangener Zeitalter nicht mehr zu befürchten. Jede neue Generation wird dem Guten, das ihre Vorfahren vollbracht haben, etwas hinzufügen. So steht die Menschheit am Vorabend eines beständigen Fortschritts hin zu befriedigenderen Verhältnissen. Stetig fortzuschreiten liegt im Wesen des Menschen. Es ist vergeblich, über die angeblich verlorene Glückseligkeit eines sagenhaften goldenen Zeitalters zu klagen. Der ideale Zustand der Gesellschaft liegt vor uns, nicht hinter uns.

Die meisten liberalen, fortschrittlichen und demokratischen Politiker des neunzehnten Jahrhunderts, die für die repräsentative Regierung und das allgemeine Wahlrecht eintraten, ließen sich von einem festen Vertrauen in die Unfehlbarkeit des vernünftigen Verstandes des gemeinen Mannes leiten. In ihren Augen konnten Mehrheiten nicht irren. Ideen, die aus dem Volk hervorgingen und von den Wählern gebilligt wurden, konnten dem Gemeinwohl nur zuträglich sein.

Es ist wichtig zu erkennen, dass die Argumente, die die kleine Gruppe liberaler Philosophen zugunsten der repräsentativen Regierung vorbrachte, ganz andere waren und keinen Bezug auf eine angebliche Unfehlbarkeit von Mehrheiten enthielten. Hume hatte darauf hingewiesen, dass Regierung stets auf Meinung gegründet ist. Auf lange Sicht setzt sich die Meinung der Vielen stets durch. Eine Regierung, die nicht von der Meinung der Mehrheit getragen wird, muss früher oder später ihre Macht verlieren; tritt sie nicht ab, so wird sie gewaltsam von den Vielen gestürzt. Die Völker haben die Macht, schließlich jene Männer ans Ruder zu bringen, die bereit sind, nach den Grundsätzen zu regieren, die die Mehrheit für angemessen hält. Es gibt auf lange Sicht keine unpopuläre Regierung, die ein System aufrechterhielte, das die Menge als ungerecht verurteilt. Die Rechtfertigung der repräsentativen Regierung liegt nicht darin, dass Mehrheiten gottähnlich und unfehlbar wären. Sie liegt in der Absicht, mit friedlichen Mitteln die letztlich unvermeidliche Anpassung des politischen Systems und der Männer, die seinen Steuerungsmechanismus bedienen, an die Ideologie der Mehrheit herbeizuführen. Die Schrecken von Revolution und Bürgerkrieg lassen sich vermeiden, wenn eine missliebige Regierung bei der nächsten Wahl reibungslos abgelöst werden kann.

Die wahren Liberalen waren fest davon überzeugt, dass die Marktwirtschaft, das einzige Wirtschaftssystem, das eine stetig fortschreitende Verbesserung des materiellen Wohlergehens der Menschheit verbürgt, nur in einer Atmosphäre ungestörten Friedens wirken kann. Sie traten für die Regierung durch die gewählten Vertreter des Volkes ein, weil sie es als selbstverständlich ansahen, dass allein dieses System den Frieden sowohl in den inneren als auch in den auswärtigen Angelegenheiten dauerhaft wahren werde.

Was diese wahren Liberalen von der blinden Mehrheitsanbetung der selbsternannten Radikalen trennte, war, dass sie ihren Optimismus hinsichtlich der Zukunft der Menschheit nicht auf das mystische Vertrauen in die Unfehlbarkeit von Mehrheiten gründeten, sondern auf den Glauben, dass die Kraft eines stichhaltigen logischen Arguments unwiderstehlich ist. Es entging ihnen nicht, dass die gewaltige Mehrheit der gemeinen Menschen zu stumpf und zu träge ist, um langen Gedankenketten zu folgen und sie aufzunehmen. Aber sie hofften, dass diese Massen, gerade wegen ihrer Stumpfheit und Trägheit, nicht umhinkönnten, die Ideen zu billigen, die die Intellektuellen ihnen zutrugen. Vom gesunden Urteil der gebildeten Minderheit und von ihrer Fähigkeit, die Mehrheit zu überzeugen, erwarteten die großen Führer der liberalen Bewegung des neunzehnten Jahrhunderts die stetige Verbesserung der menschlichen Verhältnisse.

In dieser Hinsicht herrschte volle Übereinstimmung zwischen Carl Menger und seinen beiden frühesten Anhängern, Wieser und Böhm-Bawerk. Unter den unveröffentlichten Papieren Mengers entdeckte Professor Hayek eine Notiz, die lautet: „Es gibt kein besseres Mittel, die Absurdität einer Denkweise aufzudecken, als sie ihren vollen Lauf bis zum Ende nehmen zu lassen." Alle drei beriefen sich gern auf Spinozas Beweisführung im ersten Buch seiner Ethik, die in dem berühmten Diktum endet: „Sane sicut lux se ipsam et tenebras manifestat, sic veritas norma sui et falsi." Sie blickten gelassen auf die leidenschaftliche Propaganda sowohl der Historischen Schule als auch des Marxismus. Sie waren fest davon überzeugt, dass die logisch unhaltbaren Dogmen dieser Fraktionen schließlich von allen vernünftigen Menschen gerade wegen ihrer Absurdität verworfen würden und dass die Massen der gemeinen Menschen notwendig der Führung der Intellektuellen folgen würden.11

Die Klugheit dieser Argumentationsweise zeigt sich in der Vermeidung der verbreiteten Praxis, eine angebliche Psychologie gegen das logische Denken auszuspielen. Es trifft zu, dass Denkfehler oft durch die Neigung des Einzelnen verursacht werden, einen irrigen Schluss dem richtigen vorzuziehen. Es gibt sogar ganze Scharen von Menschen, deren Affekte sie schlicht am geradlinigen Denken hindern. Doch von der Feststellung dieser Tatsachen bis zu jenen Lehren, die in der letzten Generation unter dem Etikett „Wissenssoziologie" vorgetragen wurden, ist es ein weiter Weg. Menschliches Denken und Schließen, menschliche Wissenschaft und Technik sind insofern das Ergebnis eines gesellschaftlichen Prozesses, als der einzelne Denker sich sowohl den Leistungen als auch den Irrtümern seiner Vorgänger gegenübersieht und mit ihnen in eine gleichsam virtuelle Auseinandersetzung tritt, sei es zustimmend, sei es ablehnend. Es ist der Ideengeschichte möglich, die Verfehlungen eines Menschen ebenso verständlich zu machen wie seine Großtaten, indem sie die Bedingungen analysiert, unter denen er lebte und arbeitete. Nur in diesem Sinne ist es zulässig, sich auf das zu berufen, was man den Geist einer Epoche, einer Nation, eines Milieus nennt. Es ist aber ein Zirkelschluss, wenn man versucht, das Aufkommen einer Idee zu erklären, geschweige denn sie zu rechtfertigen, indem man sich auf die Umgebung ihres Urhebers beruft. Ideen entspringen stets dem Geist eines Einzelnen, und die Geschichte kann über sie nichts weiter aussagen, als dass sie in einem bestimmten Augenblick von einem bestimmten Einzelnen hervorgebracht wurden. Es gibt für das irrige Denken eines Menschen keine andere Entschuldigung als jene, die eine österreichische Regierung einst im Falle eines geschlagenen Generals abgab — dass nämlich niemand dafür verantwortlich gemacht werden kann, kein Genie zu sein. Die Psychologie mag uns helfen zu erklären, warum ein Mensch in seinem Denken gescheitert ist. Doch keine solche Erklärung vermag das Falsche in Wahres zu verwandeln.

Die österreichischen Nationalökonomen lehnten den logischen Relativismus, der in den Lehren der preußischen Historischen Schule mitschwingt, vorbehaltlos ab. Gegen die Erklärungen Schmollers und seiner Anhänger hielten sie daran fest, dass es einen Bestand nationalökonomischer Lehrsätze gibt, die für alles menschliche Handeln gültig sind, unabhängig von Zeit und Ort, von den nationalen und rassischen Eigenarten der Handelnden und von ihren religiösen, philosophischen und ethischen Weltanschauungen.

Die Größe des Dienstes, den diese drei österreichischen Nationalökonomen geleistet haben, indem sie die Sache der Nationalökonomie gegen die eitle Kritik des Historismus verteidigten, kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Aus ihren erkenntnistheoretischen Überzeugungen leiteten sie keinerlei Optimismus hinsichtlich der künftigen Entwicklung der Menschheit ab. Was immer sich zugunsten des korrekten logischen Denkens sagen lässt, beweist nicht, dass die kommenden Geschlechter ihre Vorfahren an geistiger Anstrengung und an Leistungen übertreffen werden. Die Geschichte zeigt, dass auf Zeiten wunderbarer geistiger Errungenschaften immer wieder Zeiten des Verfalls und des Rückschritts folgten. Wir wissen nicht, ob die nächste Generation Menschen hervorbringen wird, die imstande sind, in den Bahnen jener Genies weiterzuschreiten, die die letzten Jahrhunderte so glanzvoll gemacht haben. Wir wissen nichts über die biologischen Bedingungen, die einen Menschen befähigen, im Vormarsch des geistigen Fortschritts einen Schritt vorwärts zu tun. Wir können die Annahme nicht ausschließen, dass dem weiteren geistigen Aufstieg des Menschen Grenzen gesetzt sein könnten. Und gewiss wissen wir nicht, ob es in diesem Aufstieg nicht einen Punkt gibt, jenseits dessen es den geistigen Führern nicht mehr gelingt, die Massen zu überzeugen und sie ihrer Führung folgen zu lassen.

Der Schluss, den die österreichischen Nationalökonomen aus diesen Voraussetzungen zogen, lautete: Es ist zwar die Pflicht eines bahnbrechenden Geistes, alles zu tun, wozu seine Fähigkeiten ihn befähigen, doch obliegt es ihm nicht, für seine Ideen Propaganda zu betreiben, und noch weniger, fragwürdige Methoden anzuwenden, um seine Gedanken den Menschen mundgerecht zu machen. Die Verbreitung ihrer Schriften kümmerte sie nicht. Menger gab keine zweite Auflage seiner berühmten Grundsätze heraus, obwohl das Buch längst vergriffen war, antiquarische Exemplare zu hohen Preisen gehandelt wurden und der Verleger ihn immer wieder um seine Zustimmung drängte.

Das einzige und vornehmste Anliegen der österreichischen Nationalökonomen war, zum Fortschritt der Nationalökonomie beizutragen. Sie versuchten nie, sich die Unterstützung irgendjemandes mit anderen Mitteln zu verschaffen als durch die Überzeugungskraft, die sie in ihren Büchern und Aufsätzen entfalteten. Sie blickten mit Gleichmut auf die Tatsache, dass die Universitäten der deutschsprachigen Länder, ja selbst viele der österreichischen Universitäten, der Nationalökonomie als solcher feindlich gesinnt waren und noch weit mehr den neuen ökonomischen Lehren des Subjektivismus.

Chapter 1.

Die „Wiener Schule" und Österreich

Als die deutschen Professoren den Theorien Mengers und seiner beiden frühesten Anhänger und Fortführer das Beiwort „österreichisch" anhefteten, meinten sie es in einem abwertenden Sinne. Nach der Schlacht von Königgrätz hatte die Kennzeichnung einer Sache als österreichisch in Berlin, jenem „Hauptquartier des Geistes", wie Herbert Spencer es spöttisch nannte, stets einen solchen Beiklang.12 Doch die beabsichtigte Schmähung schlug auf ihre Urheber zurück. Sehr bald war die Bezeichnung „die Wiener Schule" in aller Welt berühmt.

Freilich ist die Praxis, einer Denkrichtung ein nationales Etikett anzuheften, notwendigerweise irreführend. Nur sehr wenige Österreicher — und im Übrigen auch Nichtösterreicher — verstanden etwas von Nationalökonomie, und noch geringer war die Zahl jener Österreicher, die man als Nationalökonomen bezeichnen konnte, so großzügig man auch bei der Verleihung dieser Benennung sein mochte. Überdies gab es unter den österreichischen Nationalökonomen einige, die nicht in den Bahnen arbeiteten, die man die „Wiener Schule" nannte; am bekanntesten unter ihnen waren die Mathematiker Rudolf Auspitz und Richard Lieben sowie später Alfred Amonn und Josef Schumpeter. Andererseits nahm die Zahl der ausländischen Nationalökonomen, die sich der Fortführung des von den „Österreichern" begonnenen Werkes widmeten, beständig zu. Anfangs kam es bisweilen vor, dass die Bemühungen dieser britischen, amerikanischen und anderen nichtösterreichischen Nationalökonomen in ihren eigenen Ländern auf Widerstand stießen und dass sie von ihren Kritikern ironisch „Österreicher" genannt wurden. Doch nach einigen Jahren waren alle wesentlichen Ideen der Wiener Schule im Großen und Ganzen als fester Bestandteil der ökonomischen Theorie anerkannt. Um die Zeit von Mengers Tod (1921) unterschied man nicht mehr zwischen einer Wiener Schule und der übrigen Nationalökonomie. Die Benennung „Wiener Schule" wurde zum Namen eines bedeutenden Kapitels in der Geschichte des ökonomischen Denkens; sie war nicht länger der Name einer bestimmten Sekte mit Lehren, die sich von denen anderer Nationalökonomen unterschieden.

Es gab freilich eine Ausnahme. Die Deutung der Ursachen und des Verlaufs des Konjunkturzyklus, die der gegenwärtige Verfasser zunächst in seiner Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel13 und schließlich in seinem Werk Menschliches Handeln14 unter dem Namen der monetären oder Zirkulationskredit-Theorie des Konjunkturzyklus dargelegt hat, wurde von manchen Autoren die österreichische Theorie des Konjunkturzyklus genannt. Wie alle derartigen nationalen Etiketten ist auch dieses zu beanstanden. Die Zirkulationskredit-Theorie ist eine Fortführung, Erweiterung und Verallgemeinerung von Ideen, die zuerst von der britischen Currency School entwickelt wurden, sowie einiger Ergänzungen, die spätere Nationalökonomen ihnen hinzufügten, unter ihnen auch der Schwede Knut Wicksell.

Da es sich nicht vermeiden ließ, auf das nationale Etikett „die Wiener Schule" Bezug zu nehmen, mag man einige Worte über die Sprachgruppe hinzufügen, der die österreichischen Nationalökonomen angehörten. Menger, Böhm-Bawerk und Wieser waren Deutsch-Österreicher; ihre Sprache war Deutsch, und sie schrieben ihre Bücher auf Deutsch. Dasselbe gilt für ihre hervorragendsten Schüler Johann von Komorzynski, Hans Mayer, Robert Meyer, Richard Schiffler, Richard von Strigl und Robert Zuckerkandl. In diesem Sinne ist das Werk der „Wiener Schule" eine Leistung deutscher Philosophie und Wissenschaft. Doch unter den Schülern Mengers, Böhm-Bawerks und Wiesers gab es auch nichtdeutsche Österreicher. Zwei von ihnen haben sich durch hervorragende Beiträge ausgezeichnet, die Tschechen Franz Cuhel und Karel Englis.


Chapter 2.

Die historische Bedeutung des Methodenstreits

Die eigentümliche Lage der deutschen ideologischen und politischen Verhältnisse im letzten Viertel des neunzehnten Jahrhunderts brachte den Konflikt zwischen zwei Denkschulen hervor, aus dem der Methodenstreit und die Benennung „Wiener Schule" erwuchsen. Doch der Gegensatz, der sich in dieser Auseinandersetzung kundtat, ist nicht auf eine bestimmte Zeit oder ein bestimmtes Land beschränkt. Er ist immerwährend. So wie die menschliche Natur beschaffen ist, ist er in jeder Gesellschaft unvermeidlich, in der die Arbeitsteilung und ihre Begleiterscheinung, der Marktaustausch, eine solche Intensität erreicht haben, dass die Existenz eines jeden vom Verhalten anderer Menschen abhängt. In einer solchen Gesellschaft wird jeder von seinen Mitmenschen bedient und bedient diese seinerseits. Die Dienste werden freiwillig erbracht: Um einen Mitmenschen dazu zu bewegen, etwas für mich zu tun, muss ich ihm etwas anbieten, das er dem Unterlassen jenes Tuns vorzieht. Das ganze System ruht auf dieser Freiwilligkeit der ausgetauschten Dienste. Unerbittliche natürliche Bedingungen hindern den Menschen daran, sich einem sorglosen Genuss seines Daseins hinzugeben. Doch seine Eingliederung in die Gemeinschaft der Marktwirtschaft ist spontan, das Ergebnis der Einsicht, dass es für ihn keine bessere oder, was das betrifft, überhaupt keine andere Methode des Überlebens gibt.

Indes werden der Sinn und die Tragweite dieser Spontaneität nur von den Nationalökonomen erfasst. Alle, die mit der Nationalökonomie nicht vertraut sind, das heißt die überwältigende Mehrheit, sehen keinen Grund, warum sie nicht mit Gewalt andere Menschen dazu zwingen sollten, das zu tun, wozu diese aus eigenem Antrieb nicht bereit sind. Ob der Apparat des physischen Zwanges, zu dem bei solchen Bestrebungen gegriffen wird, die Polizeigewalt der Regierung ist oder eine illegale „Streikposten"-Truppe, deren Gewalttätigkeit die Regierung duldet, macht keinen Unterschied. Worauf es ankommt, ist die Ersetzung des freiwilligen Handelns durch Zwang.

Aufgrund einer bestimmten Konstellation politischer Verhältnisse, die man als zufällig bezeichnen könnte, wurde die Ablehnung der Philosophie der friedlichen Zusammenarbeit in neuerer Zeit zuerst von Untertanen des preußischen Staates zu einer umfassenden Lehre ausgebaut. Die Siege in den drei Bismarck-Kriegen hatten die deutschen Gelehrten berauscht, von denen die meisten Bedienstete der Regierung waren. Manche hielten es für eine bezeichnende Tatsache, dass die Übernahme der Ideen der Schmoller-Schule in jenen Ländern am langsamsten vor sich ging, deren Heere 1866 und 1870 geschlagen worden waren. Es ist natürlich abwegig, nach irgendeinem Zusammenhang zwischen dem Aufstieg der österreichischen Wirtschaftstheorie und den Niederlagen, Misserfolgen und Enttäuschungen des habsburgischen Regimes zu suchen. Doch dass die französischen Staatsuniversitäten dem Historismus und der Sozialpolitik länger aus dem Weg gingen als die anderer Nationen, war gewiss, zumindest in gewissem Maße, durch das preußische Etikett verursacht, das diesen Lehren anhaftete. Aber diese Verzögerung hatte wenig praktische Bedeutung. Frankreich wurde wie alle anderen Länder zu einer Hochburg des Interventionismus und ächtete die Nationalökonomie.

Die philosophische Vollendung der Ideen, welche die Einmischung der Regierung, das heißt das Eingreifen der bewaffneten Vollzugsbeamten, verherrlichten, gelang Nietzsche und Georges Sorel. Sie prägten die meisten jener Schlagworte, welche die Metzeleien des Bolschewismus, des Faschismus und des Nationalsozialismus leiteten. Intellektuelle, welche die Wonnen des Mordes preisen, Schriftsteller, die für die Zensur eintreten, Philosophen, die das Verdienst von Denkern und Autoren nicht nach dem Wert ihrer Beiträge, sondern nach ihren Leistungen auf Schlachtfeldern bemessen,15 sind die geistigen Führer unseres Zeitalters des immerwährenden Streits. Welch ein Schauspiel boten jene amerikanischen Autoren und Professoren, die den Ursprung der politischen Unabhängigkeit und Verfassung ihrer eigenen Nation einem geschickten Schachzug der „Interessen" zuschrieben und sehnsüchtige Blicke auf das sowjetische Paradies Russlands warfen!

Die Größe des neunzehnten Jahrhunderts bestand darin, dass die Ideen der klassischen Nationalökonomie in gewissem Maße zur herrschenden Philosophie von Staat und Gesellschaft wurden. Sie verwandelten die überlieferte Ständegesellschaft in Nationen freier Bürger, den königlichen Absolutismus in die repräsentative Regierung und vor allem die Armut der Massen unter dem ancien régime in den Wohlstand der vielen unter dem kapitalistischen laissez faire. Heute untergräbt die Reaktion des Etatismus und des Sozialismus die Grundlagen der abendländischen Zivilisation und des abendländischen Wohlstands. Vielleicht haben jene recht, die behaupten, es sei zu spät, um den endgültigen Triumph der Barbarei und der Zerstörung zu verhindern. Wie dem auch sei, eines ist gewiss. Die Gesellschaft, das heißt die friedliche Zusammenarbeit der Menschen unter dem Prinzip der Arbeitsteilung, kann nur bestehen und wirken, wenn sie jene Maßnahmen ergreift, welche die ökonomische Analyse zur Erreichung der angestrebten Ziele für tauglich erklärt. Die schlimmste Illusion unseres Zeitalters ist das abergläubische Vertrauen, das man in Allheilmittel setzt, die — wie die Nationalökonomen unwiderleglich nachgewiesen haben — ihrem Zweck zuwiderlaufen.

Regierungen, politische Parteien, Interessengruppen und die Bürokraten der Bildungshierarchie glauben, sie könnten die unvermeidlichen Folgen untauglicher Maßnahmen abwenden, indem sie die unabhängigen Nationalökonomen boykottieren und zum Schweigen bringen. Aber die Wahrheit besteht fort und wirkt, selbst wenn niemand mehr übrig ist, der sie ausspricht.

APPARATUS

Notes

Footnotes

  1. Vgl. H. Oswalt, Vorträge über wirtschaftliche Grundbegriffe, 3. Aufl. (Jena, 1920).

  2. Vgl. Mises, Menschliches Handeln, 3. Auflage (1966), S. 716–861.

  3. Vgl. Mises, Omnipotent Government (Yale University Press, 1944), S. 149 ff. 2

  4. Später wurden ähnliche Argumente angeführt, um den Pragmatismus in Misskredit zu bringen. William James' Diktum, wonach die pragmatische Methode darauf abzielt, aus jedem Wort „seinen praktischen Bargeldwert" herauszuholen (Pragmatism, 1907, S. 53), wurde zitiert, um die Niedrigkeit der „Dollar-Philosophie" zu kennzeichnen.

  5. Das Reich selbst besaß und betrieb allein die Universität Straßburg. Die drei deutschen Stadtrepubliken hatten zu jener Zeit überhaupt keine Universität.

  6. Vgl. die ausführlichere Analyse in Mises, Kritik des interventionismus, (Jena, 1929), S. 92 ff.

  7. Vgl. Sombart, Das Lebenswerk von Karl Marx (Jena, 1909), S. 3.

  8. Vgl. Sombart, Händler und Helden (München, 1915).

  9. Vgl. Sombart, Die drei Nationalökonomien (München, 1930).

  10. Vgl. Sombart, Deutscher Sozialismus (Charlottenburg, 1934), S. 213. (In der amerikanischen Ausgabe: A New Social Philosophy, übersetzt und herausgegeben von K. F. Geiser, Princeton, 1937, S. 149.) Sombarts Leistungen fanden auch im Ausland Anerkennung. So wurde er etwa 1929 zum Ehrenmitglied der American Economic Association gewählt.

  11. Es ist hinzuzufügen, dass Menger, Böhm-Bawerk und Wieser mit größtem Pessimismus auf die politische Zukunft des österreichischen Kaiserreichs blickten. Doch lässt sich dieses Problem in diesem Essay nicht behandeln.

  12. Vgl. Herbert Spencer, The Study of Sociology, 9. Auflage (London, 1880), S. 217.

  13. Erste deutschsprachige Auflage 1912, zweite deutschsprachige Auflage 1924. Englischsprachige Auflagen 1934 und 1953.

  14. Yale University Press, 1949.

  15. Vgl. die von Julien Benda zitierten Stellen, La trahison des clercs (Paris, 1927), Anmerkung 0, S. 192–295.

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