FOLIO I · DENKER · GEN. 03 · N° 007

Richard von Strigl

Werke
8
Artikel
25
Generation
3.
Porträt von Richard von Strigl
FOL. 03 · N° 007 · Richard von Strigl
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Richard von Strigl, der einer böhmischen Beamtenfamilie entstammte, promovierte 1914 in Rechtswissenschaften in Wien. Im Zuge seiner beruflichen Tätigkeit in nachgeordneten Institutionen der Arbeiterkammer konnte er sich 1922 mit einer methodologischen Arbeit habilitieren, die in erweiterter Form als Die ökonomischen Kategorien und die Organisation der Wirtschaft (1923) erschien. Neben seiner Lehrtätigkeit an der Universität Wien unterrichtete er noch zusätzlich an der Hochschule für Welthandel. Als langjähriger Teilnehmer am Mises-Privatseminar und als einer der wenigen Habilitierten der Österreichischen Schule genoss Strigl in der Nachkriegszeit hohes persönliches und fachliches Ansehen. Mit Kapital und Produktion (1934) legte er eine Weiterentwicklung der österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie vor, die beschrieb, wie Geldwertänderungen, so etwa die Inflation, unausweichlich zu Fehlallokationen führen müssten. Wie alle seine Schriften zeichnet sich auch sein Lehrbuch, eine Einführung in die Grundlagen der Nationalökonomie (1937), durch einen sachlichen, klaren und verständlichen Stil aus. Der humanistisch gebildete, kultivierte und aus einer Familie mit liberaler Tradion stammende Strigl blieb nach dem Anschluss im Lande und verstarb 1942 an einem Gehirntumor.
Metadaten
7. Februar 1891
11. November 1942
in Wien
3. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1891
    1891
    Geburt

    Geboren am 7. Februar 1891 in Rokitzan, Böhmen, als Spross einer böhmischen Beamtenfamilie.[1]

  2. ⁦1909–1914⁩
    ⁦1909–1914⁩
    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften

    Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien ab 1909, nach Gymnasial-Schulzeit in Laibach. Wurde als sehr junger Student in das Privatseminar Eugen von Boehm-Bawerks aufgenommen.[1]

  3. 1914
    1914
    Promotion in Rechtswissenschaften

    Promovierte 1914 in Rechtswissenschaften in Wien.[1]

  4. ⁦1915–1918⁩
    ⁦1915–1918⁩
    Kriegsdienst Erster Weltkrieg

    Kriegsdienst als Reserveleutnant 1915 bis 1918.[1]

  5. ⁦1920–1942⁩
    ⁦1920–1942⁩
    Industriekommission und Staatsamt für Arbeit

    Trat 1920 in die Industriekommission ein, später in leitender Position im Staatsamt für Arbeit (Arbeitslosenversicherung); blieb bis 1938 in dieser Funktion, danach Versetzung ins Statistik-Amt.[1]

  6. ⁦1922–1934⁩
    ⁦1922–1934⁩
    Mises-Privatseminar— ungefähr

    Langjähriger Teilnehmer am Mises-Privatseminar; einer der wenigen Habilitierten der Österreichischen Schule.[1]

  7. ⁦1922–1942⁩
    ⁦1922–1942⁩
    Lehrtätigkeit Universität Wien und Hochschule für Welthandel— ungefähr

    Lehrtätigkeit an der Universität Wien sowie zusätzlich an der Hochschule für Welthandel.

  8. 1923
    1923
    Habilitation

    Habilitierte sich 1923 mit einer methodologischen Arbeit.[1]

  9. 1923
    1923
    Die ökonomischen Kategorien und die Organisation der Wirtschaft

    Erweiterte Habilitationsschrift erscheint als „Die ökonomischen Kategorien und die Organisation der Wirtschaft".

  10. 1928
    1928
    Tit. ausserordentlicher Professor

    1928 zum titularen ausserordentlichen Professor an der Universität Wien ernannt.[1]

  11. 1930
    1930
    Lehrauftrag Hochschule für Welthandel

    1930 zusätzlicher Lehrauftrag an der Hochschule für Welthandel in Wien.[1]

  12. 1934
    1934
    Kapital und Produktion

    „Kapital und Produktion" erscheint, eine Weiterentwicklung der österreichischen Geld- und Konjunkturtheorie über Geldwertänderungen und Fehlallokationen.[3]

  13. 1937
    1937
    Einführung in die Grundlagen der Nationalökonomie

    Lehrbuch „Einführung in die Grundlagen der Nationalökonomie", in sachlichem, klarem und verständlichem Stil.

  14. 1938
    1938
    Versetzung ins Statistik-Amt

    Wurde 1938 nach dem Anschluss vom Arbeitsamt in das Statistik-Amt versetzt – formell entmachtet, aber im Lande geblieben.[1]

  15. 1942
    1942
    Tod

    Gestorben am 11. November 1942 in Wien an einem Gehirntumor; blieb nach dem Anschluss im Lande.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. ⁦1909–1914⁩
    ⁦1909–1914⁩

    Wurde als sehr junger Student in Eugen von Böhm-Bawerks Privatseminar an der Universität Wien aufgenommen; mises.org bezeichnet Strigl als „einen der jüngsten Böhm-Bawerk-Schüler".[3]

Beeinflusste · 5
  1. —
    —

    mises.org-Strigl-Biographie nennt Hayek explizit als von Strigl geprägten Schüler: „Strigl shaped the minds of Hayek, Haberler, Machlup, Morgenstern, and other future great Viennese economists more than any other teacher." Hayek-Nachruf 1942: „with his death disappears the figure on whom one's hope for a preservation of the tradition of Vienna as a centre of economic teaching... had largely rested."[3]

  2. —
    —

    mises.org-Strigl-Biographie nennt Machlup explizit unter den Strigl geprägten Schülern der vierten Wiener Generation.[3]

  3. —
    —

    mises.org-Strigl-Biographie nennt Haberler explizit unter den Strigl geprägten Schülern der vierten Wiener Generation.[3]

  4. —
    —
    Joseph Steindl⁦(1912–1993)⁩ · Wiener / Oxford

    Joseph Steindl wird in der mises.org-Strigl-Biographie als Schüler („one of his pupils") geführt; verfasste den Nachruf auf Strigl.[3]

  5. —
    —

    mises.org-Strigl-Biographie nennt Morgenstern explizit unter den Strigl geprägten Schülern der vierten Wiener Generation.[3]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 4
  1. ⁦1909–1914⁩
    ⁦1909–1914⁩

    Strigl wurde als sehr junger Student in Böhm-Bawerks Wiener Privatseminar aufgenommen – Mit-Teilnehmer waren u. a. Otto Bauer, Nikolai Bucharin, Ludwig von Mises, Otto Neurath und Joseph Schumpeter.[3]

  2. ⁦1922–1934⁩
    ⁦1922–1934⁩

    Langjähriger Teilnehmer am Privatseminar Mises in Wien; einer der wenigen Habilitierten der Österreichischen Schule im Kreis.[1]

  3. ⁦1928–1928⁩
    ⁦1928–1928⁩

    Strigl publizierte 1928 in einem von Frank Albert Fetter mitherausgegebenen Sammelwerk; Fetter wirkte als Editor des Bandes.[1]

  4. —
    —

    Beide Teilnehmer am Mises-Privatseminar in Wien.[4]

Richard von Strigl im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN32 Belege · 3 Quellen
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1920er
1923
Die ökonomischen Kategorien und die Organisation der Wirtschaft
OriginalDeutsch
1926
Angewandte Lohntheorie: Untersuchungen über die wirtschaftlichen Grundlagen der Sozialpolitik
OriginalDeutsch
1930er
1932
Gibt es eine Sicherung gegen Inflation?
OriginalDeutsch
1934
Kapital und Produktion
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
  • Capital and Production
    OriginalEnglisch
1937
Einführung in die Grundlagen der Nationalökonomie
OriginalDeutsch
Gutachten über die staatsfinanziellen Auswirkungen einer Senkung des Kaffeezolls
OriginalDeutsch
1939
L'Économie Politique
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 25 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1920er
1921
Der Kapitalzins als Residual-Rente
OriginalDeutsch
Prolegomena zu einer Theorie der ökonomischen Daten
OriginalDeutsch
1925
Das industrielle Kapital
OriginalDeutsch
Nachfrage, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften
OriginalDeutsch
1926
Ertrag, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften
OriginalDeutsch
1928
Änderungen in den Daten der Wirtschaft
OriginalDeutsch
Die Produktion unter dem Einflusse einer Kreditexpansion
OriginalDeutsch
Tausch, in: Handwörterbuch der Staatswissenschaften
OriginalDeutsch
Wirtschaftstheorie im Dienste der Wirtschaftspolitik
OriginalDeutsch
Zur Theorie der Steuerüberwälzung
OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise