FOLIO I · DENKER · GEN. 04 · N° 043

Ludwig Lachmann

Werke
11
Artikel
73
Generation
4.
Porträt von Ludwig LachmannPorträt von Ludwig Lachmann: Ludwig Lachmann, Vortrag (1980)
FOL. 04 · N° 043 · Ludwig Lachmann
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Lachmann promovierte in Nationalökonomie an der Humbold-Universität zu Berlin. Sein Interesse an der Österreichischen Schule, besonders am Werk Carl Mengers, wurde entfacht als er den Sommer 1926 an der Universität Zürich verbrachte. 1933 emigrierte Lachmann nach England. Dort war er an der London School of Economics Schüler und später Kollege von Friedrich August von Hayek. Im Jahre 1948 nahm Lachmann einen Ruf der Witwatersrand-Universität Johannesburg, Südafrika, an. Er war dort bis zu seiner Emeritierung 1972 tätig. Danach arbeitete er von 1974 bis 1987 an der New York University mit Israel M. Kirzner zusammen. Dieser hatte die Absicht, die Tradition der Österreichischen Schule wiederzubeleben. Als Gastprofessor organisierte Lachmann jedes Wintersemester von 1975 bis 1987 ein Seminar zur Österreichischen Schule. Lachmann entwickelte einen radikalen Subjektivismus und stellte auf Grund der steten Veränderung und damit Unvorhersehbarkeit des Wissens den Informationscharakter von Preisen ganz generell in Frage.
Metadaten
1. Februar 1906
in Berlin
17. Dezember 1990
in Johannesburg
4. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1906
    1906
    Geburt

    Geboren am 1. Februar 1906 in Berlin.

  2. 1923
    1923
    Askanisches Gymnasium

    Besuch des Askanischen Gymnasiums in Berlin; Beginn der Studien 1923.[5]

  3. ⁦1924–1930⁩
    ⁦1924–1930⁩
    Studium der Rechte und Volkswirtschaft

    Studium der Rechte und Nationalökonomie an der Universität Berlin (Friedrich-Wilhelms-Universität, später Humboldt-Universität) ab 1924.[6]

  4. 1926
    1926
    Sommer an der Universität Zürich

    Verbrachte den Sommer 1926 an der Universität Zürich. Dort wurde sein Interesse an der Österreichischen Schule, besonders am Werk Carl Mengers, entfacht.

  5. 1927
    1927
    Diplom in Volkswirtschaft

    Diplom in Volkswirtschaft an der Universität Berlin 1927.[6]

  6. 1930
    1930
    Promotion an der Humboldt-Universität

    Promovierte in Nationalökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin.

  7. 1933
    1933
    Emigration nach England

    1933 emigrierte Lachmann nach England. Dort war er an der London School of Economics Schüler und später Kollege von Friedrich August von Hayek.

  8. 1939
    1939
    Heirat mit Margot Wulff

    Heiratete 1939 in England Margot Wulff.[5]

  9. 1940
    1940
    Internierung als „Enemy Alien“

    Internierung als „Enemy Alien“ von Juli bis Dezember 1940 in England.[4]

  10. 1941
    1941
    Lecturer University of London

    Ab 1941 Lecturer in Economics an der University of London.[6]

  11. ⁦1943–1948⁩
    ⁦1943–1948⁩
    Head of Economics Department University of Hull

    Leitete von 1943 bis 1948 das Department of Economics an der University of Hull (Yorkshire, England).[2]

  12. ⁦1948–1972⁩
    ⁦1948–1972⁩
    Witwatersrand-Universität Johannesburg

    1948 nahm Lachmann einen Ruf der Witwatersrand-Universität Johannesburg, Südafrika, an. Er war dort bis zu seiner Emeritierung 1972 tätig.

  13. 1956
    1956
    „Capital and Its Structure“

    Hauptwerk Capital and Its Structure (1956) – Beitrag zur österreichischen Kapitaltheorie.[1]

  14. ⁦1962–1963⁩
    ⁦1962–1963⁩
    Präsident Economic Society of South Africa

    Präsident der Economic Society of South Africa 1962/63.[2]

  15. 1974
    1974
    South-Royalton-Konferenz

    Hauptredner der South-Royalton-Konferenz 1974 in Vermont – Initialzündung der modernen Wiederbelebung der Österreichischen Schule in den USA.[3]

  16. ⁦1974–1987⁩
    ⁦1974–1987⁩
    Zusammenarbeit mit Israel M. Kirzner

    Arbeitete von 1974 bis 1987 an der New York University mit Israel M. Kirzner zusammen, der die Tradition der Österreichischen Schule wiederbeleben wollte.

  17. ⁦1975–1987⁩
    ⁦1975–1987⁩
    Wintersemester-Seminar zur Österreichischen Schule

    Als Gastprofessor organisierte Lachmann jedes Wintersemester von 1975 bis 1987 ein Seminar zur Österreichischen Schule.

  18. 1986
    1986
    Ehrendoktorat Witwatersrand

    Erhielt 1986 das Ehrendoktorat der Universität von Witwatersrand.[2]

  19. 1990
    1990
    Tod

    Gestorben am 17. Dezember 1990 in Johannesburg.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 2
  1. 1930
    1930
    Werner Sombart⁦(1863–1941)⁩ · Jüngere Historische Schule

    Promotion 1930 an der Universität Berlin bei Werner Sombart, der ihn auch in das Werk Max Webers einführte.[5]

  2. 1933
    1933

    Lachmann gehörte an der LSE zu Hayeks engstem akademischen Umfeld und entwickelte den radikalen Subjektivismus aus dieser Linie weiter.

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 4
  1. ⁦1930–1933⁩
    ⁦1930–1933⁩

    Lachmann nahm laut Pipeline-Briefing als jüngeres Mitglied am Mises-Privatseminar teil; vor seiner Emigration nach London 1933.

  2. ⁦1935–1948⁩
    ⁦1935–1948⁩

    An der London School of Economics nach Studienzeit Kollege von Friedrich August von Hayek; Zusammenarbeit bis zum Wechsel nach Johannesburg 1948.

  3. ⁦1974–1987⁩
    ⁦1974–1987⁩

    Arbeitete von 1974 bis 1987 an der New York University mit Israel M. Kirzner zusammen, der die Tradition der Österreichischen Schule wiederbeleben wollte.

  4. —
    —

    Wurde an der LSE zu Ludwig Lachmanns engem Freund; Lachmann entwickelte seine Theorie divergenter Erwartungen aus Shackles Arbeiten zur Unsicherheit weiter.[6]

Ludwig Lachmann im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN13 Belege · 4 Quellen
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1930er
1930
Faschistischer Staat und korporative Wirtschaft
OriginalDeutsch
1950er
1956
Ludwig M. Lachmanns 'Capital and Its Structure' (1956) entwickelt eine morphologische Theorie des Kapitals, die mit der Annahme bricht, Kapital sei eine homogene, in Geld messbare Grösse. Lachmanns Ausgangspunkt ist die Heterogenität der Kapitalgüter: weil jedes Gut nur begrenzt verwendbar ist (multiple specificity) und Güter komplementär kombiniert werden müssen, bilden die Produktionspläne der Unternehmer Kapitalkombinationen, deren Gesamtheit die Kapitalstruktur einer Gesellschaft ist. In einer Welt unerwarteten Wandels werden diese Kombinationen ständig aufgelöst und neu gebildet (capital regrouping). Methodisch stützt sich das Buch auf Prozessanalyse statt Gleichgewichtsanalyse und auf eine subjektivistische Theorie der Erwartungen. In den Anwendungskapiteln deutet Lachmann Böhm-Bawerks 'Umwegproduktion' als Theorem über wirtschaftlichen Fortschritt um, untersucht die Asset-Struktur (Plan-, Kontroll- und Portfolio-Struktur) und prüft die Konjunkturtheorie, wobei er den Hicksschen Ansatz mit der Österreichischen Theorie der industriellen Fluktuationen verknüpft.
OriginalEnglisch
1970er
1971
Drei Essays, in denen Ludwig Lachmann vernachlässigte Teile von Max Webers Werk für eine praxeologische Theorie des Handelns und der Institutionen neu bewertet. Der erste Essay argumentiert, dass Webers Idealtypus zu weit gefasst ist, um als zentraler Begriff der Sozialwissenschaften zu dienen, und schlägt vor, ihn durch den Plan zu ersetzen: Das Handeln bezieht seinen Sinn aus dem Entwurf, den der Handelnde im Kopf trägt, was das Verstehen zu einer beobachtbaren, vergleichenden Untersuchung macht statt zu einer Intuition. Der zweite Essay entwickelt, auf Grundlagen von Weber und Menger, eine allgemeine Theorie der Institutionen, unterscheidet entworfene von nicht entworfenen und grundlegende von sekundären Institutionen und behandelt die Spannung zwischen Kohärenz und Flexibilität. Der dritte Essay wendet dieses Schema auf Webers politisches Denken an, auf sein Plädoyer für eine parlamentarische Regierung und auf seine Deutung des hohenzollernschen Deutschland und der Weimarer Republik. Lachmann war Professor für Nationalökonomie an der University of the Witwatersrand.
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Drei Essays über Max Webers geistiges Vermächtnis
    OriginalDeutsch
1973
Ludwig M. Lachmann untersucht in diesem 1973 erschienenen Hobart Paper des Institute of Economic Affairs den methodischen Streit der makroökonomischen Kapital- und Wachstumstheorie. Seine zentrale These: Beide grossen Lager, die neoricardianische 'Cambridge'-Schule (Robinson, Sraffa, Kaldor) und die neoklassischen Formalisten (Samuelson, Solow, Hicks), haben die mikroökonomischen Grundlagen wirtschaftlichen Handelns aus dem Blick verloren. Lachmann argumentiert, dass Gleichgewichtsdenken den realen Marktprozess verfehlt: Gewinne seien ein Ungleichgewichtsphänomen, ein einheitlicher 'normaler' Profitsatz und 'steady-state growth' seien Fiktionen, und technischer Fortschritt wirke prinzipiell ungleichgewichtsstiftend. Er entwickelt dies kapitelweise entlang von Profit, Zins, Wachstum und Innovation und zieht Folgerungen für Einkommens-, Wachstums- und Geldpolitik. Methodisch beruft er sich auf Subjektivismus und divergierende Erwartungen und stellt das Werk dem Aggregat-Formalismus seiner Zeit entgegen.
OriginalEnglisch
1975
Makroökonomischer Formalismus und die Marktwirtschaft
OriginalDeutsch
1977
Capital, Expectations and the Market Process: Essays on the Theory of the Market Economy
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Marktprozess und Erwartungen: Studien zur Theorie der Marktwirtschaft1994
    OriginalDeutsch
1978
Capital and its Structure
OriginalEnglisch
1980er
1986
The Market as an Economic Process
OriginalEnglisch
1990er
1994
Dieser Band versammelt einundzwanzig Aufsätze von Ludwig M. Lachmann, entstanden zwischen 1936 und 1991, die eine radikal subjektivistische Fassung der österreichischen Nationalökonomie entwickeln. Zwei Themen kehren wieder: die Bedeutung, die Institutionen wie Geld, Recht und Finanzmärkte für die handelnden Individuen besitzen, die ihre Pläne an ihnen ausrichten, und die notwendig auseinanderlaufenden Erwartungen, die den Handel an den Vermögensmärkten antreiben. Teil I behandelt Unsicherheit, Liquiditätspräferenz und den Konjunkturzyklus, darunter Lachmanns Argument für eine eigenständige „sekundäre Depression“. Teil II entfaltet die Heterogenität des Kapitals und die Rückwirkungen der Investitionen. Teil III nimmt den Niedergang der österreichischen Schule in den 1930er Jahren erneut in den Blick, unter anderem die Hayek-Sraffa-Kontroverse und den Streit mit Knight über das Kapital. Teil IV wendet den Subjektivismus auf Menger, Mises, Shackle und die Deutung von Institutionen an und schließt mit einem programmatischen Plädoyer für eine hermeneutische Ökonomik.
OriginalEnglisch
ARTIKEL · 73 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1930er
1936
Commodity Stocks and Equilibrium
OriginalEnglisch
1937
Preiserwartungen und intertemporales Gleichgewicht
OriginalDeutsch
Uncertainty and Liquidity Preference
OriginalEnglisch
1938
Commodity Stocks in the Trade Cycle
OriginalEnglisch
Investment and Costs of Production
OriginalEnglisch
Investment and Costs of Production
OriginalEnglisch
1939
[Rezension zu G. L. S. Shackle: Expectations, Investment and Income]
OriginalEnglisch
[Rezension zu Moses Abramovitz: An Approach to a Price Theory for a Changing Economy]
OriginalEnglisch
On Crisis and Adjustment
OriginalEnglisch
1940er
1940
A Reconsideration of the Austrian Theory of Industrial Fluctuation
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Neuüberprüfung der österreichischen Theorie der Konjunkturzyklen
    OriginalDeutsch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise