FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 005

Friedrich von Wieser

Werke
10
Artikel
69
Generation
2.
Porträt von Friedrich von WieserPorträt von Friedrich von Wieser: Grabstaette Wiesers am Dornbacher Friedhof (2009)Porträt von Friedrich von Wieser: Bronzetafel Wieser, Arkadenhof Universitaet Wien (2010)
FOL. 02 · N° 005 · Friedrich von Wieser
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Friedrich von Wieser wurde 1851 als viertes von neun Kindern in Wien geboren. Während des Studiums der Rechtswissenschaften an der Universität Wien führte ihn die Auseinandersetzung mit dem römischen Recht in wirtschaftliche Problemstellungen ein. Doch erst die Lektüre von Mengers Grundsätzen bot Wieser die gesuchte Perspektive, die er in der Rückschau als eine Befreiung aus der »Not des Denkens« empfand. Er habilitierte 1884 mit Über den Ursprung und die Hauptgesetze des wirthschaftlichen Werthes, in welchem er den Begriff des Grenznutzen in die Nationalökonomie einführte. Wiesers erste Publikation fand außerhalb Wiens wenig Anklang. Friedrich von Wieser, dessen Gestalt und Habitus Distanz und Unnahbarkeit vermittelten, duldete in seinen Lehrveranstaltungen kaum Fragen oder Unterbrechungen. Als Student musste man schon »interessante Fragen« vorbringen, falls man mit ihm in persönlichen Kontakt treten wollte. Als Vortragender sprach er ruhig und gemächlich, ohne Aufzeichnungen zu benutzen, und bediente sich einer klassischen Ausdrucksweise. Sein Haus in Döbling wurde eine geschätzte Begegnungsstätte von Vertretern aus Kunst, Politik und Wissenschaft. Als einer der ganz wenigen »Österreicher« verfasste er mehrere, im Ton zwar moderate, aber doch eindeutig kriegsbejahende Schriften.
Metadaten
10. Juli 1851
in Wien
22. Juli 1926
2. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1851
    1851
    Geburt

    Geboren am 10. Juli 1851 als viertes von neun Kindern in Wien.

  2. ⁦1868–1872⁩
    ⁦1868–1872⁩
    Studium der Rechtswissenschaften

    Studierte Rechtswissenschaften an der Universität Wien; die Auseinandersetzung mit dem römischen Recht führte ihn in wirtschaftliche Problemstellungen ein.

  3. 1871
    1871
    Lektüre von Mengers „Grundsätzen"— inferiert

    Erst die Lektüre von Mengers „Grundsätzen der Volkswirthschaftslehre" bot Wieser die gesuchte Perspektive, die er in der Rückschau als „Befreiung aus der Not des Denkens" empfand.

  4. 1872
    1872
    Doktorat der Rechtswissenschaften

    Erlangte 1872 den Dr. iur. an der Universität Wien.[6]

  5. 1872
    1872
    Niederösterreichische Finanzlandesdirektion

    Trat 1872 in den österreichischen Staatsdienst (Niederösterreichische Finanzlandesdirektion) ein.[1]

  6. ⁦1875–1877⁩
    ⁦1875–1877⁩
    Reisestipendium an deutschen Universitäten

    Erhielt 1875 ein Reisestipendium und studierte Volkswirtschaftslehre bei Karl Knies in Heidelberg sowie an den Universitäten Leipzig und Jena.[7]

  7. 1884
    1884
    Habilitation „Über den Ursprung und die Hauptgesetze des wirthschaftlichen Werthes"

    Habilitierte 1884 mit „Über den Ursprung und die Hauptgesetze des wirthschaftlichen Werthes" und führte den Begriff des Grenznutzens in die Nationalökonomie ein. Die erste Publikation fand außerhalb Wiens wenig Anklang.[1]

  8. ⁦1884–1903⁩
    ⁦1884–1903⁩
    Lehrstuhl Deutsche Universität Prag

    Außerordentlicher Professor (1884) und ab 1889 ordentlicher Professor für Politische Ökonomie an der Karl-Ferdinands-Universität (Deutsche Universität Prag); Rektor 1901/1902.[1]

  9. 1889
    1889
    „Der natürliche Werth"

    Erscheinen von „Der natürliche Werth" (1889), in dem Wieser die Wirtschaft als ein durch präzise Gesetze geordnetes System entwarf.[8]

  10. ⁦1903–1922⁩
    ⁦1903–1922⁩
    Lehrstuhl Universität Wien (Nachfolge Menger)

    Übernahm 1903 als Nachfolger Carl Mengers den Lehrstuhl für Politische Ökonomie an der Universität Wien; lehrte unter anderem Ludwig von Mises, Friedrich von Hayek und Joseph Schumpeter.[1]

  11. ⁦1914–1918⁩
    ⁦1914–1918⁩
    Kriegsbejahende Schriften— inferiert

    Verfasste als einer der ganz wenigen „Österreicher" mehrere im Ton zwar moderate, aber doch eindeutig kriegsbejahende Schriften.

  12. 1917
    1917
    Erhebung in den Freiherrnstand

    Wurde 1917 in den österreichischen Freiherrnstand erhoben und als lebenslängliches Mitglied ins Herrenhaus berufen.[1]

  13. ⁦1917–1918⁩
    ⁦1917–1918⁩
    Handelsminister Österreich-Ungarns

    Wurde am 30. August 1917 von Kaiser Karl I. zum Handelsminister ernannt und blieb bis zum 11. November 1918 in mehreren aufeinanderfolgenden Regierungen im Amt.[1]

  14. 1921
    1921
    Ehrendoktorat Universität Wien

    Erhielt 1921 die Ehrendoktorwürde der Universität Wien.[1]

  15. 1926
    1926
    Tod

    Gestorben am 22. Juli 1926 in St. Gilgen bei Salzburg.

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 5
  1. ⁦1875–1877⁩
    ⁦1875–1877⁩
    Bruno Hildebrand⁦(1812–1878)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte während seiner deutschen Studienreise bei Bruno Hildebrand in Jena.[1]

  2. ⁦1875–1877⁩
    ⁦1875–1877⁩
    Karl Knies⁦(1821–1898)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte mit Reisestipendium Volkswirtschaftslehre bei Karl Knies in Heidelberg.[1]

  3. ⁦1875–1877⁩
    ⁦1875–1877⁩
    Wilhelm Roscher⁦(1817–1894)⁩ · Ältere Historische Schule

    Studierte während seiner deutschen Studienreise bei Wilhelm Roscher in Leipzig.[1]

  4. 1903
    1903

    Erst die Lektüre von Mengers „Grundsätzen" bot Wieser die gesuchte Perspektive, die er in der Rückschau als eine Befreiung aus der „Not des Denkens" empfand.[1]

  5. —
    —
    Lorenz von Stein⁦(1815–1890)⁩ · Wiener Staatswissenschaft

    Lorenz von Stein wird im OeBL-Eintrag explizit als Lehrer Wiesers an der Universität Wien genannt.[1]

Beeinflusste · 7
  1. ⁦1901–1906⁩
    ⁦1901–1906⁩

    Wandte sich während des Rechtsstudiums an der Universität Wien unter dem Einfluss des Menger-Schülers Friedrich von Wieser der Nationalökonomie zu.[2]

  2. ⁦1903–1909⁩
    ⁦1903–1909⁩

    Weiss studierte an der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien bei Eugen von Böhm-Bawerk und Friedrich von Wieser.

  3. ⁦1903–1906⁩
    ⁦1903–1906⁩

    Mises war nach Wiesers Berufung 1903 an die Universität Wien einer seiner Studenten in der Vorlesungs-Reihe zur Politischen Ökonomie; Wikipedia EN führt Mises explizit als Wieser-Schüler.

  4. ⁦1918–1925⁩
    ⁦1918–1925⁩

    Haberler studierte an der Universität Wien u. a. bei Friedrich von Wieser und Ludwig von Mises (Promotion in Staatswissenschaften 1925).[3]

  5. ⁦1920–1923⁩
    ⁦1920–1923⁩

    Studierte ab 1920 Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien u. a. bei Friedrich von Wieser.[4]

  6. 1921
    1921

    Hayek promovierte 1921 an der Universität Wien zum Doktor der Rechtswissenschaften bei Wieser; Wikipedia EN bezeichnet Hayek als „Wiesers treuesten Schüler".

  7. —
    —

    Promovierte 1907 in Rechtswissenschaften an der Universität Wien; im bio_de und in der Klausinger-Studie als Schüler Friedrich von Wiesers ausgewiesen. Wieser entwickelte ein Vater-Sohn-Verhältnis zu Mayer und förderte ihn mit allen Möglichkeiten.[9]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 3
  1. ⁦1872–1914⁩
    ⁦1872–1914⁩

    Wieser und Böhm-Bawerk waren Jugend- und Studienfreunde an der Universität Wien; 1880 heiratete Böhm-Bawerk Wiesers Schwester Paula und wurde damit zugleich dessen Schwager und langjähriger Wegbegleiter.[5]

  2. 1894
    1894

    Wurde 1894 neben Friedrich von Wieser außerordentlicher Professor an der Deutschen Universität Prag.

  3. 1923
    1923

    Mayer wurde 1923 als Nachfolger von Friedrich von Wieser auf den Wiener Lehrstuhl berufen; nach Wiesers Tod bezog Mayer dessen nachgelassenes Haus im 19. Wiener Gemeindebezirk.[9]

Friedrich von Wieser im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN22 Belege · 4 Quellen
  • [6]Hayek (Hg.): Friedrich von Wieser - Gesammelte Abhandlungen (mit biographischer Einleitung)
  • [7]Hayek (Hg.): Friedrich von Wieser - Gesammelte Abhandlungen (mit biographischer Einleitung)
  • [8]Wieser: Der natürliche Werth (Originalwerk 1889)
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1880er
1884
Über den Ursprung und die Hauptgesetze wirtschaftlichen Werthes
OriginalDeutsch
1889
Der natürliche Werth
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
  • Natural Value1893
    OriginalEnglisch
1910er
1914
Theorie der gesellschaftlichen Wirtschaft
OriginalDeutsch
Weitere Ausgaben
1919
Österreichs Ende
OriginalDeutsch
1920er
1924
Kant Festschrift zu Kants 200. Geburtstag am 22. April 1924
OriginalDeutsch
1925
Der Staat das Recht und die Wirtschaft des Bolschewismus
OriginalDeutsch
1926
Das Gesetz der Macht
OriginalDeutsch
1929
Gesammelte Abhandlungen
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 69 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1890er
1891
The Austrian School and the Theory of Value
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Die Österreichische Schule und die Werttheorie1929
    OriginalDeutsch
The Theory of Value (A Reply to Prof. Macvane)
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Die Theorie des Wertes (Eine Antwort an Prof. Macvane)1929
    OriginalDeutsch
Über die Valuta-Regulierung in Österreich
OriginalDeutsch
1892
Grossbetrieb und Productivgenossenschaften
OriginalDeutsch
Gut
OriginalDeutsch
1893
Die Besteuerung ausländischer Gläubiger in Oesterreich. Ein Nachwort zum Couponprocesse der Staatsbahn
OriginalDeutsch
Resumption of Specie Payments in Austria-Hungary
OriginalEnglisch
Weitere Ausgaben
  • Die Wiederaufnahme der Barzahlungen in Österreich-Ungarn1929
    OriginalDeutsch
1894
Die Währungsfrage und die Zukunft der österreichischen Valutareform
OriginalDeutsch
1895
Gebührengesetz
OriginalDeutsch
1897
Die österreichischen Finanzen
OriginalDeutsch
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Chicago
Deutsche historische Zitierweise