FOLIO I · DENKER · GEN. 02 · N° 014

Eugen Philippovich von Philippsberg

Werke
19
Artikel
30
Generation
2.
Porträt von Eugen Philippovich von PhilippsbergPorträt von Eugen Philippovich von Philippsberg: Eugen von Philippovich, koloriertes Portrait (2023)
FOL. 02 · N° 014 · Eugen Philippovich von Philippsberg
BIOGRAPHIE

Leben und Werk

Der Abkömmling einer österreichisch-bosnischen Offiziersfamilie wuchs als Halbwaise auf und absolvierte das Theresianum sowie das rechtswissenschaftliche Studium in Wien. Nach Studienaufenthalten in Berlin und London wurde er 1884 mit einer Untersuchung zur Bank von England habilitiert. Nach einer außerordentlichen und später ordentlichen Professur an der Universität Freiburg erhielt der erst 35-Jährige schließlich den Ruf nach Wien. Wirtschaftspolitisch stand Philippovich der historisch-ethischen Richtung nahe, in methodologischen und in werttheoretischen Fragen hatte er sich bereits in seiner Freiburger Zeit stark an Menger orientiert. Als Mitglied der Wiener Fabier-Gesellschaft, einem Kreis von Förderern ehrgeiziger sozialpolitischer Bestrebungen, wurde er 1896 zu einem der Mitbegründer der Sozialpolitischen Partei und stellte eine Legislaturperiode lang auch einen ihrer vier Abgeordneten im Niederösterreichischen Landtag. Gegen die rüden Angriffe und Polemiken seiner politischen Gegner wusste sich der feinsinnige Wissenschafter allerdings kaum zu wehren. Philippovich wurde 1905 Rektor der Universität Wien und 1909 Mitglied des Herrenhauses. Dementsprechend gewichtig war seine Rolle als Promotor der Österreichischen Schule, die er auch mit seinem überaus erfolgreichen Lehrbuch Grundriß der Politischen Ökonomie (1893) effektiv förderte. Über viele Jahre hinweg fungierte er als Vorsitzender der Gesellschaft der Österreichischen Volkswirthe und war von 1904 bis 1917 Mitherausgeber der Zeitschrift für Volkswirtschaft, Socialpolitik und Verwaltung.
Metadaten
15. März 1858
in Wien
4. Juni 1917
2. Generation
Lebensstationen

Stationen

  1. 1858
    1858
    Geburt

    Geboren am 15. März 1858 in Wien als Abkömmling einer österreichisch-bosnischen Offiziersfamilie; wuchs als Halbwaise auf.[1]

  2. 1876
    1876
    Theresianum und Studium der Rechtswissenschaft— inferiert

    Absolvierte das Theresianum sowie das rechtswissenschaftliche Studium in Wien.

  3. 1879
    1879
    Studium der Rechtswissenschaft

    Beginn des rechtswissenschaftlichen Studiums an den Universitäten Graz und Wien.[1]

  4. 1881
    1881
    Promotion zum Dr. jur.

    Promotion zum Doktor der Rechte.[1]

  5. 1884
    1884
    Habilitation für Politische Ökonomie

    Habilitation an der Universität Wien für Politische Ökonomie mit einer Untersuchung zur Bank von England (nach Studienaufenthalten in Berlin und London).[1]

  6. 1885
    1885
    Professur in Freiburg

    Außerordentliche und später ordentliche Professur an der Universität Freiburg; orientierte sich dort werttheoretisch und methodologisch stark an Menger.[1]

  7. 1888
    1888
    Ordentlicher Professor Freiburg

    Ordentlicher Professor der Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg.[1]

  8. 1893
    1893
    Ruf nach Wien

    Mit 35 Jahren Ruf an die Universität Wien.[1]

  9. 1893
    1893
    „Grundriß der Politischen Ökonomie“

    Erscheinen des überaus erfolgreichen Lehrbuchs „Grundriß der Politischen Ökonomie“, mit dem Philippovich die Österreichische Schule effektiv förderte.

  10. ⁦1895–1896⁩
    ⁦1895–1896⁩
    Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät

    Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien.[1]

  11. 1896
    1896
    Mitbegründer der Sozialpolitischen Partei

    Als Mitglied der Wiener Fabier-Gesellschaft 1896 Mitbegründer der Sozialpolitischen Partei; eine Legislaturperiode lang Abgeordneter im Niederösterreichischen Landtag.

  12. 1904
    1904
    Mitglied der Akademie der Wissenschaften

    Aufnahme in die Kaiserliche Akademie der Wissenschaften in Wien.[1]

  13. ⁦1904–1917⁩
    ⁦1904–1917⁩
    Mitherausgeber der „Zeitschrift für Volkswirtschaft, Socialpolitik und Verwaltung“

    Von 1904 bis 1917 Mitherausgeber der „Zeitschrift für Volkswirtschaft, Socialpolitik und Verwaltung“; über viele Jahre Vorsitzender der Gesellschaft der Österreichischen Volkswirthe.

  14. ⁦1905–1906⁩
    ⁦1905–1906⁩
    Rektor der Universität Wien

    1905 Rektor der Universität Wien.[1]

  15. ⁦1907–1908⁩
    ⁦1907–1908⁩
    Dekan (zweite Amtszeit)

    Erneut Dekan der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät 1907/08.[1]

  16. 1909
    1909
    Mitglied des Herrenhauses

    1909 Mitglied des Herrenhauses.[1]

  17. 1915
    1915
    Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften

    Aufnahme in die Ungarische Akademie der Wissenschaften.[1]

  18. 1917
    1917
    Tod

    Gestorben am 4. Juni 1917 in Wien.[1]

Beziehungen

Beeinflussungen

Beeinflusst von · 1
  1. —
    —
    Gustav von Schmoller⁦(1838–1917)⁩ · Jüngere Historische Schule

    Philippovich gehörte im Verein für Socialpolitik dem „Wiener Flügel“ an, der gegenüber Schmollers preußisch-historischer Linie eine theoretisch fundierte Sozialpolitik vertrat; 1908 wurde Schmoller eine Festschrift gewidmet, an der auch Philippovich beteiligt war – die Antipoden-Beziehung war damit zugleich Verhandlungsbeziehung.[1]

Beeinflusste · 4
  1. ⁦1901–1906⁩
    ⁦1901–1906⁩

    Wandte sich während des Wiener Studiums unter dem Einfluss Eugen Philippovich von Philippsbergs der Nationalökonomie zu; Philippovich gehörte neben Wieser und Böhm-Bawerk zum Kreis der prägenden Menger-Schüler an der Universität Wien.[2]

  2. ⁦1904–1906⁩
    ⁦1904–1906⁩

    Somary war 1904-1906 Assistent Philippovichs an der Universität Wien; Philippovich vermittelte ihm später die Stelle des Assistenten des Präsidenten an der Anglo-Österreichischen Bank.

  3. 1913
    1913

    Philippovich war 1913 als Lehrstuhlinhaber für Politische Ökonomie der formelle Habilitationsbetreuer Mises' an der Universität Wien (Aufgabenhinweis aus Pipeline-Briefing).

  4. —
    —

    Emil Lederer studierte ökonomische Theorie an der Universität Wien u. a. bei Philippovich, Wieser und Böhm-Bawerk.[6]

Privatseminar, Kollegen, Mont Pèlerin · 1
  1. 1894
    1894
    Max Weber⁦(1864–1920)⁩ · Heidelberger Schule

    Max Weber folgte Philippovich 1894 auf den Lehrstuhl in Freiburg im Breisgau nach.[3]

Eugen Philippovich von Philippsberg im Kontext der gesamten Schule: fünf Generationen, ihre Lehrer-Schüler-Linien, Zirkel und Kollegenschaften.

QUELLEN ZU STATIONEN UND BEZIEHUNGEN23 Belege · 3 Quellen
Topographie

Wirkungsorte

WERKVERZEICHNIS · CHRONOLOGISCH

Die Bücher

1880er
1885
Die Bank von England im Dienste der Finanzverwaltung des Staates
OriginalDeutsch
1886
Über Aufgabe und Methode der Politischen Ökonomie
OriginalDeutsch
1888
Gesetze über die direkten Steuern des Grossherzogtums Baden
OriginalDeutsch
1889
Der badische Staatshaushalt in den Jahren 1868-1889
OriginalDeutsch
1890er
1892
Auswanderung und Auswanderungspolitik in Deutschland
OriginalDeutsch
Wirtschaftlicher Fortschritt und Kulturentwicklung
OriginalDeutsch
1893
Grundriss der Politischen Ökonomie, Band I: Allgemeine Volkswirtschaftslehre
OriginalDeutsch
1894
Wiener Wohnungsverhältnisse
OriginalDeutsch
1896
Urkunde zur Verleihung der Ehrenmitgliedschaft Eugen Philippovichs im
OriginalDeutsch
1899
Grundriss der Politischen Ökonomie, Band II: Volkswirtschaftspolitik, 1. Teil
OriginalDeutsch
ARTIKEL · 30 VERZEICHNET

Aufsätze, Rezensionen, Vorträge

1880er
1883
Neuere Litteratur über Kolonien und Kolonialpolitik
OriginalDeutsch
1884
Die staatliche Geldverwaltung
OriginalDeutsch
1887
[Rezension zu] Leonhardt: Der Warrant als Bankpapier
OriginalDeutsch
Der Schlussbericht der Trade Depression Commission
OriginalDeutsch
1889
[Rezension zu] Robert Meyer: Das Wesen des Einkommens. Eine volkswirthschaftliche Untersuchung
OriginalDeutsch
Die wirtschaftliche Gesetzgebung Englands in den Jahren 1886 und 1887
OriginalDeutsch
1890er
1890
Auswanderung
OriginalDeutsch
Die soziale Lage der Cigarrenarbeiter im Grossherzogtum Baden
OriginalDeutsch
Die Verlängerung des Reichsbankprivilegiums
OriginalDeutsch
L'émigration européenne
OriginalFranzösisch
APA
Chicago
Deutsche historische Zitierweise