Swiss Mises Institute

Donnerstag, 25. November 2010 von Živko Mišković zu Politik

Weil ich es so sage!


Asterix der Gallier

Nicht nur Eltern kommen manchmal an den Punkt, dem ständigen Fragen ihrer Sprösslinge nach dem Wieso mit dieser Antwort zu begegnen. Und um die Konsequenzen wissend, gibt in den allermeisten Fällen jemand nach und fügt sich. Das wird nicht immer nur das Kind sein, falls es die Ernsthaftigkeit der Eltern in Frage stellt. Am Ende steht in letzter Konsequenz nur die Verweigerung der Kooperation/Unterstützung als einziges Druckmittel. Darüber hinaus hat man keine Handhabe über den Anderen. Oder vielleicht doch? Kann man in solchen und grösseren Fällen nicht Gewalt gegen den Anderen rechtfertigen? Ihn oder Sie zwingen "Das Richtige" zu tun?

Viele Menschen würden die Gewaltanwendung aus moralischen und menschlichen Beweggründen ablehnen. Andere nicht, diese würden es aus einem Genuss an Gewalt heraus begrüssen. Und doch sind - selbst unter den Friedliebenden und Liberalen - auch viele, die daran glauben Gewalt mit einer "gerechten" Sache rechtfertigen zu können. Die überwältigende Mehrheit der gesamten Weltbevölkerung scheint so zu denken, in unserer genauso wie in früherer Zeit. Und das, obwohl sonst die Gewaltanwendung, ausser im Falle der Selbstverteidigung, strikte abgelehnt wird. Wie kommt es zu diesem doppelten Standard? Wissen sie den nicht, dass Gewalt und Krieg nur beiden Parteien schadet?

Wieso wird geglaubt, dass Gewaltanwendung gerechtfertigt ist, wenn jemand anderes nicht bereit ist zu kooperieren? So viel Schaden, nur damit man seinen Willen durchsetzt? Wieso so überzeugt von sich selbst? So Allwissend? Nie einen Zweifel daran, dass die "gerechte" Sache eben nur in unserer Einbildung und individuellen Wahrnehmung der Welt gerecht ist und in Wirklichkeit Leid und Schmerz verursacht?

Legitimation der Macht

Die politischen Parteien und mit ihnen alle politischen Akteure (Wähler, Beamte, Politiker) mögen sich in so ziemlich allem - nicht zuletzt in ihren Farben - unterscheiden, doch in einem Punkt sind sie sich alle einig. Die Herrschaft des Menschen über den Menschen ist eine - um es mit den Worten von Mises zu beschreiben - gerechte, allgemein nützliche und geradezu wohltätige Einrichtung. Über ihre Notwendigkeit besteht kein Zweifel.

Nie aber ist die Frage nach dem Wieso zufrieden stellend beantwortet worden. Gewiss, es gibt zahlreiche Antworten und Rechtfertigungen dafür. Diese lassen sich in zwei Grundmuster aufteilen.

a) Notwendigkeit

Die eine Gruppe von Antworten besagt, dass die Herrschaft Notwendig ist, weil die Folgen einer Abwesenheit dieser Herrschaft schrecklich wären. Der Gerechtigkeit würde nicht mehr genüge Getan (Gesetz), Chaos und Zerstörung (Ordnung) und der Verlust von Sicherheit (Frieden) würden Einzug halten. Die leichtgewichtigeren Rechtfertigungen für diese Notwendigkeit sind: "Aber wer baut dann die Strassen?".

b) Überlegenheit

Diese Gruppe enthält die erste und erweitert diese noch um das Argument der eigenen Überlegenheit, sei es in Stärke, Geist, Schönheit und dergleichen, oder der Überlegenheit des eigenen Glaubens, dessen Stellvertreter auf Erden man nur ist. Dies beanspruchen Vertreter allerlei Religionen und Glaubensrichtungen wie Christentum, Islam, Saat, Umwelt, Atheismus, Liberalismus (für nichts ist die Gewaltrechtfertigung sich zu schade) usw.

Aber wie wir gleich sehen werden, kann keines der beiden Argumente die Legitimation zur Herrschaft objektiv und für alle nachvollziehbar geben. Im Gegenteil sogar. Bei näherer Betrachtung erweisen sie sich als ein verstecktes "Weil ich es so sage!".

Anforderungen an die Legitimation

Um zu verhindern, dass wir selbst willkürlich Antworten anerkennen oder ablehnen, werden zuerst die Kriterien an eine gültige Legitimation festgelegt. Die Antwort auf die Frage nach der Legitimation muss folgenden Anforderungen standhalten, um überzeugen zu können.

  1. Sie darf nicht auf Gewalt zur Durchsetzung beruhen, sondern muss überzeugen. Gewalt würde Gewaltanwendung zur Selbstverteidigung rechtfertigen. Und aussenstehende wären vor die Frage gestellt, wer zu unterstützen ist, damit diese Gewalt aufhört. Der Unterdrücker oder der unterdrückte? Tu ne cede malis!
  2. Sie muss widerlegen können, dass Krieg nur beiden Parteien schadet und somit durchaus in der Lage ist ein Mehr an Lebensqualität für alle zu Erzeugen. Damit wäre sie objektiv nachvollziehbar und für alle Verständlich, auch für die Unterdrückten und Ausgebeuteten.

Sie wäre damit auch gerecht für Alle, wir würden es zumindest so empfinden.

Prüfung der Legitimation

Bewerten wir nun die Legitimationen anhand der gestellten Anforderungen.

a) Notwendigkeit

Die Notwendigkeit wird nicht von allen gleich angesehen. Impliziert doch die Notwendigkeit ein zur erreichendes Ziel. Wir aber als Individuen werten die Dinge individuell und subjektiv. So unterscheiden sich zwangsweise auch die Zielsetzungen. Daraus werden unterschiedliche Notwendigkeiten abgeleitet. Als das Wichtigste auf der Welt werden viele Dinge genannt, dabei ist das Wichtigste auf der Welt das, was wir gerade tun. Weil wir sonst etwas anderes tun würden.

So wird die Notwendigkeit, von welcher eine Gruppe von Individuen zu überzeugen sucht, nur der Spiegel ihrer Ziele, ihrer Wertschätzung der Dinge. Solange dies bei einer friedlichen und auf Überzeugung ruhenden Tätigkeit bleibt ist dagegen nichts einzuwenden. Im Gegenteil, sie ist zu begrüssen. Den Ideen werden von besseren Ideen abgelöst. Und das Argument ist das Mittel zur Überzeugung, nicht die Faust. Somit sind beide Anforderungen an die Legitimation sichergestellt. Die Herrschaft erstreckt sich aber nur auf die freiwilligen Mitglieder, welche auch wieder austreten können.

Wird aber Gewalt zur Anerkennung und zum Mitgliedschaftszwang eingesetzt, so gilt die Überlegenheit der Stärke und somit der gewaltsamen Durchsetzung der eigenen Interessen. Mit Herrschaft ist gleichzeitig Zwang verbunden und mit dem Zwang die Gewalt. Damit wären aber alle Terroristen, Tyrannen, Imperialisten, Diktatoren und dergleichen freigesprochen. Willkürliche Abgrenzungen zwischen Guter und Böser Gewalt sind nicht in der Lage diesen Wiederspruch zu verdecken. Diese Legitimation kann und darf nicht anerkannt werden.

b) Überlegenheit

Im Namen des eigenen Glaubens, Gottes oder sonst nicht allen zugänglichen "höheren Wesen" wie dem flying Spafhetti Monster darf man vieles tun. Zwang und die damit verbundene Gewalt gehören nicht dazu. Hier führt sie genau wie die Notwendigkeit zu einem Wiederspruch in Sich und ist irrational. Selbst wenn man sie Wirtschaftstheorie nennt und damit auf Kosten von ganzen Völkern experimentiert.

Feststellung

Ein "Weil ich es so sage!" hört nach einem "Weil ich es anders sage!" hoffentlich mit dem Gehen eigener Wege auf. Wenn daraufhin Gewalt eingeleitet wird, so wird klar, wer der Aggressor ist und zurückgehalten werden muss. Der Anspruch auf eine Herrschaft durch Gewalt, kann nicht legitimiert werden. Es ist die Gewalt selbst, durch welche die Legitimation erfolgt. Damit gibt sie sich selbst einen legalen Rahmen in dem sie sich sammelt.

Es wäre für alle besser, wenn wir die Gewalt nicht legitimieren würden, sondern sie gleich bekämpfen wo wir sie sehen. Tu ne cede malis!

 

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