Swiss Mises Institute

Donnerstag, 27. November 2014 von Patrik B. Vonlanthen zu Geld

Goldinitiative – Weckruf zur Rückbesinnung


Seit einiger Zeit erhält die Schweizer Volksabstimmung vom 30. November 2014 zur sogenannten Goldinitiative erhöhte Aufmerksamkeit in den Medien. Dieser Beitrag versucht die von der Initiative gestartete Debatte von einer anderen Perspektive zu beleuchten und konkludiert: Nicht politische Vorgaben an eine Zentralbank adressieren die allgemeine Verunsicherung im Geld- und Währungssystem, sondern das sich Besinnen was Geld wirklich ist.

Einleitung

Die Goldinitiative verfehlt mit ihrer (politischen) Forderung an die Schweizerische Nationalbank SNB leider die eigentliche Problematik des Schweizer Frankens und damit auch die hauptsächliche Sorge verunsicherter Bürger: zur Gesundung des Geld- und Währungssystems beizutragen. Geld ist ein Marktphänomen. Gold (und Silber) etablierte sich historisch als das begehrteste Tauschmittel ungeachtet der jeweiligen zentralistischen, monopolistischen, diktatorischen oder staatlichen Instanzen. Das staatliche Geldmonopol muss abgeschafft werden. Papier- bzw. Buchgeld kann Sachgeld nie ersetzen, da es das Regressions-Theorem verletzt.

Goldinitiative & SNB

Der Präsident des Direktoriums der SNB erklärte in einem Interview, dass bei Annahme der Initiative der Auftrag der SNB in Gefahr sei - mit Geld- und Währungspolitik die Preisstabilität aufrechtzuerhalten. Verschiedene Stimmen äussern sich mehr zur Problematik der mindestens 20% Aktiva, die in Gold hinterlegt und nicht mehr veräussert werden dürften. Andere zu der von der Initiative zwingend geforderten vollständigen Lagerung der SNB Goldreserven in der Schweiz.

Was ist die SNB?

Das Kurzporträt der SNB stellt sie als eine unabhängige Zentralbank, welche die Geld- und Währungspolitik der Schweiz führt, dar. Ihr Auftrag: Werterhaltung des Schweizer Frankens und die Förderung einer guten Entwicklung der Schweizerischen Volkswirtschaft. Sie beruft sich dafür auf die Schweizerische Bundesverfassung und das Nationalbankgesetz. Rechtlich gesehen ist sie eine spezialgesetzliche Aktiengesellschaft, die sich am Schweizerischen OR orientiert und mit einem Aktienkapital von 25 Millionen Franken kapitalisiert ist. Im Rahmen der internationale Währungszusammenarbeit bekennt sie sich auch als Mitglied der in Basel ansässigen Bank für Internationalen Zahlungsausgleich BIZ (auch bekannt als Bank der Zentralbanken) sowie des Internationalen Währungsfonds IWF.

Wem gehört die SNB?

Gemäss Berichten der SNB hat sie 2219 Privataktionäre und 73 öffentlich-rechtliche Aktionäre. Darin sind übrigens auch 1251 hängige oder ausstehenden Gesuche für Aktien vermerkt. Als grösster Einzelaktionär ist eine Person aus Düsseldorf mit 6250 Aktien – was einer Beteiligungsquote von 6,25% entspricht – erwähnt. Von den öffentlich-rechtlichen Grossaktionären hat der Kanton Bern mit einer aktuellen Beteiligungsquote von 6,63% noch ein wenig mehr Aktien als der grösste Privataktionär. Der Kanton Zürich ist an zweiter Stelle dieser Rangliste öffentlich-rechtlicher Aktionäre mit einer Beteiligung von 5,2%. Ist in den Tresoren der SNB nun wirklich unser Gold, wie die Initiative suggeriert? Oder nicht eher jenes der SNB-Aktionäre? Und wenn nicht, welche Bedeutung hätte es dann Aktien der Unternehmung SNB zu halten?

Warum besitzt die SNB Gold?

Die Richtlinien zur Anlagepolitik (gemäss dem Dokument: “Richtlinien der Schweizerischen Nationalbank (SNB) für die Anlagepolitik”) verweisen auf die Schweizerische Bundesverfassung.

Diese Richtlinien erlauben der SNB auch das Halten von zinstragenden Anlagen, Währungen, Aktien und Derivaten. Die SNB selbst wertet in ihrem Kurzporträt Gold als Relikt vergangener Zeiten und spricht diesem entsprechend auch Bedeutung im internationalen Geld- und Währungssystem ab. Im Original liest man “Gold spielt als Anker des internationalen Geld- und Währungssystems keine Rolle mehr”. Wenn man bedenkt, wie kurz dieses “Experiment” mit ungedecktem Geld aber dauert, weiss man nicht recht, ob ihr hier unschuldiges Unwissen oder bösartige Überheblichkeit attestiert werden soll. Je nach Betrachtungsweise ist in der Schweiz das Geld seit 100 (1914 hebt die SNB Einlösepflicht für Banknoten in Gold- & Silberfranken in Kriegszeiten auf), 60 (1964 hebt die SNB die Einlösepflicht generell auf) oder 43 Jahren (USA konvertiert ihren Dollar nicht mehr in Gold) nicht mehr an die Goldparität gebunden.

Geld- und Währungspolitik der SNB

Betrachtet man den Wertzerfall des Schweizer Frankens anhand des Preisindezes so ist die Leistung der SNB gut durch eine Rip van Winkle Metapher zu beurteilen. Wäre er mit Gründung der SNB und 10´000 Schweizer Franken in der Tasche eingeschlafen, müsste er heute zur Kenntnis nehmen, dass sein Geld über 90% an Kaufkraft eingebüsst hat. Anders ausgedrückt; anstelle eines Kilos Brot müsste man sich mit demselben Betrag heute mit weniger als 100 Gramm Brot begnügen. Zur Erinnerung: Die SNB ist gut 107 Jahre alt. Aufschluss zu Ihrer Geld- und Währungspolitik leistet die SNB auch durch die Definition des Begriffs Preisstabilität in ihrem Porträt. Dementsprechend soll Geld seinen Wert langfristig behalten. Der EZB-Rat definierte Preisstabilität im Oktober 1998 als Anstieg des harmonisierten Verbraucherpreisindex von weniger als 2% gegenüber dem Vorjahr. Die gemäss eigener Aussage zwar unabhängige SNB hält sich mit Einhaltung der Eurountergrenze somit an diese Festlegung der EZB.

Ungedecktes Geld der Zentralbank

Die SNB als Aktiengesellschaft und Unternehmung handelt in erster Linie mit dem Vertrauen, dass ihr und ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung entgegengebracht wird. Sichtbar in Form von gedrucktem, farbigen Papiergeld mit besonderen Merkmalen, Graphiken und zur Steigerung der Glaubwürdigkeit mit Unterschriften des Bankrat-Präsidenten und einem Mitglied des Direktoriums versehen. Im herkömmlichen Sinne dagegen unsichtbar wiegt das von ihr “produzierte” Buchgeld ungleich schwerer. Damit ermöglicht die SNB offiziell den Geschäftsbanken vor allem die Geld- und Kreditschöpfung – quasi aus dem Nichts, da diesem Prozess der Kreditausweitung nur mit vorgeschriebenen Mindestreserven theoretisch Grenzen gesetzt wird. Warum ist aber gerade beim Geld, wo Missbrauch so gravierende Konsequenzen hat, ein Monopol gar staatlich sanktioniert, allerseits toleriert und akzeptiert? Warum ist gerade bei diesem wirtschaftlichen Gut, Geld, dem Markt nicht eine bessere Lösung als dem Staat oder einer anderen zentralisierten Institution zuzutrauen? Das Kartellgesetz greift in diesem Fall nicht. Dafür hat der Staat selbstverständlich gesetzlich vorgesorgt. Eine Erklärung könnten die Verwerfungen im Staatshaushalt diverser Länder bieten, die ohne Einfluss auf das Geld- und Währungssystem undenkbar wären. Heute Schulden machen, die morgen durch andere zu tilgen sind. Eine äusserst verführerische Möglichkeit und gut geeignet um die jeweilige Popularität steigern zu können - ohne die Konsequenzen tragen zu müssen.

Weckruf zur Rückbesinnung

Um die Goldinitiative nun als Weckruf zur Rückbesinnung im Geldwesen zu verstehen, hilft uns Ludwig von Mises. In seinem Werk “Theorie des Geldes und der Umlaufmittel” von 1912 klärt er uns dazu zuerst über das eigentlich Wesen des Geldes auf. Geld ist einerseits ein wirtschaftliches Gut und andererseits das allgemein akzeptierte Tauschmittel. Damit begehrtestes Tauschmittel schlechthin. Dagegen sind bedruckte Papiere einer Firma reine Versprechungen und halten dieser Forderung nie stand. Es repräsentiert schlichtweg kein Geld und trägt diesen Namen zu unrecht. Grundsätzlich verletzt es das Regressions-Theorem, welches Mises 1912 als Grundlage zur Definition von Geld detailliert ausführte (Geld kann nur dann Geld sein, wenn es einen signifikanten, intrinsischen Wert hat). Hinsichtlich der Problematik von staatlich kontrolliertem, ungedecktem Geld bemerkt Mises folgendes:

Besteht in einem Lande Sachgeldwährung, dann ist es dem einzelnen Staate nicht möglich, Geldwertpolitik anders als durch Übergang zu einer anderen Geldart zu betreiben. Anders beim Kreditgeld und beim Zeichengeld. Hier kann der Staat durch Vermehrung oder Verminderung der Geldmenge die Bewegung des inneren objektiven Tauschwertes des Geldes beeinflussen. Das Mittel ist freilich recht roh und das Mass seines Erfolges niemals im voraus abzusehen. Aber es ist leicht und mühelos anzuwenden und wegen seiner drastischen Wirkung populär.

- Mises, “Theorie des Geldes und der Umlaufmittel”, p. 250

Goldinitiative & Besinnung

Mit “Rettet unser Schweizer Gold (Goldinitiative)” betiteln die Initianten ihren Vorstoss. Der Titel ist, wie auch weiter oben ausgeführt, ein wenig irreführend. Auch die mit der Initiative verfolgten Ziele, lassen die notwendige Klarheit für eine Zustimmung vermissen. Den Kern des Problems unseres modernen Währungssystems mit dem Prinzip der lender of last resort des Teilreserve-Systems (das Fractional-Reserve Banking) adressiert die Goldinitiative eben nicht. Hingegen werden nur die Möglichkeiten eines Spielers - der SNB - durch Annahme dieser Initiative in diesem globalen System eingeschränkt. Die Stossrichtung der Initianten ist aber wegweisend. Gold ist das ursprüngliche Geld und kann bis heute nicht durch ein alternatives Gut oder Versprechen glaubwürdig ersetzt werden. Die Forderungen der Initiative führen dagegen nicht zu einer befriedigenden Umsetzung dieses Ziels. Dies führt zur Empfehlung der Stimmenthaltung bei der Goldinitiative.

Goldinitiative & Besinnung

Rettet das wahre Geld” würde die weltweite Initiative heissen, der man zustimmen kann. Denn Geld benötigt eine Sachdeckung, um wirklich funktionieren zu können. Gold ist dafür hervorragend geeignet, wie wir aus der Geschichte der Menschheit lernen können. Ungedecktes Geld hingegen konnte sich demnach noch nie allzu lange halten. Das Geldmonopol gehört deshalb ein weiteres Mal aufgelöst – vom Staat und anderen monopolistischen Vereinigungen befreit – und Geld wieder den freien Marktkräften ausgesetzt. Ob wahres Geld durch Apple Pay, Bitcoins, Google Wallet oder anderen Ansätzen umgesetzt wird um die Gunst der Marktteilnehmer zu erobern, ist unerheblich. Wichtig ist, dass dies mittels einem marktüblichen Prozess geschieht und nicht Theorien von einzelnen Wirtschaftswissenschafter darüber entscheiden. Es ist zu befürchten, dass eine Währungsreform – nennen wir sie nun einmal so – in den nächsten Jahren oder spätestens im nächsten Jahrzehnt von Institutionen wie der Fed, EZB, BoC, SNB, BIZ, IWF angestrebt wird, um nach einer grossen Zäsur erneut ein System der Privilegien zu schaffen. So wie die vergangenen Abkommen wie Bretton Woods von Siegermächten unheilvoller Weltkriege diktiert wurden, wird der oder die scheinbaren Sieger des nächsten, grossen “Krieges” ihr Diktat der Welt aufdrücken wollen. Zu hoffen bleibt, dass mit der Transparenz, die uns das Internet ermöglicht, diesem Szenario Einhalt geboten wird und Geld sowie andere Tauschformen in neuem Glanz scheinen werden.

Bibliographie und weitere Quellen

 

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