Swiss Mises Institute

Mittwoch, 03. November 2010 von Patrik B. Vonlanthen zu Bildung

Bildung ohne Staat - Staat ohne Bildung?


Vorstellungen zu einer effizienten Bildung
divergierten immer schon ein wenig...
Nachdem ich jahrelang unser Bildungs-Wesen an Leib und Seele erfahren durfte, meinen Weg darin bahnte, um dann mit mehr oder weniger benötigten Fähigkeiten in der Wirtschaft nützlich zu wirken, stellte sich mir irgendwann doch die Frage, was ich denn nun wirklich erreicht habe. ”Wie bitte?”, kann eine Reaktion sein, denn man würde doch denken, dass eine solide Ausbildung Grundlage ist seine Tätigkeit gut zu erfüllen, um sich damit normalerweise finanziell bzw. materiell ein relativ sorgloses Überleben zu sichern oder gar einen wichtigen Beitrag zur Wohlstandsvermehrung der Gesellschaft zu leisten.

Ob man dabei auch glücklich sein muss oder es genügt, als möglichst leistungsfähiges Rädchen – je nach individuellem Vermögen – im Getriebe der Wirtschaft zu wirken und entsprechend entgolten zu werden, stellt den persönlichen Standpunkt ins Zentrum von Bildungsüberlegungen. Um aber die Floskel Glücklich-sein nicht allzu sehr zu strapazieren, so ist im menschlichen Handeln ein Streben nach individueller Erfüllung zu sehen; immerfort von und zu Neuem angetrieben. Welche Ideale oder Ziele strebt der Nachbar im Moment gerade an? Wer weiss. Ich kenne Menschen, die in ihrer Familie, ihrem Job, ihrem Glauben, ihrer Kunst, im eigenen Unternehmen, ihrer Suche, ihren Reisen, ihrem Hobby, ihren gemeinnützigen Arbeiten oder anderswo ihre momentane Bestimmung finden. Bei jedem kann es was Anderes sein und das ist gut so.

Soziale Kooperation – Baustein der Bildung

Wie kann man den Menschen eine hilfreiche Basis im Bildungs-Wesen für diese konkreten Verwirklichungen schaffen? Das Bildungs-Wesen soll einen idealen Nährboden verschaffen, um die Gründe für ein Zusammenleben in sozialer Kooperation – dem gemeinsamen Wirtschaften im Dienste und zum Wohle aller – zu erklären, die verschiedensten Facetten zu analysieren und ein entsprechendes Verstehen beim Einzelnen zu fördern. Hierzu braucht es kein Vorbild in Form einer fiktiven Wunschgesellschaft. Als Ausgangspunkt ist zuerst einzig der Mensch mit seinen natürlichen Qualitäten und Charakteristiken und den daraus resultierenden Bedürfnissen zu berücksichtigen. Mensch denkt und handelt. Mensch pflegt eigene Wertvorstellungen. Mensch strebt seine momentane Situation zu verbessern.

Ludwig von Mises sagt dazu treffend in seinem Werk "Nationalökonomie":

Zufriedenheit oder Befriedigtsein nennen wir den Zustand eines Menschen, der nicht zum Handeln führen kann und führt. Der Handelnde sucht einen Zustand, der ohne sein Dazutun gegeben ist, durch einen anderen Zustand zu verdrängen. In seinem Denken sieht er einen Zustand, der ihm mehr zusagt als der gegebene, und sein Handeln ist darauf gerichtet, diesen gewünschten Zustand zu verwirklichen. Antrieb des Handelns ist das Unbefriedigtsein. Ein zufriedenes Wesen würde nicht handeln; es würde nur einfach dahinleben.

Individuum und Gesellschaft

Mensch ist zwar frei in seinem Tun, aber erst in der Gesellschaft kann Mensch die Zwecke seines Handelns verwirklichen. Der grossen Mehrheit dürfte es einfach fallen die Vorzüge zu erkennen, welche durch das kooperative Wirtschaften ermöglicht werden. Anfänglich führt dies wohl zu gewissen Einschränkungen, dann aber können diese mit hohem individuellem Gewinn wieder kompensiert werden. Einsiedelei kann dabei selbstverständlich immer gelebt werden, auch wenn Mensch selbige Ideen ja erst in der Gesellschaft formen musste, um diese mit in die Einsamkeit nehmen zu können. Zwar wird der Einzelne in eine Welt geboren, die bereits gesellschaftlich geformt ist, aber die Gesellschaft ist letztlich nur jene Vereinigung von Individuen, die zu einer Gemeinschaft des Handelns führt. So suchen wir die Gesellschaft auch vergebens ausserhalb von Individuen. Kein Mensch kann sich aber der Gesellschaft und ihrem Einfluss entziehen.

Wer aber stellt den Zweck dar – der Einzelne oder die Gesellschaft? Wer hat sich zu fügen? Welche Gesellschaftsordnung ist die Richtige?

Da verirrt man sich schnell in Religionen, Philosophien, faschistischen oder sozialistischen Ideen – alle auch mit vielfältigem Bildungsangebot, um die Menschheit von deren Richtigkeit und folglich Existenzberechtigung zu überzeugen. Verirrt deswegen, weil die Welt voller diesbezüglicher Fragmente ist, welche kaum Relevanz besitzen, wenn nicht erst menschliche Grundbedürfnisse befriedigend erfüllt sind. Und diese selbst werden am Effizientesten durch soziale Kooperation (Arbeitsteilung) bedient, eingebettet in einem friedlichen, weltweiten Miteinander und angespornt durch gesunden Wettbewerb, um so den Menschen am Dienlichsten zu werden. Dogmen sind dabei schlechte Ratgeber, Fakten aber, dass Milch gemolken, Strom produziert, Brot gebacken und Bier gebraut wird vor dem Konsum, lassen viele Eigenbrötler und Fundamentalisten verstummen – seit eh und je.

Politik und Bildung

Man ist versucht der Gesellschaft klar zu machen, was sie wirklich ist, braucht und tun soll. Eine spezifische Staatsform formt sich. Parteien – ideologisch abgrenzend, dann wohl oder übel kompromissbereit, weil Vielfalt unvereinbar bleibt – fügen sich demokratisch, um grösstmöglichen Einfluss auf die Staatstätigkeiten auszuüben oder zu wahren. Inwieweit dies der Volkswirtschaft und breiten Gesellschaft zugute kommt, bleibt dahingestellt. So sind öffentliche Schulen entgegen der allgemeinen Erwartung durchaus politisiert(a) und gerade in letzter Zeit setzen sich politische Parteien in der Schweiz auch wieder vermehrt mit dem Bildungs-Wesen (oder Ihrer diesbezüglichen Einflussnahme) auseinander. Der Voranschlag 2010(1) für Bildung & Forschung beansprucht mit 6,131 Mia. Schweizer Franken knappe zehn Prozent des gesamten Haushaltbudgets der Schweizerischen Eidgenossenschaft (Landesverteidigung als Vergleich ist mit 4,93 Mia. veranschlagt). Viel Potential für individuelles Marketing oder wohl eher Indoktrinierung in der einen oder anderen Sache. Darin haben Parteien bekanntlich die Meisterschaft errungen – gerade auf mittelbarer Bundesebene. Kanton und vor allem Gemeinde bleiben vernünftigerweise weiterhin federführend in Sachen Bildung.

Nachdem es doch die Gesellschaft erreicht hat Kirche und Staat zu trennen, sollten wir spätestens Anfangs des 21. Jahrhunderts auch die Notwendigkeit erkennen, zur Trennung von Bildung und Staat voranzuschreiten. Denn gerade in der Bildung werden Schüler derart leicht konditioniert, da der Bildungsstoff zu politischen, ökonomischen und sozialen Themen selten wirklich neutral vom Lehrpersonal vermittelt wird. Auch unangenehme Abhängigkeiten der Schüler von Lehrern sind kein unbekanntes Phänomen, welche gerade in einem obligatorischen Schulsystem ungleich andere Konsequenzen mit sich ziehen, als das mit frei wählbarer Bildung der Fall ist. In der heutigen Form verpasst vielleicht die Gesellschaft rechtzeitig neue, zielführendere Ansätze zu wählen - verursacht hauptsächlich durch ideologische und systemische Hindernisse. Sicher bleibt zu bedenken, dass jegliche grundlegenden Änderungen im Bildungs-Wesen erst in mittelfristiger Zukunft Ihren ganzen Einfluss zu erkennen geben. Es gilt bedacht und behutsam vorzugehen, um von den Folgen nicht überrascht zu werden.

Bildung ohne Staat – Staat ohne Bildung?

Durchaus kann Bildung ohne Staat bestehen, doch fragt man sich umgehend: Können somit legitime Zweifel an der jetzigen Form von Staat mit Bildungsmonopol entstehen? Kann ein Staat ohne den heutigen Einfluss in höheren Bildungsstufen seine Existenzberechtigung in diesem Ausmass fundiert darlegen? Oder sind wir einfach machtlos gegenüber diesem mitunter augenfälligen Fait accompli? Doch wie sollte das überhaupt funktionieren, Bildung losgelöst vom Staat? Welchen Unsinn, welche Unbildung und welche Ungerechtigkeit würde uns geschehen? Wenn Schulen nicht mehr öffentlich bestehen, dann werden doch Kinder armer Eltern benachteiligt sein und faktisch keine Ausbildung erlangen. Oder aber gelangweilte, randalierende Kinder und Jugendliche überall. Verdummung und Niedergang der Gesellschaft. Ungehorsam. Oder einfach keine geregelte Ruhe mehr für geplagte Eltern vor ihren Kindern. Mag sein. Es könnten sich aber sehr wohl auch andere Szenarien entfalten. Ein vielfältiges Angebot zu erschwinglichen Preisen, welches sich um Schüler aller Couleur reisst. Klarere internationale Anerkennung durch global agierende Lehrinstitute. Heftiger Wettbewerb um die effektivsten Lehrmethoden zu etablieren bzw. Lehrmethoden für die unterschiedlichen Lerntypen anzubieten – zum Wohle der Lernenden. Höhere Motivation durch massgeschneiderte Lernmodule. Hohe Flexibilität und Freiheit in der Wahl des Bildungsinstitut oder -form. Kaum Lehrermangel geschweige denn einen Numerus clausus. Alles im Rahmen eines freien Marktes, der Ressourcen unternehmerisch nach Bedürfnissen nachfragt und hergibt.

Der Markt ist auch hier ganz natürlich bestimmend. Werden mehr (oder weniger) Lehrer gebraucht, versucht ein freier Markt diese auch im Rahmen der immer knappen Ressourcen zu allozieren – mit mehr (oder weniger) Gegenleistung. Was die Gesellschaft nachfragt, dort werden Menschen zum Einsatz kommen. Nein, den Markt soll man nicht regulieren oder zwingen wollen, mehr oder weniger dies oder jenes zu tun. Der freie Markt ist in wunderbarer Weise fähig die Gemütslage der Gesellschaft zu ermitteln und entsprechend zu versorgen. Gesellschaften, die sich aber dem Fortschritt aus systemischen (staatlichen) Gründen verschliessen, verlieren vergleichbar an Effizienz und Bedeutung. Die industrielle Revolution kann uns da gute Beispiele liefern.

Bildung ist ein Angebot, welches wie jedes andere Gut erst dann für den Konsumenten besser wird, wenn es Konkurrenz ausgesetzt ist. Dem Staat scheint hier wohl selbst ein wenig Bildung abhanden gekommen zu sein, sonst wüsste er doch, dass natürlich auch ein von der Regierung begründetes Monopol immer gemessen an kartellrechtlichen Kriterien problematisch ist. In der Schweiz ist der Service Public als öffentlicher Auftrag mit der Zielsetzung Landesbürgern gute Qualität zu einem angemessenen Preis anbieten zu können. Wer hat nun also schon Interesse eine hervorragende und preiswerte Leistung zu ersetzen? Doch selbst wenn im Falle der Bildung diese erbracht würde, dann verbleiben Gesetzmässigkeiten, die sich durch besten Willen nicht ausser Kraft setzen lassen. Wie Kinder durch unterschiedliche Schulnoten bzw. -leistungen schon früh über ihre Einzigartigkeit aufgeklärt werden, gibt es auch in der Welt der Bildungsinstitutionen enorme Qualitätsunterschiede. Erst aber durch Vergleiche können vernünftige Einschätzungen gemacht werden und gegebenenfalls angemessen reagiert werden. Also gerade bei der Bildung die Wahlfreiheit einzuschränken, ist äusserst fragwürdig. Oder ist es eher ein "Ja, aber..", das einfach nicht schon in der Grundschule zu greifen hat? Rechnen, Lesen und Schreiben von privaten Institutionen oder in Form eines Online Games unterrichtet? Malen und Musik, durch Private? Ehrlich gesagt: Warum nicht andere Formen der Bildung zulassen? Geschichte, Biologie, Arithmetik, Geographie, Geometrie, Religion, Wirtschaft und weitere sind einfach Lernmodule im Bildungs-Wesen, welche ganz nach Bedarf der verschiedenen Interessengruppen gelehrt werden können. Denn wo "endet" man nach Abschluss der Ausbildungsphase (oder wann immer die nötigen Fähigkeiten erworben sind)? In der Wirtschaft, bei Unternehmen, Universitäten, Schulen, Regierungen, Organisationen, Vereinen, Spitälern oder wo auch immer Ressourcen in einem Unterfangen braucht. Ausbildung liegt immer auch im Interesse dieser "konsumierenden" Seite. Somit ist zwangsläufig auch der jeweilige Abnehmer an der passenden Grundausbildung interessiert und wird entsprechend Einfluss nehmen wollen oder müssen, um gezielt Fähigkeiten lehren zu lassen bzw. die notwendigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen.

Leben ist Lernen ohne Ende

In der Debatte um "richtige" Bildung steht auch die allgemein akzeptierte Erkenntnis über die Notwendigkeit lebenslangen Lernens. So scheint wahre Bildung implizit dem gezielten Aufbau von Neugier und der Freude an neu erlangten, nützlichen Fähigkeiten und selbsterworbenen Wissen verpflichtet – um sodann ein Leben lang gerüstet zu sein dem immerwährenden Fortschreiten folgen zu können. Oder ist Bildung doch etwa nur das Akkumulieren von Information und Wissen aus Büchern, wozu wir prinzipiell nur rein des Lesens kundig sein müssten? Was ist mit gezielter Förderung von unabhängigen, kritischen Denken? Wie erlangen wir "the big picture"? Alphabetisierung alleine genügt dazu nicht.

Sicherlich war ich an einem Punkt befriedigt, als meine errungenen und deshalb wertvollen Diplome ad acta gelegt wurden bzw. in mein Résumé eingebaut waren. Doch einen Palmarès mit Schulen wie Harvard, ETH, MIT, EPFL, INSEAD, LSE und dergleichen schmücken zu können, durch eine erfolgreiche Dissertation Tiefgang zu beweisen, oder weitere Sporen in einer dieser unzähligen Weiterbildungsmöglichkeiten zu verdienen und in Lebensläufe zu streuen, bilden Zeugen einer relativ unbestrittenen Feststellung, dass Bildung mehr als nur eine ärgerliche, kostspielige Notwendigkeit ist, sondern Neugier, Verstehen und Wissensaneignung ein urmenschliches Grundbedürfnis deckt. Zuerst wohl Wissen über uns selbst, dann unser Umfeld, Pflanzen, Tieren, ja der Natur insgesamt, Technik, Menschen, Kulturen, Wirtschaft, Religionen - um zur eigentlichen Bedeutung des Lebens, unseres Lebens, zu kommen. Ohne jemals dafür ein begehrtes Zertifikat zu erhalten.

Woher kommt aber dieser Unmut über das bestehende Bildungs-Wesen, den man unüberhörbar mitkriegt? Führt dieser zurück zum vermittelten Lernstoff an unseren Schulen und Universitäten? Sind Eltern durch ihre Kindern einfach zu emotional involviert und subjektiv? Rührt er von unseren individuellen, eigenen Erfahrungen mit dem Bildungs-Wesen? Ist das System einfach nicht die richtige Lösung? Oder was ist es denn?

Von Bildern und Verzerrungen

Zieht und bildet das heutige System Menschen, um letztlich die Menschheit voranzubringen? Oder werden wir von einem Wissen indoktriniert, das ohne diese Gehirnwäsche - in frühster Kindheit beginnend - gar nicht mehr überlebensfähig wäre? Ein persönliches Erlebnis hierzu ist die Tatsache nichts von der Persönlichkeit Ludwig von Mises während knapp 20 Lernjahren mitgekriegt zu haben. Ich betrachte dies als fahrlässig. Von mir? Auch, natürlich, aber weitere Nachforschungen deckten eher "systembedingte" Probleme auf. Man könnte somit einfach nur Mitleid haben, nicht aber dann, wenn viele aktuelle Probleme der Wirtschaft auf Missverständnissen beruhen, die mit konkretem Wissen über Mechanismen der Volkswirtschaft - wie sie von Mises anschaulich dargelegt wurden - hätten vermieden werden können. Grosse Worte, ja. Doch was halten denn Sie von einer Gesellschaft, die ernsthaft glaubt, mit der neulich wieder verschriebenen Medizin des Gelddruckens kann wirklich Wohlstand erschafft werden(b)? Da haftet doch etwas Pathetisches an.

Bildung muss bestenfalls den Menschen an seine Berufung heranbringen. Der Einzelunterricht scheint mir dafür hervorragend geeignet - so wie wir ihn in der einen oder anderen Form in den meisten Familien auch sehen. Wie oft machte doch neu Gelerntes erst zu Hause, wo man sich wohl fühlt, bei wiederholten Überlegen oder Nachfragen wirklich Sinn? Zu teuer? Diese Kostenrechnung muss wohl im Gesamtkontext gesehen werden. Weniger kann auch mehr sein. Bildung, wie auch Ausbildung, deuten als Begriffe Aspekte des Aufbaus, Errichten, Erstellen oder Bilden an. Doch welche Vision bildet dazu die Grundlage? Und trägt sie der individuellen Erfüllung des Menschen bei, ohne welche auch die ganze Gesellschaft leiden wird? Dies ist nicht immer klar aus dem Lehrplan ersichtlich - wohl auch nicht für die Eltern. Doch es heisst ja auch, dass Du Dir kein Bildnis machen sollst.

Ich habe Freunde die Arbeiter, Arbeitsfreie, Pensionierte, Ingenieure, Landwirte, Unternehmer, Künstler, Manager, Kinder, Mutter, Vater, Pastoralassistenten und so vieles mehr sind, doch oft fragt man sich, ob ein selbstbewusster und damit auch selbstbestimmter Weg dorthin führte (ok, Kinder mal ausgeschlossen). Wenn man bedenkt, dass man um die 50 Prozent Wachzeit(2) in der ganzen klassischen Ausbildungsphase – die bis zum Abschluss Sekundarstufe reicht – mit Unterricht und Hausaufgaben verbringt, dann will man wirklich, dass dies individuell zielführend investiert ist. Und inwieweit darf hier das Elternpaar mitbestimmen? Die Eltern - wenn man das so versinnbildlichen darf - sind Haupt-Aktionäre oder besser -Stakeholder, und damit nicht nur die grössten Investoren, sondern tragen auch dem Tatbestand Rechnung, dass Kinder bzw. Jugendliche eben erst ab einem gewissen Alter Selbstständigkeit erlangen. Mit (Human-) Kapital kommt eben immer auch Verantwortung. Ohne Zweifel bleibt aber klar, dass es immer, sprich das ganze Leben lang, nur einen wirklichen Chef geben wird. Besondere Bedeutung fällt hier dem individuellen Handeln des Menschen zu, denn nur er kann tun, also ausführen, und trägt somit von Beginn weg die gesamte Verantwortung.

Aber was uns letztlich alle mehr beschäftigen dürfte, ist eher die Frage, ob nicht die Generation, welche bereits komplett im digitalen Zeitalter aufgewachsen ist, nicht schon heute das Recht auf einen anderen Zugang zur Bildung haben sollte und auch benötigt, um sich selbst und damit auch die Gesellschaft verwirklichen zu können.

Auch in einer sich schnell ändernden Welt findet man sich immer wieder von Neuem zurecht, wenn man kurz inne hält, Neuigkeiten verdaut, um sodann diese wieder frisch ins Leben zu integrieren. Vielleicht ist Bildung ein solches Thema.

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

Anregung und Inspiration...

(a)Ludwig von Mises in "Human Action", pp. 873 ff.
The textbooks and the teachers cannot adopt a lofty neutrality with regard to the postulate that the "unfinished revolution" needs to be completed by the communist revolution. Every statement concerning events of the last three hundred years involves a definite judgment on these controversies. One cannot avoid choosing between the philosophy of the Declaration of Independence and the Gettysburg Address and that of the Communist Manifesto. The challenge is there, and it is useless to bury one's head in the sand. On the high school level and even on the college level the handing of historical and economic knowledge is virtually indoctrination. The greater part of the students are certainly not mature enough to form their own opinion on the ground of a critical examination of their teachers' representation of the subject. If public education were more efficient than it really is, the political parties would urgently aim at the domination of the school system in order to determine the mode in which these subjects are to be taught. However, general education plays only a minor role in the formation of the political, social, and economic ideas of the rising generation. The impact of the press, the radio, and environmental conditions is much more powerful than that of teachers and text- books. The propaganda of the churches, the political parties, and the pressure groups outstrips the influence of the schools, whatever they may teach. What is learned in school is often very soon forgotten and cannot carry on against the continuous hammering of the social milieu in which a man moves.
(b)Ludwig von Mises in "Human Action", p. 865

The Place of Economics in Learning - Economics as a Profession

The early economists devoted themselves to the study of the problems of economics. In lecturing and writing books they were eager to communicate to their fellow citizens the results of their thinking. They tried to influence public opinion in order to make sound policies prevail in the conduct of civic affairs. They never conceived of economics as a profession. The development of a profession of economists is an offshoot of interventionism. The professional economist is the specialist who is instrumental in designing various measures of government interference with business. He is an expert in the field of economic legislation, which today invariably aims at hindering the operation of the unhampered market economy.
(c)Murray N. Rothbard in "Education: Free & Compulsory", p. 11
One of the best ways of regarding the problem of compulsory education is to think of the almost exact analogy in the area of that other great educational medium-the newspaper. What would we think of a proposal for the government, Federal or State, to use the taxpayers' money to set up a nationwide chain of public newspapers, and compel all people, or all children, to read them? What would we think furthermore of the government's outlawing all other newspapers, or indeed outlawing all newspapers that do not come up to the "standards" of what a government commission thinks children ought to read? Such a proposal would be generally regarded with horror in America, and yet this is exactly the sort of regime that the government has established in the sphere of scholastic instruction. Compulsory public presses would be considered an invasion of the basic freedom of the press; yet is not scholastic freedom at least as important as press freedom? Aren't both vital media for public information and education, for free inquiry and the search for truth? It is clear that the suppression of free instruction should be regarded with even greater horror than suppression of free press, since here the unformed minds of children are involved.

Quellen:

Folgende Bücher können Sie in unserem Thek einsehen:
- Mises, "Human Action", 1949
- Mises, "Nationalökonomie", 1940
- Rothbard, "Education: Free & Compulsory", 1999

(1)Eidgenössische Finanzverwaltung, "Voranschlag 2010" , am 25. Oktober 2010 zugegriffen auf: EFV Voranschlag 2010
(2)Heinrich Böll Stiftung, "LERNKONZEPTE FÜR EINE ZUKUNFTSFÄHIGE SCHULE", am 1. November 2010 zugegriffen auf: Lernkonzepte für eine zukunftsfähige Schule

Statistiken:

- Weltweiter Vergleich Bildungsausgaben in Prozent des BIP (GDP): Top Ten Countries in Education Spending
- Weltweiter Vergleich Bildungsausgaben pro Studenten: Educational Spending of Countries on Level 1, Educational Spending of Countries on Level 2, Educational Spending of Countries on Level 3

 

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