Swiss Mises Institute

Montag, 18. Juni 2012 von Ian Morris zu Bildung

Der Westen regiert nicht mehr lange

Ein Sprint durch 150 000 Jahre Menschheitsgeschichte – und ein Ausblick auf die nächsten 100 Jahre


Um es gleich vorwegzunehmen: der Westen regiert die Welt. Und richtig: China hat die zweitgrösste und Japan die drittgrösste Wirtschaft dieser Welt. Aber Europa und Nordamerika generieren zusammen immer noch zwei Drittel des globalen Wohlstandes, besitzen immer noch zwei Drittel der modernen Waffen und verantworten immer noch zwei Drittel der weltweit ausgegebenen Gelder für Forschung und Entwicklung – und das, obwohl sie weniger als ein Siebtel der Weltbevölkerung stellen.

Aber die Gewichte verlagern sich. Die reiche Welt hat 2008 einen finanziellen Kollaps erlebt und leidet unter einer Schuldenkrise. Schon zuvor haben Experten vorausgesagt, dass Chinas Bruttosozialprodukt und Rüstungsausgaben in den 2020er Jahren jene der USA überholen würden. Künftig werden Chinas wirtschaftliche Vorstellungen im Westpazifik und zwischen Indischem Ozean und Afrika mehr Geltung haben als jene der USA.

Gewiss, irgendwann wird auch Chinas wirtschaftliches Wachstum abflachen. Zur Mitte dieses Jahrhunderts könnten jedoch andere aufwachende Riesen – Indien, Brasilien, Indonesien – bereit sein, dann wiederum Chinas Platz an der Spitze einzunehmen. Wenn diese Prognosen, gestützt auf die Fakten der jüngsten Entwicklungen, zutreffen, werden die USA im Jahr 2050 weniger und Europa viel weniger Einfluss auf das Weltgeschehen ausüben.

Aber werden die jüngsten Entwicklungen anhalten? Das ist die Kernfrage. Um sie zu beantworten, müssen wir wissen, wo diese Entwicklungen ihren Ursprung haben, und um diese Frage zu klären, müssen wir uns eines Blickes in die Geschichte bedienen.


Vor 150 000 Jahren

Einige Historiker denken, dass der Westen in den letzten paar hundert Jahren die Dominanz übernommen habe, weil Euro-päer eine überlegene Kultur, bessere Institutionen oder grössere Leader gehabt hätten als andere Regionen der Welt. Und sie glauben, dass der Westen nun seine Dominanz verliere, weil seine Kultur, seine Institutionen und/oder Leader diesem Anspruch nicht mehr gerecht würden. Diese Argumentation verkennt, was tatsächlich vor sich geht. Die Entwicklung der Geschichte der Menschheit wird nur klar, wenn wir uns von ihren Details lösen und bis zu ihrem Ursprung von vor geschätzten 150 000 Jahren zurückblicken. Dann erst stechen einige einfache, aber wesentliche Punkte ins Auge.

Erstens: während der gesamten Geschichte war es die Geographie, die die Entwicklung angetrieben hat. Der moderne Mensch ist vor schätzungsweise 150 000 Jahren in Afrika erstmals in Erscheinung getreten, weil Afrika der einzige Ort auf dem Planeten war, an dem eine spezifische Geographie die Evolution von Affen erlaubte, aus denen wir uns zu Menschen entwickeln konnten. Menschen begannen vor schätzungsweise 10 000 Jahren mit dem Betreiben von Landwirtschaft in Eurasien, in den geographischen Breiten zwischen etwa 20 und 35 Grad Nord, weil es die dortige Geographie zuliess, wilde Pflanzen und Tiere hervorzubringen, die von uns domestiziert werden konnten.

Das sind naheliegende Beispiele für die Kraft von Geographie. Aber um zu verstehen, wie die Geographie zu westlicher Dominanz führte (und was mit der westlichen Dominanz im 21. Jahrhundert geschehen wird), müssen wir eine zweite Lehre aus der Geschichte ziehen: während Geographie Entwicklung antreibt, bestimmt die Entwicklung, was Geographie überhaupt bedeutet. Kurz: Geschichte besteht aus einer komplizierten, chaotischen gegenseitigen Rückkoppelung zwischen Geographie und Evolution.

Um diese Rückkoppelung erklären zu können, müssen wir sehr weit zurückgreifen: vor etwa 100 000 Jahren hatte Afrika die höchstentwickelten Gesellschaften dieser Erde, weil Afrika der einzige Ort auf Erden war, wo moderne Menschen existierten. Zum Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 15 000 Jahren, gingen die Menschen in die Gebiete zwischen Mittelmeer und China, die wildes Getreide (vor allem Gerste, Weizen und Reis), wilde Schafe, Ziegen, Schweine und Rinder hervorbrachten. Die Menschen domestizierten Fauna und Flora Schritt für Schritt und konnten dadurch erstmals Nahrungsvorräte erwirtschaften, die die Möglichkeiten des subsaharischen Afrikas bei weitem überstiegen und grössere, dichtere Bevölkerungen versorgten.

Die ersten Bauern entwickelten komplexere Organisationen, um diese grösseren Gruppen zu bewirtschaften, und vor etwa 10 000 Jahren sind diese Gesellschaften zwischen Mittelmeer und China bereits viel grösser – und weiterentwickelt – als jene in Subsahara-Afrika.


Eurasische Schnellstrasse

Indem die Agrargesellschaften sich weiterentwickelten und wuchsen, veränderten sie zeitgleich die Bedeutung der vorgefundenen Geographie. Vor etwa 6000 Jahren kamen Bauern zum Schluss, dass es ihnen weniger bedeutet, dort zu leben, wo domestizierbare Pflanzen und Tiere ursprünglich entstanden, als vielmehr in Regionen wie Mesopotamien vorzudringen, wo sie einfachen Zugang zu Flüssen hatten, die ihnen Bewässerung von Böden und Handel signifikant erleichterten. Innerhalb von nur eintausend Jahren entstanden entlang solchen Flüssen ursprüngliche Städte und zentralisierte Regierungen.

Vor etwa 3000 Jahren waren die ersten Staaten dieser Welt so gross und komplex, dass es von Bedeutung wurde, nicht mehr nur Zugang zu einem Fluss zu haben, sondern zu einem ganzen Meer. Im westlichen Eurasien verschob sich das Zentrum der Entwicklung von den Tälern des Euphrats und des Nils zum Mittelmeer, wo griechische und römische Zivilisationen florierten.

Geographie trieb die Entwicklung weiter an, und indem sie dies tat, veränderte die zunehmende Entwicklung die Bedeutung von Geographie. Vor etwa 2000 Jahren waren die grossen Imperien von Rom und der Han-Dynastie in China so gross geworden, dass sie bereits in die Bereiche der Steppen zwischen der Mandschurei und Ungarn vordrangen. Während Jahrtausenden waren diese Steppen eine zurückgebliebene Peripherie, nun wurden sie zu einer Art Schnellstrasse, auf der Nomaden zu Pferd Ideen, Güter, Menschen und Krankheitserreger transportierten. Vor allem die beiden letzteren hatten massiven Einfluss auf die weitere Entwicklung. Beginnend im zweiten Jahrhundert nach unserer Zeitrechnung lösten grosse Migrationswellen Plagen und Invasionen aus, die die antiken Imperien zum Kollabieren brachten.

Im 6. Jahrhundert stiegen neue Imperien in Ostasien empor, das nun zum am weitesten entwickelten Teil der Erde wurde. Die Tang- und die Song-Dynastien trieben Wissenschaft und Technologie so weit voran, wie es keine Zivilisation zuvor getan hatte. Sie leisteten Pionierarbeit in Form neuer Schiffe, die zuverlässig Ozeane überqueren konnten, sie erfanden neue Waffen – Feuerwaffen –, die Menschen auf der anderen Seite dieser Ozeane erschiessen konnten. Diese Menschen verbreiteten sich im 14. Jahrhundert wie ein Lauffeuer über ganz Eurasien – und sie veränderten die Bedeutung von Geographie in völlig unerwarteter Art und Weise.

Vergegenwärtigen wir uns: während Tausenden von Jahren war Westeuropa ein ziemlich unwichtiger Ort, ausgestossen in den Atlantischen Ozean und weit weg von den echten Zentren von Macht und Wohlstand. Es dauerte, bis sich die Landwirtschaft von ihrer ursprünglichen Heimat nach Westeuropa ausbreitete. Und es dauerte noch einmal Tausende von Jahren, bis Städte und Staaten nachzogen.

Als dann im 14. Jahrhundert Schiffe und Waffen in Europa ankamen, veränderten sie die Bedeutung des Atlantiks jedoch umso schneller und nachhaltiger. Wie ein Jahrtausend zuvor die Steppen, hat sich der Atlantik von einer Schranke in eine Schnellstrasse verwandelt. Von China an die Westküste Amerikas zu segeln, bedeutete, 10 000 Kilometer Ozean zu überqueren; von Europa an die Ostküste Amerikas zu segeln, bedeutete lediglich, 5000 Kilometer zu überqueren. Der Pazifik blieb im 15. und 16. Jahrhundert eine Schranke, aber der Atlantik war klein genug, um Europas Einfallstor zur weiten Welt zu werden. Und die Geographie veränderte ihre Bedeutung einmal mehr.

Im 17. und 18. Jahrhundert schufen die Europäer eine neue Art von Wirtschaft. Das enorme Ausmass von Wohlstand, den der Handel mit Gütern und Menschen (gewiss, inklusive afrikanischer Sklaven) entlang den Atlantikküsten ermöglicht hatte, brachte mehr und mehr Europäer dazu, ihre Arbeitskraft auf dem Markt zu verkaufen und dadurch Profite und Löhne in die Höhe zu treiben.

Die neue Wirtschaft brachte mehr und mehr Intellektuelle dazu, die Welt der Natur zu überdenken. Sie dachten: wenn wir verstehen, wie die Sterne, Winde und Gezeiten funktionieren, können wir dieses abstrakte Wissen in einen praktischen Wert umwandeln. Dafür benötigten sie neue Arten von Mathematik, neue experimentelle Methoden. Die Europäer erfanden beides. Was folgte, war nichts Geringeres als eine Kaskade von Durchbrüchen in der Physik, Chemie und Biologie.


Schuldenkrise wirkt beschleunigend

Europa erfuhr die wissenschaftliche Revolution im 17. Jahrhundert nicht, weil Europäer klüger sind als Chinesen, Inder, Perser oder Araber, sondern weil sie neue Fragen stellten, die ihnen durch die neue Bedeutung der Geographie aufgedrängt wurden. Und indem im 18. Jahrhundert die atlantische Wirtschaft die Löhne hinauftrieb, beantworteten die Europäer auch eine weitere brennende Frage: wie können fossile Brennstoffe Muskelkraft ersetzen? Die Folge: ab 1850 dominierte Europa die Welt wie ein Koloss.

Aber die Europäer hatten auch ein Problem: die Geographie hörte um 1850 nicht auf, ihre Bedeutung zu verändern. Indem die Entwicklung im späten 19. Jahrhundert eine nie gekannte Geschwindigkeit annahm, liessen neue Technologien (Dampfschiffe, Eisenbahnen, Telegraphen) und neue Märkte den Atlantik noch weiter schrumpfen. Nordamerika wurde von der Peripherie des europäischen Zentrums selber zu einem Zentrum.

Schon bald darauf, im 20. Jahrhundert, musste sich Nordamerika demselben Problem stellen, das zuvor schon Europas Vormachtstellung untergraben hatte. Geographie hörte um 1950 nicht auf, ihre Bedeutung zu verändern, noch neuere Technologien (Containertransport, Düsenmaschinen, das Internet) und noch neuere Märkte liessen nun den Pazifik schrumpfen. Ostasien war an der Reihe, von der Peripherie des amerikanischen Zentrums selbst zum Zentrum zu werden. Zuerst geschehen in Japan, dann mit dem Aufstieg der asiatischen Tigerstaaten und nun in Form der Volksrepublik China: Asien hat die Hauptrolle des Westens innerhalb nur einer Generation signifikant geschmälert.


Die Welt im Jahr 2111

Aus dieser kleinen Geschichtsstunde über uns selbst können wir nun drei wichtige Folgerungen für das 21. Jahrhundert ziehen.

Erstens: die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von West nach Ost ist unaufhaltsam. Nichts, was Regierungen oder Individuen tun können, wird sie aufhalten – genauso wenig wie es etwas gab, das europäische Regierungen oder Individuen im 19. und 20. Jahrhundert hätten tun können, um den Aufstieg der USA zu stoppen.

Die falsche Handhabung von Europas Schuldenkrise oder Amerikas unterkapitalisierte Anspruchsprogramme, wie die Krankenfürsorge für Arme und Alte, Subventionen für die Landwirtschaft, Renten und Pensionen, werden die Verschiebung von Westen nach Osten im 21. Jahrhundert mit Sicherheit beschleunigen – genauso wie zwei Weltkriege die Verschiebung von Europa nach Amerika im 20. Jahrhundert beschleunigt haben. Aber weder die Finanzkrise noch die Weltkriege haben die Verschiebungen verursacht. Was auch immer Kaiser Wilhelm II. und Adolf Hitler getan hätten: die USA hätten im Jahr 2011 ohnehin die Welt dominiert. Und was auch immer Barack Obama oder Standard & Poor’s nun tun, China wird die Welt im Jahr 2041 ohnehin dominieren.

Diese Fakten anzuerkennen, ist Realismus, nicht Defätismus. Die Herausforderung für den Westen besteht im 21. Jahrhundert darin, die Verschiebung möglichst erfolgreich zu bewältigen. Zu versuchen, Chinas Aufstieg zu blockieren, dürfte sich als katastrophal erweisen, ihn jedoch einfach zu akzeptieren, könnte sich ebenso als katastrophal erweisen. Genauso wie einige europäische Nationen den Aufstieg Amerikas besser bewältigt haben als andere, werden einige Westler Chinas Aufstieg besser bewältigen als andere.

Zweitens: die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von West nach Ost wird letztlich ihren Lauf nehmen, genauso wie die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von Europa nach Amerika ihren Lauf nahm. Ungeachtet dessen, was Chinesen, Japaner oder andere Leader tun, wird sich die Bedeutung der Geographie weiter verändern. Irgendwann in der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts wird eine andere Region geographisch bevorteilt sein als China. Indien macht den Anschein eines offensichtlichen Herausforderers: die Weltozeane schrumpfen weiter, Indiens chaotische Regierungsführung verbessert sich stetig und seine überwältigende Bevölkerung legt an Fähigkeit zu. Schon bald wird es an China liegen, die globale Verschiebung der Macht zu bewältigen.

Die interessanteste Lehre aus der Geschichte ist jedoch die dritte: die soziale Entwicklung hat sich in den letzten beiden Jahrhunderten rasanter denn je beschleunigt. Unser Energieverbrauch, unsere Lebenserwartung, Gesundheit, Kommunikation, wissenschaftliche Erkenntnisse und Militärkraft stellen alles bisher Gekannte in den Schatten. Unsere iPads, Organtransplantate und Viagra würden Menschen aus jeder vorangehenden Epoche magisch erscheinen.

Auch wenn wir die unplausibel konservative Annahme treffen, dass sich soziale Entwicklung im 21. Jahrhundert bloss in gleicher Geschwindigkeit vollzieht wie im 20., übersteigt das Ausmass künftiger Veränderung unser Vorstellungsvermögen. Wir betreten das Territorium von Science Fiction. Es ist jedoch keine Übertreibung, zu sagen, dass die Menschheit in den nächsten 100 Jahren mehr Veränderungen sehen wird als in den vorangehenden 100 000.

Selbstverständlich weiss niemand, wie die Welt 2111 aussehen wird. Aber wir können sehen, wie neue Trends aufkommen. Meine persönliche Vermutung: die wichtigste Entwicklung wird die Auflösung der Grenze zwischen Technologie und Biologie sein. Wir haben sie während Jahrhunderten immer weiter reduziert, angefangen bei Brillengläsern und Holzbeinen über Hörhilfen und Herzschrittmacher bis hin zur Modifikation unserer genetischen Codes. Im Jahr 2001 stellte das Craig-Venter-Labor in Kalifornien künstlich Leben her. Wir sind Götter geworden.


Hybridmenschen

Wenn diese Entwicklungen ihre Fortsetzung finden, könnte das 21. Jahrhundert die Fusion von biologischer, auf Kohlenstoff basierender Intelligenz mit technologischer, auf Silikon basierender Intelligenz erleben. Kulturelle Evolution wird dann den Punkt erreicht haben, an dem sie sich mit biologischer Evolution gegenseitig rückkoppelt. Und wenn es so weit ist, dass sich die guten alten Menschen zu einer neuen Art von Hy-briden entwickeln, dürfte man mit Sicherheit sagen können, dass die Verschiebung des Wohlstands und der Macht von West nach Ost – und mit ihr die Ablösung von Ostasien durch andere, neuere Mächte – unsere kleinste Sorge sein wird. Geographie könnte im 21. Jahrhundert ihre Bedeutung so stark verändern, dass sie gänzlich aufhört, bedeutsam zu sein.

Was aber, wenn diese Trends nicht anhalten? In der Vergangenheit haben Perioden von sich rapide beschleunigender sozialer Entwicklung oft zu grossen Kollapsen geführt, wie im Falle des Niedergangs des Römischen Reiches oder des Han-Imperiums vor beinahe 2000 Jahren. Und bei jedem Kollaps waren dieselben fünf Kräfte im Spiel: Massenmigration, neue epidemische Krankheiten, das Scheitern von Staaten, Nahrungsmittelknappheit und Klimawandel.

Es wird keinem neu erscheinen, dass sich diese fünf Kräfte im 21. Jahrhundert ungleich intensiver auswirken, da der menschengemachte Klimawandel die anderen vier in unvorhersehbarer, aber oft alarmierender Art antreibt. Einerseits könnte sich herausstellen, dass das 21. Jahrhundert einigen vorherigen Jahrhunderten strukturell gleicht, in denen die Entwicklung sich selber unterminierte und kollabierte; andrerseits wird dieses Jahrhundert sich von vorherigen auch klar unterscheiden, denn: bei früheren Kollapsen verfügte noch niemand über Atomwaffen. Wenn wir daran scheitern, die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu bewältigen, könnte der Kollaps vollständig und endgültig sein.

Neue Probleme, alte Institutionen

Wenn ich diese drei Lehren aus der Geschichte zusammenziehe, so scheint mir die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts darin zu bestehen, dass wir neuen Problemen mit globalen Ausmassen noch immer mit alten Institutionen und ihren regionalen Ausmassen begegnen. Nationalstaaten, ein Erbe des 18. und 19. Jahrhunderts, bleiben die mächtigsten Organisationen dieser Erde. Sie waren spektakulär erfolgreich in der Lösung von jenen Problemen, denen sie ursprünglich gegenüberstanden, aber gegenüber CO2-Emissionen, Märkten, die niemals schlafen, und vernetzten Terroristen stellen sie sich als weniger wirksam heraus.

Die erste Hälfte des 21. Jahrhunderts wird die anhaltende Verschiebung des Wohlstandes und der Macht von West nach Ost sehen, und die zweite Hälfte könnte eine weitere Verschiebung von Ostasien nach Südasien sehen. Aber beide Verschiebungen überschatten wird das grosse Wettrennen zwischen einer Transformation der Menschheit, die traditionelle Geopolitik irrelevant macht, und einem massiven, möglicherweise endgültigen Kollaps, der traditionelle Geopolitik ebenfalls irrelevant macht. Die nächsten 50 Jahre werden die wichtigsten in der Geschichte unserer Welt sein.


Aus dem Englischen übersetzt von Florian Rittmeyer.

Dieser Artikel erschien dank der freundlichen Genehmigung von "Schweizer Monat".

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