Swiss Mises Institute

Donnerstag, 29. Dezember 2011 von Zvezdan Sataric zu Geld

Gutes Geld


Gold

Was verleiht einem 100 Franken Geldschein die Kaufkraft, die einem ermöglicht damit 70 Liter Milch zu kaufen? Dies mit einem Stück Papier mit etwas Tinte darauf und mit einem Sachwert von vielleicht 5 Rappen. Woran liegt der Unterschied zu einem Stück Papier, das ich mit Farbstiften verzieren würde und darauf "100 Satarics" schreiben würde? Der Sachwert meines Geldscheins entspricht in etwa demjenigen einer Banknote. Und trotzdem, für 100 Satarics würde mir niemand etwas verkaufen (abgesehen davon, dass der Name Sataric auf eine Gegend in Europa hindeutet, wo alles andere als eine zuverlässige monetäre Politik herrscht).

Um diese Frage zu beantworten, spannen wir einen Bogen zwischen der Prähistorie und einer Zukunftsutopie. Es gibt zwei Gesellschaftsformen, die ohne Geld auskommen: Die Horde und der Kommunismus. Die Gemeinsamkeit der beiden Ordnungen ist, dass sie die Institution des privaten Eigentums nicht kennen. Den Bedarf und die Versorgung regelt der Hordenführer im ersten bzw. die Regierung im zweiten Fall.

Über den Kommunismus wollen wir hier kein Wort mehr verlieren. Wir bleiben bei der Horde. Irgendwie im Verlauf der Evolution wurden jedoch Menschen geboren, die den Drang nach Eigentum aufwiesen. Sie wollten nicht alles mit übrigen Mitgliedern der Horde teilen, seien es Waffen, Werkzeuge oder Kleider. Demzufolge wurden sie von ihrer ursprünglichen Horde ausgestossen, gründeten aber mit anderen Dissidenten neue Horden, in welchen das Privateigentum erlaubt war. Die neuen Eigentümer stellten bald fest, dass der Bedarf nach Waren bzw. deren Wertschätzung von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist. Um unterschiedliche Präferenzen zu befriedigen, bot sich der Tausch an.

Der direkte Tausch ist eine mühsame Angelegenheit. Wenn ich beispielsweise Schnaps produziere und Sie Stühle, dann kommen wir vielleicht einmal ins Geschäft. Beim zweiten Mal, teile ich Ihnen mit, dass ich genug Stühle habe aber neue Schuhe gut gebrauchen könnte. Um zu meinem Schnaps zu kommen, müssen Sie nun jemanden finden der Schuhe produziert und der noch dazu ihre Stühle will. Sie finden einen solchen Schuhproduzenten, tauschen ihre Stühle gegen Schuhe, dann laufen Sie zurück zu mir und tauschen die Schuhe gegen Schnaps. Irgendeinmal haben Sie die Nase voll von diesem Hin-und-Her-Laufen. Sie überlegen, welche Ware die meisten Produzenten im Allgemeinen brauchen. Wenn das die Bohnen sind, dann gehen Sie zuerst zu den Bohnenproduzenten und tauschen möglichst viele Stühle gegen Bohnen um. Einmal im Besitz der Bohnen, sind sie frei. Sie tauschen sie gegen Schnaps und Ihren anderen Lieblingsköstlichkeiten um. Somit haben Sie den indirekten Tausch getätigt. Sie haben ein Tauschmittel entdeckt – die Bohnen!

Im Verlauf der Geschichte sind nebst Bohnen verschiedene andere Waren als Tauschmittel eingesetzt worden: Salz, Eisen, Trockenfleisch, Kupfer, Pelz, Tabak usw. Der Handel fasste immer grössere Gebiete um, bis es einmal technologisch möglich war, ihn weltweit zu betreiben. Die Anforderungen, die ein Tauschmittel erfüllen müsste, wurden herauskristallisiert:

In einer weltweiten Übereinstimmung wurde Gold als geeignetstes Tauschmittel akzeptiert.

Nun kommen wir endlich zur wirtschaftlichen Definitionen des Geldes: Ein allgemein gebräuchliches Tauschmittel (Ludwig von Mises – Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel – 1912). Mises unterscheidet drei Arten von Geld:

1 - Sachgeld
"Wir wollen jenes Geld, das zugleich eine Ware im Sinne der Warenkunde ist, Sachgeld … nennen".

Für uns gilt: Sachgeld = Gold.

2 - Zeichengeld
"… jenes Geld hingegen, das aus juristisch besonders qualifizierten Stücken hergestellt, keine technologischen Besonderheiten aufweist, (wollen wir) Zeichengeld nennen."

Wir machen die Gleichung: Zeichengeld = Papiergeld versehen mit dem Stempel des Staates = "Es werde Geld" = Fiatgeld. Nun ist auch klar, was mir fehlt, um Sie zu zwingen, die Papierscheine namens Satarics als Geld zu akzeptieren: Die Macht.

3 - Kreditgeld
"Als dritte Kategorie wollen wir mit der Benennung Kreditgeld jenes Geld bezeichnen, welches ein Forderungsrecht gegen irgendeine physische oder juristische Person beinhaltet. Diese Forderung darf jedoch nicht jederzeit fällig und sicher sein … Die Fälligkeit der Forderung muss vielmehr zeitlich irgendwie hinausgeschoben sein".

Eine Forderung kann, wenn alles gut läuft, irgendeinmal in Sachgeld realisiert werden.

Wir erkennen nun, dass aus dem Geld als Marktphänomen (Sachgeld) zwei weitere Arten von Geld erfunden wurden, die beide juristische bzw. staatliche Grundlage haben. Beide bieten den Spielraum für Missbrauch: Geld aus dem NICHTS zu schöpfen. Zwei gängigste Instrumente dafür sind:
- Teilreservesystem bei der Kreditvergabe
- Inflation (in der Regel kombiniert mit tiefen Leitzinsen)

Das Teilreservesystem und die Inflation sind die wahren Ursachen der Wirtschaftskrisen (Wirtschaftszyklen).

Die drei Massnahmen:
- Abschaffung der Zentralbanken
- Wiedereinführung des Goldstandards
- Verbot des Teilreservesystems
sollen zu einem dauerhaften Anstieg des Wohlstandes führen (Jesús Huerta de Soto – Money, Bank Credit and Economic Cycles – 2006).

Ist es aber nicht eine Illusion zu glauben, dass mit dem Goldstandard die Gefahr der Inflation gebannt werden kann? Denn niemand kann die Regierung daran hindern, die Regeln zu missachten. Eine mögliche Lösung wäre die Privatisierung des Geldes (Friedrich August von Hayek - Denationalisation of Money - 1976).

 

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