Swiss Mises Institute

Montag, 07. November 2011 von Živko Mišković zu Politik

Eine Lösung für Alle


Ultima Ratio Regum
Aufschrift einer Kanone

Liberalismus ist eine Philosophie. Es ist keine politische Forderung oder ein zu implementierendes Gesellschaftsmodell und schon gar nicht eine Herrschaftsideologie. Es ist verwirrend, dass viele den Liberalismus ihren Mitmenschen auf politischem Weg aufzwingen wollen, um die Gemeinschaft danach zu gestallten. Die Verwirrung kommt daher, dass Liberalismus den Zwang ausschliesst. Sein und Nichtsein von Etwas zur selben Zeit ist ein Widerspruch und existiert so nicht in dieser Welt. Das kann nur als Gedanke eines fehlgeleiteten Verstandes bestand haben.

Liberalismus vermittelt seinem Studenten ein Wissen, mit dem er sich selbst verstehen kann. Und somit auch gleichzeitig alle anderen Menschen. Wie oft sagen wir, wir kennen einen Menschen? Aber meist nur diesen und/oder jenen, aber nicht alle Menschen. Und schon gar nicht die von anderen Kontinenten oder geschweige den anderer Hautfarbe. Der Begriff Mensch bezeichnet ja alle menschlichen Lebewesen dieser Welt. Es genügt einen richtig kennenzulernen, um sie alle zu kennen. Das Wort „Mensch“ bildet eine Klasse, welche sich über gemeinsame Attribute definiert. Diese Attribute sind allen menschlichen Lebewesen eigen und individuell mit verschiedenen Werten belegt. In 7 Milliarden facher Ausführung. Wer könnte für dieses Kennenlernen und Erforschen des Menschen besser geeignet sein als man selbst? Nur manchmal fällt es uns schwer mit uns selbst ehrlich zu sein. Vor dieser Falle sollte man sich in Acht nehmen, um nicht ein verfälschtes Bild zu erhalten. Wenn man dann noch alle verschiedenen Werte als gültig und richtig anerkennt – den mit welcher Begründung will man seine Werte über die Anderen stellen? – ist man bereit für eine neue Zeit. Eine neue Zeit in seinem eigenen Leben und dem Zusammenleben mit Anderen.

Alle Menschen, welche die Gesellschaft nach dem Muster „Eine Lösung für Alle“ gestallten wollen, müssen bereit sein Zwang – also Gewaltanwendung ohne selbst in Bedrohung zu sein – gegen diejenigen Menschen anzuwenden, die anderer Meinung sind und auch danach handeln wollen. Dieses Muster lässt sich auch in der kleinsten sozialen Zelle, der Familie, beobachten. Unabhängig der Begründungen – wie Abhängigkeit, Überlegenheit, Familie, Religion, Sozialismus, Umwelt oder was auch immer man anführt – eint sie dieses eine Merkmal. Hier können unter dem Begriff Kollektivismus alle Rechtfertigungen zur Gewaltanwendung gegen unschuldige Menschen (also ausserhalb von Selbstverteidigung) zusammengefasst werden. Leider fügen nicht wenige Liberale den Liberalismus hinzu. Besonders gerne seine Verfechter erliegen dieser Falle, was sich im Begriff Libertopia widerspiegelt.

Liberalismus unterstützt den Standpunkt, dass die Eine, Einzige Lösung für Alle nur „Eine Lösung für jeden“ sein kann, wenn das Ziel Wohlstand und Gerechtigkeit ist. So ja, alle Formen des Zusammenlebens sind gleichberechtigt und können von jedem frei gewählt werden. Sei dies Sozialismus, Nationalismus, Neoliberalismus, Konservatismus, Diktatur, Demokratie oder sonst irgend etwas klug durchdachtes oder einfach nur willkürlich benanntes. Am Beispiel der in Europa aufgekommenen Piratenparteien ist gut zu erkennen, dass man sich nicht mal die Mühe einer Rechtfertigung machen muss. Reduktion aufs einfachste. Das blosse Wort ist schon eine gültige Rechtfertigung in den Augen des Schlägers. Gelungene Wortadaption von der Schifffahrt in eine politische Ideologie.

Durch das Aufzeigen der Mängel an allen diesen Kollektiven wird aber vom Liberalismus keiner daran gehindert, sich selbst für solch ein Kollektiv zu entscheiden und einzusetzen. Im Gegenteil, die Menschen werden sogar aufgefordert, ihre Ziele zu verfolgen. Was vom Liberalismus aber vehement abgelehnt werden muss, ist der Zwang zur Mitgliedschaft im Kollektiv. Jeder ist frei nach belieben auszutreten, ohne seine Güter oder Lebensweise aufgeben zu müssen. Nur die Machtgierigen, Gewaltbereiten und Rücksichtslosen unter uns Menschen kennen als letztes Argument die Gewalt. Dies führt uns in eine Welt der Zerstörung, wie wir es zur Zeit erleben und zuhauf aus der Geschichte kennen. An diesem Merkmal verraten sie zwangsweise ihren zweifelhaften Charakter. Der Rechtfertigungsversuche dafür sind viele.

Wenn wir als Liberale bereit sind, jedem Menschen dieses Recht der freien Wahl zuzugestehen, wieso verweigern die Vertreter der anderen Ideologien uns dieses Recht? Wollen diejenigen unter uns, welche den Zwang befürworten, uns wirklich die Pistole auf die Brust setzen, nur weil wir anderer Meinung sind und nicht mitmachen wollen?

 

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