Swiss Mises Institute

Donnerstag, 29. September 2011 von Patrik B. Vonlanthen zu Politik

Sozialismus und Kapitalismus – Oder ein dritter Weg?

Es wird zur Zeit viel über das scheinbare Versagen des Kapitalismus geschrieben und dabei sogar munter auf den Gesellschaftstheoretiker Karl Marx und dessen Einsichten verwiesen. Erstaunlich – aber auch bedenklich – sprechen doch die Erfolge der freien Marktwirtschaft wahrlich ganze Bände in eigener Sache. Versteht man unter Kapitalismus die freie, sprich ungehemmte, Marktwirtschaft, so ist gerade heute mehr denn je wieder nötig dieses Experiment zu beleben.

Laissez-faire

Die Zeit des Laissez-faire, die das 18. und 19. Jahrhundert prägte, steht für einen nie gekannten Wohlstandswachstum in der Menschheitsgeschichte. Schattenseiten jener Zeit, welche anfänglich primär den ausgebeuteten Arbeiter dokumentierten, mögen zu einem gewissen Grad zutreffen. Landarbeit ist und war zwar unter anderem auch körperlich harte Arbeit, doch durch den naturverbundenen Charakter gegensätzlich zu Bedingungen, die in damaligen, neuartigen Fabriken und Produktionsprozessen vorgeherrscht haben müssen. Selbst heutzutage, um doch die Perspektive zu wahren, schielt manch Büroangestellter – zumindest an sonnigen, warmen Tagen – neidisch auf Arbeitnehmer, die im Freien arbeiten dürfen. Augenmerk ist auf das enorme Bevölkerungswachstum zu legen, als eindrücklichster Beweis der damaligen, allgemeinen Wohlstandserhöhung. Nie zuvor konnte die Menschheit so viele Menschen überhaupt ernähren, kleiden - und es starben bedeutend weniger Kinder.

Befreiung

Der Weg aus der Knechtschaft war nie mit Rosen bestreut. Aber die Alternative weiterhin Feudalherren zu dienen, die keinerlei Motivation hatten dem gemeinen Volk Aussicht auf eine bessere, von ihnen unabhängige Zukunft einzuräumen, kaum mehr erbauend. Entschuldigt dies nun aber die Unternehmer, welche gemäss Geschichtsschreibung die Arbeiter sodann ausbeuteten und verelenden liessen? Wie war überhaupt die Situation der Menschen bei den Feudalherren? Wollten oder besser konnten diese Leibeigenen einfach so bei Industriellen anheuern? Glaubten sie, trotz widriger Umstände, dort eine bessere Zukunft mittels ihrer neuen Beschäftigung zu erlangen? Sahen sie, dass Produkte dieser Fabriken nicht nur dem Unternehmer, sondern in erster Linie Ihnen selbst zu Gute kommen, so wie beispielsweise durch die entlöhnte Fertigung, die ihnen dann selbst erlaubte erschwingliche Kleider zu erstehen? Könnte die damalige, schlechte „Presse“ zu den Arbeitsbedingungen auch gezielt durch Missgunst der ehemaligen, zuvor unangefochtenen Elite des Feudalismus, geschürt worden sein?

Sozialismus

Sozialismus – ob in reiner oder abgewandelter Form – funktioniert(e) nicht. Er wird es nie tun, da er als geplante Wirtschaft schlichtweg nicht rechnen kann. In einer Gesellschaft, die Preisbildungen nicht frei zulässt, werden Preise festgelegt. Der gesunde, freie Prozess des Anbietens und Nachfragens ist gestört und deshalb sind schmerzliche Fehlallokationen von Ressourcen die Folge. Im Werk „Gemeinwirtschaft“ [1] von Ludwig von Mises sind die konkreten Probleme im Sozialismus breit behandelt worden.

Es verbleiben also einerseits der Versuch einer wirklich freien Marktwirtschaft und andererseits die Betrachtung des wohlbekannten Status Quo – der aktuellen Gesellschaftsform. Davon sieht man auch weltweit unzählige Varianten, aber viele sammeln sich unter dem Begriff der sozialen Marktwirtschaft – dem dritten Weg.

Heute

In der aktuellen Gesellschaftsform sind vor allem die vielen offensichtlichen Partikulärinteressen, die im Umfeld des Parlaments und bei den gewählten Volksvertretern selbst zum Tragen kommen, den Bürgern letztlich ersichtlich und somit Ausdruck der eigenen Machtlosigkeit. Damit reift auch die Einsicht im Wähler nur relativ geringe Einflussnahme auf die Geschicke seines Landes nehmen zu können. Jede Vertretung ist niemals in der Lage allen Mitglieder seiner Gruppe gerecht zu werden. Denn jeder selbst vertritt sich am Besten. Könnte man sagen.

Bevor man nun vorschnell denkt, dass man so ja kaum regieren und Gesetze erlassen könnte, darf nicht vergessen werden, dass gerade dort – unter Berücksichtigung aller Optionen – auch der eigentliche Problemherd ausgemacht werde könnte. Im Wörterbuch wird Regieren denn auch treffend mit Herrschaft ausüben, die Macht haben beschrieben. Dass das Politsystem die eigene Notwendigkeit als unabdingbar für ein ordnungsgemässes Funktionieren der Gesellschaft inszeniert, versteht sich von selbst. Die Monarchie wurde gekippt, doch Machtstrukturen blieben. Gewisse Menschen werden es nie lassen können, anderen ihre ach so einzigartige Weltsicht aufzudrücken.

Freie Marktwirtschaft

In der gänzlich ungehemmten Marktwirtschaft würden dann sogar Bildung, auch Recht und damit die Gewaltausübung, ja womöglich alle Grenzen privatisiert. Müssten sogar, da es nur noch Privateigentum geben würde. Obwohl natürlich in einer freien Gesellschaftsordnung auch allen offen steht, sich einer Kommune anzuschliessen oder eine andere Form des Zusammenlebens zu wählen. Solange Aggressionen gegeneinander inakzeptabel und zwangloser, freier Handel den Individuen als Grundsatz ihres friedlichen Zusammenlebens dienen, werden Gemeinschaften beliebiger Form sich wirklich frei bilden können und prosperieren.

Wenn dann grosse, multi-nationale Unternehmen ganz „ungehemmt“ den freien Weltmarkt beackern, befällt viele ein ungutes Gefühl. Die Macht könnte zu gross sein und es wird befürchtet, dass Menschen wieder unterjocht werden; sofern keine Konkurrenz antritt und das Unternehmen auch der einzige Produzent einer unentbehrlichen Ware ist, sodann würde eine solche Situation wirklich unerträglich sein. Dagegen könnte durchaus ein anderes Szenario für den Konsumenten eintreten, dass wegen dieser weltweiten Geschäftigkeit vielleicht gerade zwei - anstelle nur einem - Fernseher erstanden werden können; grosse Volumina, steuerbefreit und somit ganz günstig im Angebot. Materieller Wohlstand wird durch freies Handeln bestens gefördert. Kein geplantes System organisiert sich derart gut, wie das scheinbar chaotische Zusammengehen, das durch freies Handeln unter Individuen entsteht. Und den Handelnden bleibt ja weiterhin die unbestrittene Nützlichkeit, einen Kaufvertrag mit Rechten und Pflichten abzuschliessen.

Monopole

Oder werden sich nach den staatlichen neu private Monopole etablieren? Prinzipiell allen Monopolstellungen mit Vorbehalten zu begegnen, ist kurzsichtig. Dass aus einem relativ freien Wettbewerb Marktleader mit exzellenten Produkten entstehen können, sehen wir gerade heute am Beispiel der Tablet PCs. Nichts aber ist statisch, vor allem nicht, wenn man den wandelnden Lüsten und Launen der Konsumenten dienen soll. Gefährlich werden diese Positionen aber dann, wenn ein Regel- oder Kontroll-System besteht, das nun – kraft seines Recht- und Gewaltmonopols – diesem Marktleader besondere Unterstützung zuteil kommen lässt. Unter anderem wird dies durch das obsolete Patentwesen, gezielten Wechselkursmanipulationen, einseitigen Import- und Exportregelungen, aber auch mittels politischen Druckmittel wie der Arbeitsplatzerhaltung, erreicht. Ansichtssache der jeweiligen Interessengruppen, die sich eben dementsprechend für das Eine oder Andere lobbyieren - und damit immer spezifische Unternehmen bevor- oder benachteiligen.

Der dritte Weg

Nur, wie also soll dieser dritte Weg aussehen? Gerade die aktuelle Situation horrend verschuldeter Nationalstaaten stellt das gewichtigste Resultat des dritten Weges dar. Tendenziell weist dieses System immer in dieselbe Richtung. Zu mehr Ausgaben. Abstrakt werden da Milliarden politisch gesprochen, wobei der Verwalter Staat sich so zu positionieren versucht, dass seine Existenzberechtigung nicht ernsthaft in Frage gestellt wird.

Nachdem schon die Kirche mit einem langem Kraftakt vom Staat getrennt wurde, bahnt sich eine neue, bahnbrechende Trennung an...Die Emanzipation der Menschen vom Staat.

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

Folgendes Buch können Sie in unserem Thek einsehen:
[1] Mises, L, am 7. September 2011 zugegriffen auf: Gemeinwirtschaft

 

top