Swiss Mises Institute

Montag, 01. August 2011 von Patrik B. Vonlanthen zu Politik

1. August – ewiger Ruf nach Freiheit


Switzerland
Was feiert die Schweiz alljährlich am 1. August? Offiziell: Die Eidgenossenschaft - vor 720 Jahren begründet. Inoffiziell: Ein Freitag – auf 1994 hin vom Volk zum nationalen, arbeitsfreien Freitag erklärt. Die inoffizielle Variante bedarf keiner weiterer Erklärungen für den begünstigten Angestellten; doch wie steht der gläubige Patriot zur Gründungsurkunde der Eidgenossenschaft?

Fernab eines Erklärungsversuchs aus der Warte eines Feiernden wird die Frage in den Raum geworfen, welchen Eid denn 1291 für den Bund geleistet wurde? Was verbindlich festgehalten? In der Schule lernt man zu Motiven und Entwicklung des Bündnisses etwa... Beginn der Eidgenossenschaft durch Bund dreier benachbarter Gebiete, mehr Selbstbestimmung, Befreiung vom fremdem Joch, gemeinsame Stärke, Wehrhaftigkeit, föderalistische direkt-demokratische Strukturen, Anschluss weiterer, benachbarter „Regionen“, skrupellose Söldner, zahlreiche Schlachten, durch Napoleon überrannt, 1848 moderne Verfassung nach dem Sonderbundskrieg (Bürgerkrieg) im Jahre 1847 – von da an kriegsunversehrt, Sitz internationaler Organisationen, neutral, etc.

Ins Deutsche übersetzt lautet der Text des Bundesbriefes, welcher den Eid widerspiegeln soll::
„In Gottes Namen. Amen. Das öffentliche Ansehen und Wohl erfordert, dass Friedensordnungen dauernde Geltung gegeben werde.— Darum haben alle Leute der Talschaft Uri, die Gesamtheit des Tales Schwyz und die Gemeinde der Leute der unteren Talschaft von Unterwalden im Hinblick auf die Arglist der Zeit zu ihrem besseren Schutz und zu ihrer Erhaltung einander Beistand, Rat und Förderung mit Leib und Gut innerhalb ihrer Täler und ausserhalb nach ihrem ganzen Vermögen zugesagt gegen alle und jeden, die ihnen oder jemand aus ihnen Gewalt oder Unrecht an Leib oder Gut antun.— Und auf jeden Fall hat jede Gemeinde der andern Beistand auf eigene Kosten zur Abwehr und Vergeltung von böswilligem Angriff und Unrecht eidlich gelobt in Erneuerung des alten, eidlich bekräftigten Bundes, — jedoch in der Weise, dass jeder nach seinem Stand seinem Herren geziemend dienen soll. — Wir haben auch einhellig gelobt und festgesetzt, dass wir in den Tälern durchaus keinen Richter, der das Amt irgendwie um Geld oder Geldeswert erworben hat oder nicht unser Einwohner oder Landmann ist, annehmen sollen. — Entsteht Streit unter Eidgenossen, so sollen die Einsichtigsten unter ihnen vermitteln und dem Teil, der den Spruch zurückweist, die anderen entgegentreten. — Vor allem ist bestimmt, dass, wer einen andern böswillig, ohne Schuld, tötet, wenn er nicht seine Unschuld erweisen kann, darum sein Leben verlieren soll und, falls er entwichen ist, niemals zurückkehren darf. Wer ihn aufnimmt und schützt, ist aus dem Land zu verweisen, bis ihn die Eidgenossen zurückrufen. — Schädigt einer einen Eidgenossen durch Brand, so darf er nimmermehr als Landmann geachtet werden, und wer ihn in den Tälern hegt und schützt, ist dem Geschädigten ersatzpflichtig. — Wer einen der Eidgenossen beraubt oder irgendwie schädigt, dessen Gut in den Tälern soll für den Schadenersatz haften. — Niemand soll einen andern, ausser einen anerkannten Schuldner oder Bürgen, pfänden und auch dann nur mit Erlaubnis seines Richters. — Im übrigen soll jeder seinem Richter gehorchen und, wo nötig, den Richter im Tal, vor dem er zu antworten hat, bezeichnen. — Gehorcht einer dem Gericht nicht und es kommt ein Eidgenosse dadurch zu Schaden, so haben alle andern jenen zur Genugtuung anzuhalten. — Entsteht Krieg oder Zwietracht zwischen Eidgenossen und will ein Teil sich dem Rechtsspruch oder der Gutmachung entziehen, so sind die Eidgenossen gehalten, den andern zu schützen. — Diese Ordnungen sollen, so Gott will, dauernden Bestand haben. Zu Urkund dessen ist auf Verlangen der Vorgenannten diese Urkunde gefertigt und mit den Siegeln der drei vorgenannten Gemeinden und Täler bekräftigt worden. Geschehen im Jahre des Herrn 1291 zu Anfang des Monats August."

– Quellenwerk zur Entstehung der Schweizerischen Eidgenossenschaft Abt. 1, Urkunden Bd., 1 Aarau 1933

Ein Ruf nach Freiheit mit Berücksichtigung bestehender Verhältnisse, ein neu bekräftigtes Friedensbündnis, Versprechen für Beistand, Selbstbestimmungs- und Eigentumsrecht, gemeinsame Stärke und lokales Rechtsverständnis. Und zuvor? Als im Juli 1291 König Rudolf I. starb, drängte sich das Bedürfnis auf die Lage der Rechtssicherheit für Leib und Land klarzustellen. Zentral waren also die neuerliche Schaffung klarer Verhältnisse für Frieden und Rechtssicherheit in der damals durch die Feudalordnung stark geprägten Gesellschaft im heiligen römischen Reich – in welchem auch den stetig ändernden Machtansprüche von Adelsgeschlechtern und kirchlichen Institutionen entsprechend Tribut zu zollen war. Mit der Zeit expandierte dieses Bündnis weiter und gewann neue, vormalige „Reichsstädte“ und zugewandte Orte im Alpenraum für ihren losen Bund. Ein Zweckbündnis zur Loslösung von einem zentralistischen Reich, das letztlich rein Unterordnung forderte. Die eigentliche Erlangung der Souveränität der eidgenössischen Orte gelang aber erst um 1648.

In jenem Bund wird das Streben nach Sicherheit, klarer, gerechter Gesetzgebung und Gemeinschaft festgehalten. Zeitlos. Jedem mehr Sicherheit, mehr Wohlstand zu wünschen, sind, waren und bleiben zentrale Motive für den Zusammenschluss von Gemeinschaften und Gebieten. Auf Kosten gewisser Freiheiten, die wohl gerne für die neu erlangten Vorteile hingenommen werden.

Die Geschichte legt dar, dass aber Fremdbestimmung immer wieder versucht überhand zu nehmen, sei dies aufgrund eines Anspruchs auf effizientere oder einfachere Verhältnisse, von Grössenwahn Einzelner, mangelnder Qualifikation, verschiedener Weltsicht, Machtansprüche, Minderwertigkeitsgefühlen, Besserwisserei, mütterlicher oder väterlicher Instinkte – die Ursachen sind vielfältig, doch immer will das Gute Motiv dafür sein, koste es was es wolle. Was die Gründe auch immer sein mögen, auf der Strecke bleibt oft, so schwer es manchen auch fallen mag, jeden unserer Mitmenschen als mündig zu akzeptieren mit Recht (und einhergehenden Pflichten) auf Freiheit und Selbstbestimmung in klar geregelten Rechtsverhältnissen: sei es in seinem Ausdruck, über seinen Körper oder dem erworbenen Eigentum.

Viele Ideen und Institutionen waren ursprünglich hehrer Absicht: Frieden, Freiheit, Gleichheit, Christentum, Islam, Monarchie, Demokratie, UNO, EU, IWF, Zentralbank, und viele mehr. Dies darf aber nicht den Blickwinkel auf jene ursprünglichen Werte verdecken, welche zuallererst den ungezwungenen, freien Menschen und sein Anspruch auf Eigentum als Fundament für eine funktionierende Gesellschaft sehen. Diese Bausteine findet man auch im Bundesbrief.

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

Quelle:

Auf Wikipedia kann der Bundesbrief eingesehen werden Bundesbrief

 

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