Swiss Mises Institute

Montag, 30. Mai 2011 von Patrik B. Vonlanthen zu Politik

Erwacht Afrika?


A remarkable Person
Hilft dazu das politische Beben im arabischen Teil Afrikas und Nahost? Zu was genau soll überhaupt erwacht werden und man ist geneigt zu fragen: „Ist dieser Planet überhaupt wach?“. Worte sind erklärungsbedürftig. Denn wie bei so vielen Metaphern kommt es auf die Perspektive an, denn wer schlafen möchte, hält dem Wachsein keine Dankbarkeit entgegen. Änderungen an einer bestehenden Gesellschaftsverfassung gelingen jedoch nicht im Schlafe, denn Mensch ist nur wach befähigt bewusst zu handeln. Das bleibt entscheidend, um auch Einfluss am Lauf der Dinge im Leben zu nehmen. Interessierte am menschlichen Handeln und den resultierenden Folgen im Rahmen der herrschenden Gesetze gesellschaftlicher Kooperation gab und geben die Geschehnisse in Afrika gutes Anschauungsmaterial. Afrika, das immer noch mehr durch Militarismus, Diktaturen, Kriege und Armut wahrgenommen wird, denn durch Menschen, Tiere, Natur, Produkten, Tourismus, ist Triebfeder für diesen Artikel zu Gesellschaftsverfassungen oder wohl eher eine kleine Bestandsaufnahme nach Eindrücken einer Afrikareise. Eigentlich schade, dass Afrika derart gehemmt ist, denn es ist ein äusserst „reicher“ Kontinent mit wunderbaren Menschen, wie mit einer Reise quer durch Afrika immer wieder bestätigt wird.

Ludwig von Mises erkannte und beschrieb in seinem Meisterwerk „Nationalökonomie“ vom Jahre 1940, welches in diesem Artikel noch einige Male als Referenz dienen wird, das materielle Zurückbleiben gewisser Völker – wie dies auch auf Afrika zutrifft – in nachfolgender Passage:
Die geistigen Führer der Völker des Ostens wollen ihren Volksgenossen den Wohlstand schaffen, den sie in Westeuropa und in Nordamerika sehen. Irregeführt durch die marxistischen und militaristischen Gedankengänge, glauben sie, dass das, worauf es ankommt, die Übernahme der europäisch-amerikanischen Technologie sei. Die Bolschewiken und die Nationalisten Japans, Chinas und Indiens sehen nicht, dass ihnen nicht nur die Produktionstechnik Europas fehlt, sondern jene Gesellschaftsverfassung, aus der neben anderen Kulturerscheinungen auch diese Technik hervorgegangen ist. Nicht Traktoren und Dynamos braucht Russland am dringendsten, sondern das Privateigentum an den Produktionsmitteln; nicht «Spezialisten», sondern Unternehmer fehlen ihm. Was Ost und West scheidet, ist die Sozialverfassung, der Geist, der sie geschaffen hat, und der Geist, den sie schafft.

Wenn viele Menschen eine herrschende Ordnung nicht mehr akzeptieren und dies friedlich auf Strassen kund tun, kommt mit dem wirtschaftlichem Stillstand auch Bewegung in einen unbefriedigenden Zustand. Es schrie von den Strassen: „Mehr Demokratie, mehr Mitbestimmungsrecht für alle!“. Das sind erste Schritte, worin die entscheidende Einforderung von mehr Freiheit für den Einzelnen steckt. Denn es sollte nicht vergessen werden, dass Mitbestimmung bekannterweise auch immer zu Fremdbestimmung führen kann. In Tunesien wird, wenn man fragt wie es denn nun weiter geht, auch durchaus salopp entgegnet, dass man jetzt erst einmal schätzt sich in allen Angelegenheiten überhaupt frei äussern zu können. Als Aussenstehender sieht man in dieser Ausgangslage vor allem die Gelegenheit ungehemmte Marktwirtschaft umzusetzen, um Aufschwung für alle, also nicht nur Sondergruppen, zu bewirken. Nicht der Staat bringt materiellen Wohlstand, sondern viele, produzierende und konkurrierende Unternehmer. Was nachgefragt wird, steht zum Angebot, von Menschen für Menschen – auch unter schwierigsten Bedingungen, sei dies durch Krieg, Krise oder Prohibition. Alles, sei dies fettreiches Essen, süsse Getränke, grosse & schnelle Autos, Alkohol, Drogen, Körper...was Mensch will, wird fast immer auch von Mensch angeboten. Niemandem steht es dabei an über Wertmassstäbe anderer Menschen zu richten, solange der Tausch in freiwilligem Einvernehmen geschieht – so verfänglich Freiwilligkeit auch sein mag.

In Afrika wird viel versucht diese Tauschmaschinerie besser in Schwung zu bringen. „Hilfe zur Selbsthilfe“, heisst es vielerorts und Hilfsorganisationen und deren Fahrzeuge (grosse, weisse Jeeps) sind oft zu sehen. Beständig wird man als Weisser auch gefragt, für wen, was und wo man denn arbeitet. Sicherlich wird viel Gutes geleistet. Ist man aber „nur“ Reisender, da kann es durchaus passieren, dass Gesichtsausdrücke ändern, und nicht selten beginnen sie sich aufzuhellen. Auch wenn man darob zuerst ein wenig erstaunt ist, wird einem spätestens nach dem zehnten, weissen Jeep wieder einmal klar, dass man auch selbst lieber hilft, als dass einem geholfen würde. Und so geht dies trotz allem Leid auch manchem Afrikaner. Über Resultate der Hilfeleistungen soll nicht geurteilt werden, doch ein gewichtiger Teil der Lösung kommt oben im Zitat zum Ausdruck. Denn wenn die Gesellschaftsverfassung nicht auf Privateigentum der Produktionsmittel ausgerichtet ist, dann ist die effizienteste und effektivste Kooperationsform der Gesellschaft nicht gegeben. Aber brauchen wir diese denn überhaupt? Sind die günstigsten und vielfältigsten Produktangebote wirklich wünschenswert? Manche in Europa haben vielleicht andere Prioritäten, Afrikaner hatten aber meist eine Antwort übrig: „Will mich jetzt jemand verarschen?!“.

Zentral bei Diskussionen mit Afrikanern waren auch die Hindernisse, welche afrikanischen Staaten beim Export von Agrarprodukten auferlegt werden – wie beispielsweise durch die in Europa gängigen Subventionen. Es gibt immer Gründe, die Unterstützung vom Standpunkt einer Interessengruppe her rechtfertigen lässt. Letztlich bezahlt aber der Konsument, wie durch höhere Lebensmittelpreise und zusätzlichen Steuerabgaben für diese gezielte Förderung. Gewisse Zeitgenossen werden mit niedrigerer Produktqualität argumentieren wollen, andere mit Arbeitslosigkeit in jener Branche, wieder andere mit den hohen Aufwendungen in der Entwicklungshilfe. Es bleibt zu konstatieren, dass weniger disponibles Einkommen übrig bleibt. Anstelle des Konsumenten entscheidet nun eine andere (um nicht zu sagen höhere) „Gewalt“ über den Einsatz von gewichtigen Mitteln. Damit wird „Stimmrecht“ dem mündigem Individuum oder auch potentielles Einkommen einem anderem Unternehmen vorenthalten.

Preisbildung ist "Magie" der Märkte. Ludwig von Mises hält auch fest, dass "In welcher Höhe es [Austauschverhältnis] sich innerhalb eines Spielraums bildet, hängt von besonderen Umständen ab, über die die Katallaktik, die Lehre von den Austauschverhältnissen und Preisen, nichts Näheres zu sagen hat. Alles, was wir von diesen Fällen wissen können, ist, dass der Tausch nur dann zustande kommen kann, wenn jeder der beiden Partner das, was er hingibt, weniger hoch schätzt als das, was er empfängt.". Steuern, Zölle, Lizenzen und dergleichen verzerren für Marktteilnehmer diese genauen Signale über Überschuss und Mangel im Angebot. Ludwig von Mises erläutert dies weiter:
Für das Gesamtsystem der Marktwirtschaft ist die Wirtschaftsrechnung das Mittel zur Ausrichtung der Produktion nach den Bedürfnissen aller Genossen der arbeitteilenden Gesellschaft. Die Wirtschaftsrechnung erst macht den Markt zu einem einheitlichen Zusammenhang aller Glieder der Gesellschaft. Dass eine Veränderung von Nachfrage oder Angebot, die sich auf einem weit entfernten Teilmarkte abspielt, überall auf dem Markte spürbar und damit wirksam wird, ist ihr Werk. Die Wirtschaftsrechnung ist auf den Geldpreisen, die auf dem Markte für Güter aller Art und aller Güterordnungen gebildet werden, aufgebaut. Nur weil es Geldpreise gibt und soweit es sie gibt, kann im Handeln beim Vergleich von Aufwand und Erfolg gerechnet werden.

Doch wenn Afrika nun quasi neu beginnen kann, langsam erwacht, warum nicht jedem Menschen einen „gerechten, ja rechtmässigen“ Teil dieser Erde in einer „Landreform“ zugestehen? „Warum nicht? Wäre wohl fair, oder nicht?“, denkt sich nun vielleicht die Eine oder der Andere und sieht darin eine Lösung um empfundene Ungerechtigkeit in unserer Welt zu lindern. Aber nicht nur, dass dies praktisch undurchführbar ist, sondern es würde eine gehörige Portion Wohlstand, den die neuen Landbesitzer nicht hinnehmen wollten oder könnten, kosten. Lieber mit einem Traktor als 50 Hacken Land beackern. Will man dagegen als Ausländer in Afrika Land kaufen, dann ermöglichen die meisten Länder nur einen vieljährigen Lease (99 Jahre oder so) oder aber ein Staatsangehöriger als Vertragspartner ist zwingend. Eigentum wird nicht zugelassen. Ob brachliegendes Land erschlossen und grundsätzlich geschäftiges Treiben gefördert oder eben verhindert wird, ist in weniger entwickelten Ländern kaum eine Variante von Umweltschutz, sondern einer bestimmten Gesellschaftsverfassung. Zwar ist nicht jeder Mensch unternehmerisch veranlagt oder will Unternehmer sein, doch jede Gesellschaft hat sie in der einen oder anderen Ausprägung. Vorerst geht es in Afrika aber schlichtweg um mehr Freiheit zur Selbstbestimmung, wie Rede- oder Versammlungsfreiheit. Könige, ob gewählt oder selbsternannt, müssen gestürzt werden, um wieder der Kreativität und Produktivität der Individuen freien Lauf zur optimalen Entfaltung zu lassen.

Was spricht aber im Menschen gegen die erklärtermassen effizienteste Kooperationsform einer (Welt-) Gesellschaft: geistige, physische und global friedfertige Arbeitsteilung, in welcher jede und jeder seine Dienste und Produkte freiwillig zum Tausch anbietet? Unwissen? Ängste, in Konkurrenz nicht zu bestehen? Bauchgefühle, dass Sozialismus (d.i. Planwirtschaft), die ultimative sozioökonomische Evolution darstellen sollte: alle gleich, frei und solidarisch, teilend, so wie dies Marx und Nachfolgende nur erträumen konnten, weil eben Sozialismus schlichtweg nicht realisierbar ist? Weil ungehemmte Marktwirtschaft jedem schonungslos vor Augen führt, was Menschen – Du und ich – am meisten schätzen und was sie wirklich wollen? Weil das, was man unter Kapitalismus (besser: ungehemmte Marktwirtschaft) versteht, ungerecht gar grausam anmutet, wenn das wahre Gesicht der Gesellschaft - in der man lebt und sie eben auch ist - hervortritt? Weil Banker nie und nimmer das Hundertfache des gemeinen Arbeiters „verdienen“ sollten? Weil finanziell erfolgreiche Einzelpersonen irgendwie unsympathisch sind (nicht aber bei Sportlern, wo gerne Bewunderung ausgesprochen wird)? Oder ist es doch einfach nur simples Missverstehen, die der Gesellschaft widerfahren ist? Manipulationen und Konditionierungen verfallen? Oder wollen einfach Werte durchgesetzt werden, ja "gesunde" Moral exklusiv beansprucht werden mit der notwendigen Bestätigung? Wenn nötig mit Gewalt eingefordert?

War zuerst Eigennutz im Vordergrund um zu Überleben, oder konnte bereits da das Gewissen „Gemeinnutz“ als Lebensmaxime einflüstern? Es nützt nichts zu empfehlen, nicht so billig als möglich zu kaufen und nicht so teuer als möglich zu verkaufen. Der Unternehmer wird ja beinahe als hart und selbstsüchtig angesehen, wenn er billiger verkauft als der Konkurrent und diesen aus dem Markt drängt. Doch gäbe es diesen „altruistischen“ Unternehmer lange? Sollte er überhaupt billiger verkaufen als einer der Konkurrenten? Und wenn mal eine Marktlage ausgenützt wird und nicht so billig verkauft werden will, dass auch Arme die Ware erstehen können: Was dann? Oder soll die Ware verschenkt werden? Und wenn nur ein geringer Preis verlangt wird, wird es doch immer eine Nachfrage geben, die nicht zum Zuge kommt. Welche Kauflustigen darf der Unternehmer durch die gesetzte Höhe seiner Preisforderung vom Erwerb der Ware ausschliessen? Soll wirklich ein anderer Mechanismus besser fähig sein, Preise gerecht für alle Marktteilnehmer festlegen zu können, als eben das, was wir Markt nennen. Dort wo die Gesamtheit der Austauschbeziehungen einer Gesellschaft vonstatten geht - und rein geführt durch das Profitmotiv Überlebensfähigkeit bewiesen wird? Aber wie sonst?

Welche guten Gründe gibt es diese Marktwirtschaft zu hemmen und verzerren, und tendiert ein Mittelweg von Kapitalismus und Sozialismus nicht beständig Richtung mehr und mehr Regulierungen? Zu diesem dritten Weg erörtert Ludwig von Mises folgendermassen:
Sondereigentum an den Produktionsmitteln und Gemeineigentum an den Produktionsmitteln (Marktwirtschaft und Planwirtschaft, Kapitalismus und Sozialismus) sind gedanklich leicht und scharf auseinanderzuhalten....Staatsbetriebe im Rahmen einer Marktwirtschaft und sozialistische Staaten, die mit nichtsozialistischen Staaten im Tauschverkehr stehen, sind in das Gefüge der Marktwirtschaft eingebaut und können daher wie alle Teilnehmer der Marktwirtschaft auf Geld aufgebaute Wirtschaftsrechnung führen. Wenn man den Gedanken erwägt, neben oder zwischen diese beiden Systeme arbeitsteiligen menschlichen Zusammenwirkens ein drittes zu stellen, kann man immer nur vom Sondereigentum und von der Marktwirtschaft ausgehen, nicht auch vom Gemeineigentum und vom Sozialismus. Das sozialistische System kann in seinem auf einen Willen und das Handeln eines Leiters abgestellten Monismus und Zentralismus kein Entgegenkommen an andere Systeme vertragen. Man muss schon auf den ersten Blick erkennen, dass an diesem Gedankenbild keinerlei Korrekturen angebracht werden können. Mit der Marktwirtschaft steht es da anders. Hier ladet der Dualismus von Markt und Obrigkeit zu verschiedenartigen Erwägungen ein. Muss denn, fragt man, die Obrigkeit ganz außerhalb des Marktverkehrs bleiben? Kann sie nicht in den Markt eingreifen und damit die Ergebnisse des Marktverkehrs korrigieren? Muss man sich mit der Alternative Marktverkehr oder Gemeinwirtschaft zufrieden geben? Kann es nicht noch andere Systeme der Ordnung gesellschaftlicher Kooperation geben, Systeme, die weder Gemeinwirtschaft noch (ungehemmte oder reine) Marktwirtschaft sind?
Sollte nun etwa in Afrika ein Mittelweg einen prosperierenden Neuanfang versprechen? Oder das bekannte Erfolgsrezept ungehemmter Marktwirtschaft gewählt werden? Oder gewinnt weiterhin das geplante Chaos in Form korrupter Regime, die sich mit grausamer Gewalt an der Macht halten – dabei das Land auszubeuten und Leute ihrer Freiheit zu berauben? Über das unerhörte Ausmass dieser staatlichen Machtapparate in afrikanischen Ländern wird man aufgrund des Fokus auf das unmittelbare Leid und den Hilfeleistungen von aussen kaum gewahr. Erst eine Reise durch Afrika rückt diese Strukturen ins rechte Licht; und erschrickt den unbedarften Beobachter. Und nur mit Unterstützung (sprich: Legitimierung) von Regierungen anderer Länder bleiben diese auch erhalten – von Ost nach West – die sich halt mehr um einen Ansprechpartner für den Zugriff auf Ressourcen sorgen, als dass etwa eine prosperierende Nation erwünscht würde. Goldminen werden durch Statthalter zu lächerlichen Preisen verscherbelt, nur um gewissen Beamten während „ihrer“ Zeit maximalen Profit zu bescheren. Wie das eben meistens geschieht, wenn man nur Verwalter und nicht Besitzer von Eigentum ist. Nicht viel anders verhält sich das auch mit erhobenen Steuern, also enteignetem Privateigentum, denn für Ludwig von Mises ist: „...im Getriebe der Marktwirtschaft einer kapitalistischen Gesellschaftsordnung für Einkommen, die nicht durch Dienst am Verbraucher täglich neu verdient werden müssen, kein Raum vorhanden.“.

In Hinblick auf das Erwachen von Afrika ist wichtig zu erkennen, dass die Marktwirtschaft auch einen immer oder gerade deswegen noch schweren Stand hat, weil ein spezifisches, scheinbar zweckmässigeres Staatssystem den vielfach noch stammesorientierten Menschen aufgezwungen wurde, das aber dann beispielsweise in schreckliche und blutige Machtkonflikte wie der Tutsi und Hutu in Ruanda endete. Problematisch, denn obwohl ein Staat als Partner berechenbarer, als das natürliche, aber ungehemmte und komplexere Marktgebahren ist, birgt dieser Ansatz auch weiterhin grosses Spannungspotential in sich. Denn als Resultat des gewünschten Marktgetriebes steht in erster Linie eben Kooperation. Dort gilt es für alle sein jeweiliges Handeln so gut wie möglich einzugliedern, da jedwede Auflehnung vom Markt entsprechend quittiert wird – Irrtümer und Fehler sind meist unmittelbar mit Konsequenzen verbunden. Daher braucht es auch keine von Obrigkeiten festgelegte Anweisungen, was zu tun oder lassen ist; und auch keinen Zwangsapparat, der über die Einhaltung dieser Vorschriften wacht. Es gibt jedoch jene Bereiche wo Eingriff nötig ist. Ludwig von Mises grenzt diese folgendermassen ab:
Jenseits des Bereichs des Sondereigentums und des Marktverkehres liegt der Bereich des verbotenen Handelns; dort stehen die Schranken, die die Gesellschaft zum Schutze des Sondereigentums und des Marktes gegen Gewalt, List und Tücke aufgerichtet hat. Hier ist nicht mehr Freiheit, sondern Zwang. Hier darf man nicht mehr alles, hier wird zwischen Erlaubtem und Unerlaubtem unterschieden, hier gibt es Gesetze über das, was befohlen, was gestattet und was verboten ist. Hier steht ein Zwangsapparat zum Eingreifen bereit. Wäre es anders, dann stünde es im Belieben jedes Einzelnen, die von der Rechtsordnung gezogenen Schranken zu durchbrechen.
Entwickelt sich Afrika gemäss seiner vollen Entfaltungsmöglichkeit? Wie kann das allgemeine Wohlstandsgefälle reduziert werden, aber vor allem der Lebensstandard für alle grundsätzlich angehoben werden? Misswirtschaft ist kaum irgendwo so klar ersichtlich, wie auf dem afrikanischen Kontinenten. Eliten, und die vielen Leidtragende. Afrika braucht in erster Linie nicht Hilfe oder andere Menschen, sondern eine Gesellschaftsverfassung, die ihr erlaubt aufzublühen. Denn die fruchtbarsten Böden ernähren niemanden, wenn man sie nicht mit Nützlichem und effizient zu bepflanzen weiss. Den Gesellschaftsvertrag, den wir hierzu suchen, zielt erstmals auf grösstmögliche Produktion ab und nicht etwa maximaler Beschäftigung. Welches System ist fähig dies zu bewerkstelligen? Das System, das auch für den unglaublichen Aufschwung Europas im 19. Jahrhundert verantwortlich war. Nicht nur Industrialisierung sondern konkreter: die Ausrichtung der Produktion auf die Massen. Wenn Massen für Massen produzieren kann der allgemeine Wohlstand angehoben werden. Und wie wurde jenes System aus der Wiege gehoben? Als ungehemmte Marktwirtschaft; oder wäre trotz vielen Leitplanken das Wirtschaften wachstumsfähig gewesen? Zu welcher Wahrheit wird Afrika wohl erwachen?

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

Quelle:

Folgendes Buch können Sie in unserem Thek einsehen:
- Mises, "Nationalökonomie", EDITIONS UNION GENF 1940 PDF von Gerhard Grasruck für www.mises.de

 

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