Swiss Mises Institute

Dienstag, 26. April 2011 von Patrik B. Vonlanthen zu Politik

Freiheit & Eigentum ... Liberty & Property


Liberty&Property
“Don’t be afraid to speak up. Remember, whatever you say about the subject and however fallacious it might be, the same thing has already been said by some eminent economist.” ––– Ludwig von Mises

frei nach Ludwig von Mises, Princeton University, Oktober 1958 (9. Versammlung der Mont Pelerin Gesellschaft)

Freiheiten

Ende des 18. Jahrhunderts bestanden zwei unterschiedliche Auffassungen von Freiheit. In der akademischen Überlieferung der Griechen und Römer war Freiheit das Privileg einer Minderheit. Demokratie war für die Griechen reinste Oligarchie gemäss unserem heutigem Verständnis. Souveränität exklusiver Bürger über die restliche Masse. Aber auch die zweite Vorstellung von Freiheit beschränkte sich auf eine reine Kampfansage gewisser Aristokraten und Patrizier auf die zunehmende Macht der Monarchie. Gewonnen wurde dabei nur in England und den Niederlanden – und dort nur für Wenige.

Doch es gibt nichts zu verurteilen. Die unüberwindbare Hürde beziehungsweise nicht zufriedenstellend lösbare Problematik war schlichtweg eine zu geringe Produktion für eine wachsende Bevölkerung. Armut war dadurch weitverbreitet. So war einfach nicht denkbar alle Zivilrechte den Menschen zuzugestehen; und noch weniger ein Mitwirkungsrecht beim Volksschicksal einzuräumen. Die Masse war nur mit roher Gewalt ruhig zu halten.

Kapitalismus

Das vor-kapitalistische Produktionssystem jeglicher Erzeugnisse war sehr eingeschränkt. Nach militärischer Eroberungen verteilten zwar siegreiche Könige ihre erreichten Landgewinne, aber die neuen Besitzer in ihrer Funktion als Herrscher waren sodann keinen Kunden untergeordnet, sondern selbst die wichtigsten Kunden der produzierten Waren. Weiter waren die dann zumal in Zünften organisierten Handwerke als Korporativen jeglicher Innovation nur abträglich, und da sehr protektionistisch veranlagt, boten Sie für die Wenigsten Arbeit. Doch Mensch ist nicht so schnell unterzukriegen und die „Ausgestossenen“ vermehrten sich trotzdem – und gaben Leben und beanspruchten daher weiter Raum für noch mehr mittellose Zeitgenossen.

Wann kam er dann, der verschrieene Kapitalismus? Denn erst seit da an ging es in der Menschheitsgeschichte auch darum, Bedürfnisse der Massen zu befriedigen. War dies mit der Industrialisierung der Produktion erreicht? Eigentlich nicht, denn prinzipiell war es erst einmal Marketing: Massenproduktion um die Nachfrage Vieler zu befriedigen. Nicht mehr Kleinproduktion rein für wenige Mehr-Bessere, sondern günstige Massenproduktion für Abertausende, und auch die Produzierenden selbst...

Aber auch nur jene Unternehmer, Kapitalisten oder Landbesitzer überleben langfristig, die fähig sind, sich permanent nach den immer neuen Anforderungen des Konsumenten zu richten. Das heisst, Reinvestition der Profite zur Bedienung der Massen ist notwendig, was gleichbedeutend mit der schieren Grösse der entsprechenden Unternehmung sein wird. Firmen, die Luxusprodukte für wenige produzieren, bleiben in der Regel auch eher klein. Das wurde kaum erkannt von den Historikern des 19. Jahrhunderts, die glaubten reine Ausbeutung der Arbeiter für eine verwöhnte, reiche Schicht zu erkennen. Aber doch sank die Kindersterblichkeit, das durchschnittliche Lebensalter stieg, die Bevölkerung wuchs und unglaubliche Annehmlichkeiten wurden auf einmal vom gemeinen Menschen genossen, die wenig früher kaum Bessergestellten zugänglich war. All das war aber nur eine Nebenerscheinung. Erstmals erlangte die Gesamtheit der Bevölkerung eine ökonomische Hoheit, die vormals nur bei den Grundbesitzern selbst lag.

Sklaven, Leibeigene und Arme verschwanden merklich aus dem Alltagsbild, und ihre Abkömmlinge wurden im neuen System nicht nur freie Arbeiter, sondern auch Konsumenten. 'Freie Märkte' sind das Stichwort. Der Konsument ist König, der wahre Boss, denn wer ihm nicht gehorcht gibt das Zepter ab. Das war die grosse ökonomische Transformation, die die Welt veränderte und damit auch die politischen Kräfte von einer privilegierten Minderheit zu allen Menschen verschob. Wie der Marktprozess den Konsumenten auserkoren hat den Kapitalisten und Unternehmer zu wählen, so wurde auch eine ähnliche Macht im Bereich der Regierung erreicht. Der gemeine Mensch wurde zum Wähler. Der Markt ist also eine Demokratie in welcher jeder Rappen ein Recht zu bestimmen gibt. Das ist aber im Politischen nicht ganz zutreffend, da dies so nie vollständig erreicht werden kann. In der Politik ist es immer eine Mehrheit die regiert. Der Markt aber gibt naturgemäss immer auch einer zahlenden Minderheit gleiches Stimmrecht. Und es besteht noch ein zweiter gravierenden Unterschied. Ungehorsamkeit gegenüber der politischen Mehrheit ist im Bereich des privaten Eigentums möglich. Man darf dazu fragen: Was wäre beispielsweise aus Marx ohne dem Produzenten Engels geworden?

Sozialismus

Der Konsument ist souverän. Der Sozialismus hat dies einfach nicht begriffen. Wenn dort von einem Schokoladenkönig gesprochen wird, dann vergisst man mit dieser Metapher einfach, dass Könige normalerweise nur mit Gewalt durch einen Neuen ersetzt werden, Schokolade aber, schnell einfach von einem anderen Produzenten genossen wird. So sind jene, die nicht eine Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Produzenten geniessen, sinngemäss dort auch der Macht zwischen verschiedenen Parteien zu wählen beraubt. Aber natürlich ist dieser Zustand gemäss den Diktatoren nur für eine gewisse Zeit zu ertragen, bis eben der sozialistische Traum wirklich wird. Ja, natürlich. So wurde beispielsweise auch die Inquisition als rechtens verteidigt, da sie doch die neue Ordnung verteidigte. Ein-Parteien Systeme. Unglaublich wie die Semantik gewisse politischer Parteien die Sprache missbrauchen. Partei? Das Wort entstammt der Wurzel teilen. Wie kann darin die Logik des Ein-Parteien Systems verbleiben? Sollte doch wohl eher Keine-Partei Prinzip heissen.

Gesellschaft

Jean Jacques Rousseau meinte, dass der Mensch frei geboren wurde, aber die Gesellschaft ihn versklavt hat. Es ist wahr, dass die Gesellschaft dem Individuum seine absolute Unabhängigkeit nicht verschaffen kann. In einer Gesellschaft kann jeder nur soviel von der Gesellschaft erwarten, wie er und andere bereit sind ihr entgegenzubringen. Eine Gesellschaft ist somit per Definition der gegenseitige Austausch von Leistungen. Solange die Individuen ungestört wählen können, sind sie frei. Sobald sie aber mit Gewalt gezwungen werden oder mit Androhung von Gewalt dem Tausch zustimmen müssen, mangelt es grundsätzlich an Freiheit. So wird mit jeder Regierung grundsätzlich auch Freiheit negiert.

Der Staat ist nicht, wie manche sagen, ein notwendiges Übel, aber ein Mittel zum Zweck; das wohl einzige Mittel, um friedvolles und reibungsloses Zusammenleben und Kooperieren zu ermöglichen, ohne dass dies einfach durch lokale oder fremde Kriminelle gestört werden könnte – wohl beinahe die nützlichste menschliche Institution schlechthin. Doch weiterhin sicherlich das reine Gegenteil von Freiheit und bleibt so Inbegriff von Unterdrückung, sei es bei Gefangennahme von Bürgern, in der Ausübung des Gewaltapparats, beim Zwang beliebiger Abgaben. Betreibt der Staat eine Schule oder Krankenhaus, dann immer nur durch Mittel, welche als Steuern eingetrieben und gezwungenermassen von den Bürgern bezahlt wurden. So bleibt Freiheit immer jenen Sphären vorbehalten, wo die Regierung nicht interveniert. Freiheit ist immer auch die Freiheit von einer Regierung. Zivilrechte umschreiben somit doch nur in welchen Bereichen den Staatsdiener erlaubt wird, dem Individuum seine Handelsfreiheit einzuschränken.

Systeme

Das eigentliche Ziel, das Menschen verfolgen indem sie einen Staat formieren, ist die Ermöglichung von sozialer Kooperation unter der Prinzip der Arbeitsteilung. Wollen die Menschen Sozialismus (Kommunismus, Planwirtschaft), dann bleibt kein Raum für Freiheit übrig. Alles ist dem Staat, der Regierung, untergeordnet. Der Staat ist ein totaler Staat; das Regime ist totalitär. In der Marktwirtschaft sind die Individuen frei in der Wahl wie sie sich im Rahmen der sozialen Kooperation integrieren wollen. Insofern dies den Tausch im Marktplatz betrifft, so handelt es sich rein um spontanes, freies Handeln der einzelnen Marktteilnehmer – Laissez-faire, wie der Begriff es eben in sich trägt.

Sozialisten müssen doch eingestehen, dass keine Freiheit im sozialistischen System besteht. Gewisse Befürworter (Mises bezieht sich unter anderem auf Robert L. Hale und dessen Werk *Freedom through law...“ von 1952) des sozialistischen System sagen nun, dass auch keine Freiheit auf dem freien Markt herrsche, da wir quasi „gezwungen“ sind darin zu handeln um Überleben zu können, und so folgern sie konsequent, dass eigentlich nirgends Freiheit gefunden werden kann. Was für jene also ökonomische Zwänge darstellen, ist grundsätzlich nicht verschieden vom Druck, welcher beispielsweise Herren ihren Sklaven auferlegen. Ferner wollen sie schlechthin alles, wo Freiheit Einschränkung auferlegt werden kann, in den Händen der Regierung konzentriert sehen. Aber sicher, denn in jenen Augen ist es auch nicht wert einen Unterschied der Tauschhandlung entstehend durch Steuern und Bussen, die also vom Staat auferlegt wurde, und beispielsweise dem Kauf einer Zeitung und einem Kinoeintritt zu erwähnen.

Unternehmertum

In einem freien Land wird niemand gehindert Reichtum zu schaffen, wenn er dem Konsument besser dienen will, als dies vorher der Fall war. Es braucht aber ein wenig Hirn und harte Arbeit. „Modern civilzation, nearly all civilization,“ sagte Edwin Cannan (in „An Economist Protest“ ,1928), der letzte in einer langen Tradition von britischen Ökonomen, „is based on the principle of making things pleasant for those who please the market, and unpleasant for those who fail to do so.“ Die ganze Diskussion um wirtschaftliche Machtkonzentration ist doch vergebens. Umso grösser eine Firma ist, umso mehr Konsumenten sie bedient, desto mehr hängt sie davon ab, den Konsumenten, den Massen also, gut zu dienen. Wirtschaftliche Macht, in der freien Marktwirtschaft, liegt ganz in den Händen des Konsumenten. Kapitalistischen Unternehmen wird keine Ruhe in dem einmal erreichten Produktionsstand erlaubt. Sondern unaufhörliche Innovation, tägliche Versuche die Leistungen für den Konsumenten zu verbessern mit immer neueren, besseren und günstigeren Produkten. Es besteht eine ständige Tendenz den verbesserten Ersatz für bereits bestehende Konsumentenlösungen zu bieten. Auch die Elite wechselt in diesem unternehmerischen Umfeld immerfort. Was die wahren Kapitäne der Industrie charakterisiert, ist deren Fähigkeit neue Ideen beizusteuern und diese auch umzusetzen. Wie gross ein Unternehmen auch ist, es ist dem Untergang geweiht, wenn es nicht mehr fähig ist, sich täglich dem bestmöglichen Verfahren anzupassen, das letztlich dem Kunden am Zweckmässigsten dient.

Doch die Politiker und die Möchtegern-Reformer sehen nur die Struktur der Industrie wie sie heute besteht. Sie meinen mit den vorherrschenden Routinen und Prozeduren Kontrolle effektiv ausüben zu können und die entsprechenden Betriebe nach ihrer Vorstellung zu beeinflussen. Der ambitiöse Neu-Unternehmer aber, der Grossindustrielle von morgen, ist bereits am Planen komplett neuer, noch gänzlich ungehörter Wege, währenddessen die Bürokraten nur in den alten Schemen denken können. Will man nicht in einer wahren wirtschaftlichen Flaute enden, muss freie Hand diesen unbekannten Unternehmern gelassen werden, die mit ihrem Einfallsreichtum, die Menschheit vorwärts bringen – zu mehr und mehr zufriedenstellenden Bedingungen für alle. Das stellt sich als das Hauptproblem der ökonomischen Organisation einer Nation dar.

Privates Eigentumsrecht an Produktionsfaktoren stellt keine Einschränkung an der Freiheit aller dar, wie etwa durch das Wahlverfahren, was einem am Besten passen möge. Im Gegenteil, es übertragt genau dem gemeinen Bürger in seiner Eigenschaft als Käufer, die Hoheit über alle ökonomischen Angelegenheiten. Es ist ein wahre Stimulation für die am ehesten unternehmerisch denkenden Bürger einer Nation, um sich selber gemäss ihren Fähigkeiten am besten am Dienste aller zu verschreiben.

Früher

Dennoch genügt es noch nicht dem Kapitalismus nur die enormen Veränderungen zuzuschreiben, welche er dem gemeinen Bürger brachte, wenn nur die Hoheit, die er als Konsument im Markt geniesst, oder seine Rechte als Stimmbürger in Staatsangelegenheiten mitzuwirken, noch die niemals zuvor dagewesenen Fortschritte beim Lebensstandard des Einzelnen beschrieben werden. Nein, nicht weniger wichtig ist die Tatsache, dass der Kapitalismus jedem die Möglichkeit zu sparen gibt, Kapital zu akkumulieren und auch wieder zu investieren. Der Graben, der im vor-kapitalistischen Status und der Kastengesellschaft Eigentümer und Mittellose separierte, verkleinerte sich mit seinen Aufkommen in der Menschheitsgeschichte merklich.

War es in früheren Zeiten dem gelernten Facharbeiter mit seinem geringen Einkommen beinahe unmöglich zu sparen, und wenn, dann reines Horten und Verstecken von ein paar Münzen, so ist ihm im Kapitalismus mittels seiner eigenen Fertigkeit auch Sparen möglich; Institutionen erlauben ihm nun seine Ersparnisse gezielt anzulegen bzw. zu investieren. Dadurch, dass nun der Arbeiter selbst Anlagen und Ersparnisse aufweist, damit Zinsen und Dividenden verdient, wird er in der Terminologie des Marxismus gar zum Ausbeuter. Der gemeine Mensch ist nun direkt am Unternehmenserfolg interessiert – als Konsument, Arbeiter, und auch als Investor. Es herrscht so eine Tendenz vor, welche die ehemals scharfe Grenze zwischen den Eigentümern von Produktionsfaktoren und den Mittellosen einfach zu verwischen beginnt. Natürlich kann sich dieser Trend nur dort entwickeln, wo der freie Markt nicht durch sogenannt soziale Interventionen sabotiert wird. Der Wohlfahrtsstaat aber, mit seinen Methoden des billigen Geldes, von Kreditexpansion und dieser unverhohlen inflationären Geldpolitik, beisst einfach kontinuierlich bei allen Forderungen bzw. Transaktionen, welche ja auch rechtlich in der Nationalwährung zu zahlen sind, einfach „seine Gebühr“ davon aus. Die selbsternannten Wächter des gemeinen Bürgers sind dann auch noch weiterhin von dieser überfälligen Idee geleitet, dass eine Regelung, welche Schuldner zu Lasten der Kreditgeber bevorzugt, für die Mehrheit der Bürger vorteilhaft sein soll. Ihre Unfähigkeit grundsätzliche Mechanismen der Marktwirtschaft zu verstehen, manifestiert sich weiter in ihrem Versagen die offensichtliche Tatsache zu sehen, dass jene, welche sie vorgeben helfen zu wollen, doch die Kreditgeber selbst in ihrer Eigenschaft als Sparer, Versicherungsnehmer und Besitzer von Anleihen sind. Und somit die eigentlich Benachteiligten dieses betrügerischen Schemas sind.

Westliche Errungenschaft

Das hervorstehende Prinzip der westlichen „social philosophy“, der Gesellschaftsphilosophie, ist der Individualismus. Es zielt auf die Erstellung einer Atmosphäre ab, in welcher der Einzelne frei ist zu denken, zu wählen und zu handeln, ohne jeglichem Einfluss des gesellschaftlichen Apparates von Zwang und Unterdrückung, dem Staat, eingeschränkt zu werden. Alle spirituellen und materiellen Errungenschaften der westlichen Zivilisation sind Resultat des Wirkens dieser Idee von Freiheit. Diese Doktrin und die Regeln des Individualismus und des Kapitalismus, die Anwendung in ökonomischen Angelegenheiten, benötigen keine Entschuldigungen oder Propagandisten. Die Errungenschaften sprechen für sich selbst.

Zuspruch für den Kapitalismus und privates Eigentum ruht, neben anderen Überlegungen, klar bei der unvergleichlichen Effizienz in Form des erreichten Produktionsausstosses. Gerade diese Effizienz ermöglicht es den kapitalistischen Unternehmungen, trotz rasch zunehmender Bevölkerung, kontinuierlich den Lebensstandard aller dennoch zu erhöhen. Der dadurch fortschreitende Wohlstand der Massen erzeugt ein soziales Umfeld, in welchem besonders Begabte frei sind ihren Mitmenschen in jener Form zu dienen, was sie eben fähig und gewillt zu geben sind. Die soziale Ordnung mit privatem Eigentum und eingeschränkter Regierung scheint das einzige System, das dazu tendiert Gewalt bei jenen zu minimieren, welche Ihrer und die den meisten ursprüngliche und innewohnende Kraft zur persönliche Entfaltung auch nachgeben.

Schluss

Es ist reine Zeitverschwendung die materiellen Errungenschaften des Kapitalismus zu verniedlichen, indem ausgedrückt wird, dass es Wichtigeres gäbe, als grössere und schnellere Autos, Häuser mit Zentralheizungen, Klimaanlagen, Kühlschränke, Waschmaschinen oder Fernseher zu produzieren. Sicherlich gibt es höhere und edlere Ziele. Aber genau deswegen sind sie höher und edler, weil sie eben nicht durch allgemeine, externe Faktoren bestimmt sind, sondern eben alleine durch individuelle, persönliche Absichten angetrieben werden. Diejenigen, die diesen Vorwurf hochbringen, zeigen eine doch sehr rohe und materialistische Sichtweise, wenn sie annehmen, dass ethische und spirituelle Kultur entweder durch die Regierung oder durch die Organisation der Produktionsaktivitäten erreicht wird. Alles was diese externen Faktoren in diesem Zusammenhang ermöglichen, ist ein Umfeld und die Möglichkeit, die dem Individuum eine Basis schafft, selbst an sich zu arbeiten um weiter zu wachsen. Es ist nicht der Fehler des Kapitalismus, dass die Massen es bevorzugen einen Boxmatch anstatt Sophocles' Antigone zu sehen, Jazzmusik einer Sinfonie von Beethoven oder Comics der Poesie vorziehen. Aber es ist sicher, dass vor-kapitalistische Bedingungen, wie sie noch in weiten Teilen der Welt vorherrschen, diese Güter einer Minderheit vorbehalten, der Kapitalismus dagegen aber vielen eine vorzügliche Chance gibt, diese auch geniessen zu können.

Von welcher Perspektive aus man auch immer auf den Kapitalismus schaut, es gibt keine Gründe über den Verlust der sogenannt guten, alten Zeit zu lamentieren. Noch weniger gerechtfertigt ist aber der Wunsch nach totalitären Utopien begründet, weder gemäss Vorbild der Nazis, noch nach dem sowjetischen Typus.

Mises schliesst seine Rede an diesem neunten Treffen der Mont Pelerin Gesellschaft nicht ohne die anwesende Gesellschaft zu erinnern, dass Treffen, an welchem Meinungen, die sich nicht mit der Mehrheit der Zeitgenossen und jener der Regierung deckt, eine sehr fortgeschrittene Diskussionskultur bedingen und nur in einem gesellschaftlichen Klima von Freiheit und Frieden möglich sind – und damit das wertvollste Merkmal der westlichen Zivilisation darstellen.

Lasst uns also hoffen, dass dieses Recht uneins zu sein, nie verschwinden möge.

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

Quelle:

Folgenden Artikel können Sie in unserem Thek einsehen:
- Mises, "Liberty & Property", 2009, LvM Institute
oder online: Liberty & Property

 

top