Swiss Mises Institute

Sonntag, 10. Oktober 2010 von Patrik B. Vonlanthen zu Institut

R.I.P. Ludwig von Mises - und es lebe das SMI

Ludwig Heinrich Edler von Mises (Bild von mises.org)
Ludwig H. von Mises
(von mises.org)
Ludwig von Mises? Wer soll das sein? Und der Menschheit hat er etwas Wichtiges vermacht? Entscheidende Einsichten unter anderem in Mechanismen der Volkswirtschaft? Und lebte für einige Zeit sogar innerhalb meiner Landesgrenzen – in Genf – bevor die unsinnigen Wirren des 2. Weltkrieges ihn in die USA vertrieben? Und warum nochmals bin ich schockiert? Einfach nichts davon gewusst zu haben? Oder doch wegen der Vernachlässigung, dem mutwilligen Vergessen dieses signifikanten Wissens? Deshalb? Ja, deshalb. Und weil ich es aus heutiger Sicht als unvorstellbar und unerträglich empfinde würde, hätte diese Denkwelt meine Eigene in diesem Leben nie berührt. Bin ich da alleine? Ich denke kaum. Denn wen berührt nicht schon die Wirtschaft in der einen oder anderen Weise? Was man in dieser Welt auch bewirkt, von diesem Wechselwirken sind wir fast ausschliesslich betroffen.

Wo der Weg begann

Im Jahre 2000 entschied ich mich einen kleinen Teil meines angesparten Vermögens in einen Aktienfonds zu investieren. Ich folgte der dazumal relativ gängigen Ansicht, dass dies ein vernünftiger Zug sei und sicherlich langfristig immer profitabel. Ich wurde mit dem Börsencrash beziehungsweise dem Platzen einer dieser Anlageblasen ganz real eines Besseren belehrt. Der Bulle war erschöpft und irritierend ziellos geworden. Und scheint dies noch heute zu sein. Wollen wir uns überhaupt dieser Bilder bedienen – Bullen und Bären? Vielleicht sollten wir uns mehr darauf fokussieren, wer denn wo diese Arena gebaut hat... Glücklicherweise hatte ich den weit grösseren Teil meiner Ersparnisse für eine geplante, extensive Weltreise reserviert. Kluger Entscheid. Reale Folgen. Denn es sollten geschlagene sechs Jahre dauern, bis die Gelder im Aktienfonds meinem nominalen Einkaufswert wieder entsprachen. Und das auch nur für kurze Zeit. Eine schöne Lektion, dass verbissenes Halten von Titeln, ein klassisches Fehlverhalten ist. Auch dass Werte, welche auf Papiere gedruckt werden, ziemlich realitätsfremd sein können. Der Entschluss war gefasst. Mein gespartes Geld sollte künftig nicht einfach mehr jemand anderem anvertraut werden.

Wirtschaft geht alle an

Man muss sich selbst mit Mechanismen der Ökonomie auseinandersetzen – egal welchen Hintergrund man auch mit sich bringt, jeder hat ein natürliches Verständnis der wirtschaftlichen Grundprinzipien. Bei der Frage zur entsprechenden Wissenstiefe soll man sich der Analogie des Fahrzeugs bedienen, um von A nach B zu fahren, muss man ja auch nicht verstehen, wie die Kraftstoffeinspritzung geschieht, dass aber Kraftstoff im Tank sein muss, das schon. Denn was bringt es schon, wenn man das Verdiente casino-like an der Börse wieder verzockt. Oder es nur auf einem Sparkonto belässt, in eine Staatsanleihe mit mickrigen Zinsen investiert? In der Tat, mit Kapital kommt Verantwortung – sofern man nicht einfach alles restlos verkonsumiert. Doch selbst in jenem extremen Fall, denn Mensch weiss, dass niemand vor Krankheit oder einem Ausfall des Geldflusses gefeit ist und somit Reserven angebracht sind. Und weiter? Jeder Konsum ist bedeutungsvoll, da ich damit immer auch meine Stimme dem spezifischen Produkt, Produzenten und somit Unternehmen gebe. Endlich also eine Abstimmung in der automatisch alle Stimmen eingesammelt werden. Und ganz ohne Zwang normalerweise.

Aber der Weg bleibt das Ziel

So war bald nach meiner Weltreise wieder Arbeitsleistung gefragt um den lebensnotwendigen Geldfluss wieder in Gang zu bringen. Als Angestellter, der seine kostbare Lebenszeit einfach in entgoltene Arbeitszeit ummünzt. Zur selben Wertsteigerung macht man womöglich noch eine Weiterbildung zum MBA. Oder auch nur aus purem Interesse, um jenem Buch mit sieben Siegeln, genannt Wirtschaft, auf die Schliche zu kommen. Und vor zwei Jahren trat ich dann meinen letzten Job an, bei welchem ich lokal in den USA angestellt wurde. Grossartige Erfahrung, doch erneut mit einem finanziell eher schmerzlichen Resultat. Der US Dollar hat in zwei Jahren in der Gegend von 15 bis 20 pro Cent an Wert gegenüber meiner Referenzwährung, dem Schweizer Franken, eingebüsst. Als ich zu Beginn meiner Anstellung dann dem dortigen CFO sagte, dass ich am Liebsten in Gold bezahlt würde, musste er schmunzeln. Nun, wenn wir nackte Zahlen sprechen lassen – es geht letztlich ja simpel um Kaufkrafterhaltung – dann hätte ich mit Gold keine Verluste hinnehmen müssen... Gerade heute findet man zum Thema Wechselkurse, Währungsmanipulationen und staatlichen Manipulationen in allen Zeitungen einige Artikel. Ein schwer auf der Welt lastendes, aktuelles Thema, worüber wir noch einige Zeit sprechen werden. Und es gäbe doch wohl schon Lösungen dieses Währungschaos zu beheben, doch dies wird in anderen Artikeln und vor allem auch am Institut zentral behandelt werden müssen.

Theorien zu Volkswirtschaften auf dem praktischen Prüfstand

Der arme Ökonom ist nun also konfrontiert mit den verschiedensten Lehrmeinungen zum Funktionieren der Volkswirtschaft. Wie gelungen wäre es, man könnte wirklich mit naturwissenschaftlichen Ansätzen erklären, was in einer freien Marktwirtschaft genau abgeht. Bis jetzt scheint dieser Versuch gänzlich misslungen, doch noch immer besteht die Schwierigkeit darin, den Kaiser über seine Nacktheit zu informieren. Und so eilen wir wohl von Krise zu Krise, bis diese alten Vorstellungen niedergerissen werden und neue, korrektere Anschauungen appliziert werden können. Wie brisant die ganze Sache ist, zeigt sich schon an der Namensgebung, die meiner Trouvaille gegeben wurde: österreichische Schule der Volkswirtschaft. Da sind dann noch jene von Chicago, Lausanne, Cambridge, Manchester und viele mehr entstanden und kämpfen um Ihre Daseinsberechtigung. Wie auch immer, mit Namen für gedachte Systeme habe ich an sich kein Problem. Mich kümmert mehr die Essenz, die dahinter steckt. Lehrmeinungen sind ja immer auch da um widerlegt zu werden und gerade mit den jüngsten Systemkrisen der Wirtschaft im Bereich der Finanzbranche, sind die letzten zehn Jahre im Zeitraffer an meinem inneren Auge vorbeigehuscht. Doch, die Lehrmeinung der österreichischen Schule über die sogenannten Konjunkturzyklen ist gut nachvollziehbar. Erklärt logisch, schlüssig und aufschlussreich den Sachverhalt – und hilft auch weit zurück in letzten Jahrhunderten Antworten zu Ursachen damaliger Wirtschaftskrisen zu finden.

Zum Abschluss möchte ich diesen mir nur in Englisch vorliegenden Gedankensplitter von einem Philosophen mit Euch teilen...

The way to Intelligence

Sorrow is the result of a shock, it is the temporary shaking up of a mind that has settled down, that has accepted the routine of life. Something happens - a death, the loss of a job, the questioning of a cherished belief - and the mind is disturbed. But what does a disturbed mind do? It finds a way to be undisturbed again; it takes refuge in another belief, in a more secure job, in a new relationship. Again the wave of life comes along and shatters its safeguards, but the mind soon finds still further defence; and so it goes on. This is not the way of intelligence, is it? – Commentaries On Living, Series 3, Chapter 36

Das Swiss Mises Institute ist fest überzeugt, dass es richtig ist, das Erbe von Ludwig von Mises aktiv zu bewahren. Dazu suchen wir weitere tatkräftige, aber auch finanzielle, Unterstützung durch möglichst viele Vereinsmitglieder – oder Promotoren jedwelcher Provenienz. Helfen Sie uns unermüdlich zu bleiben, unseren Geist in Bewegung zu halten und nicht klein beizugeben in der fortwährenden Suche nach ein wenig mehr Wahrheit, ein wenig mehr Freiheit, ein wenig mehr Frieden...

Es grüsst Euch herzlich, Patrik

 

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